Als ein Drama in drei Akten könnte man das Meisterwerk Peter Jackson’s bezeichnen. Nicht nur unfassbare, auch unfassbar schöne Szenen spielen sich da bei King Kong vor einem auf der Leinwand ab. Die knapp dreistündige Kinofassung wirft den Zuschauer direkt in eine “30er-Jahre-New-York-Stimmung”, die sich so ungeordnet und aufgewühlt noch in recht wenigen Filmen gezeigt hat. Die dadruch entstehende Atmosphäre wirkt beängstigend real, für die Dauer dieses Films fühlt man sich tatsächlich in den Big Apple von vor mehr als 70 Jahren versetzt.
Die arbeitslose Schauspielerin Ann Darrow (Naomi Watts) irrt von einem Film-Produzenten zum anderen und versucht irgendwie über die Runden zu kommen. Bis sie eines Tages Carl (Jack Black) begegnet, einem Utopist und Blender erster Güte. Dieser verspricht der gescheiterten Darstellerin den großen Durchburch. In Planung habe er einen Film, dessen Drehort in Singapur sein soll. Doch nur der Produzent weiß, dass die Reise nicht in den Fernen Osten gehen wird, sondern Ziel eine bis dato unentdeckte Insel ist, auf der wilde Kreaturen leben.
Zusammen mit der S.S. Venture Crew unter Captain Engleborn (Thomas Kretschmann) und dem Drehbuchautor Jack (Arien Brody) macht sich das Team auf den Weg in Richtung Skull Island. Dort angekommen beginnt der animationstechnisch brilliant umgesetzte Teil der Story erst richtig. Schaudererregende Ureinwohner mit größtenteils animalischen Zügen verschleppen sogleich Ann und vollführen mit ihr ein Opferritus, der einem riesigen Affen gebührt. Jener verschleppt die schöne Blondine dann in die Tiefen des Dschungels. Das Team macht sich daraufhin auf die abenteuerliche Suche nach Ann und begegnet dabei so manchem detailliert dargestellen Urweltbewohner.
Pflanzenfressende Dinosaurier sind in King Kong genauso atemberaubend dargestellt, wie Killerinsekten oder gewaltige Flugvögel. Doch an den tierischen Protagonisten in haariger Affengestalt reichen sie nicht ganz heran. Hier hat sich Jackson besonders Mühe gegeben. Das beweist der Kampf zwischen Kong und mehreren fleischfressenden Saurier, die nicht nur ihm, sondern auch Ann an den Kragen wollen. Die herzerweichende Schlüsselszene auf dem Gipfel der Insel und die rasante Jagd auf den Riesenaffen zeigen, dass der Regisseur sowohl romantisch-storylastige als auch actionreiche Elemente mit einander optimal kombinieren kann.
Gut, im Grunde kann man das Remake nicht als komplett neuen Film betrachten, dennoch hat Jackson es hinbekommen, den Film doppelt so lang zu gestalten, ohne, dass er an irgendeiner Stelle langweilig wird. Falls es nun noch jemanden gibt, der Zweifel an Jackson’s Erzählfähigkeiten hat, sollte sich nochmal ins Gedächtnis rufen, dass er es war, der die Herr der Ringe Trilogie kreierte. Langweilig geht es auch im imaginären dritten Akt nicht zu. Inzwischen werden die Mitglieder der Expeditionscrew als Volkshelden gefeiert, da sie es scheinbar vollbracht haben, die Bestie zu zähmen. Kong wird nun als animalische Attraktion in einem New Yorker Theater missbraucht. Doch der Freiheitsdrang und vor allem die Sehnsucht nach Ann, verleiht dem Affen eine so große Stärke, dass er sich von seinen Fesseln befreien kann und halb New York in Schutt und Asche legt. Hier werden nochmals die Darstellungstechnik-Geschütze aufgefahren. Häuser fallen um wie Bauklötze und Taxis fliegen durch die Luft. Erst als das Ungeheuer Ann sieht, beruhigt es sich und rutscht unbeholfen aber drollig über die künstlich angelegte Eisfläche. Sehr melodramatisch das Ganze, mit einem Hauch von Kitsch. Bei wem diese Szene keine herzerwärmenden Gefühle auslöst, der kann sich immernoch an der fabelhaften Darstellung dieser erfreuen. Den Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt findet der Film auf dem Empire State Building, das als schmale Kampfplattform und schlussendlich als Sprungbrett in den Tod fungiert.
Peter Jacksons Remake des Filmklassikers King Kong ist weit mehr als ein Mega-Blockbuster mit massenhaft Computer-Spielereien. Der Streifen wirkt wie ein Sturmlauf gegen ein Vorbild, das selbst schon XXL war. Einige Kritiker bezeichnen diesen Film als eine Art Revolution des Kinos. Doch einer Revolution liegt eine grundlegende Veränderung in allen Bereichen zugrunde, in Peter Jacksons Remake allerdings nur eine Fortschreitung des Kinos, wie man es kennt. Sicher ist jedoch, dass in die Riesenstapfen Kongs keiner so schnell treten wird.











