Neben Leathernecks und Devil Dogs bezeichnen sich die Mitglieder des United Marine Corps auch als Jarheads. Der Begriff umschreibt ihre oftmals an den Seiten kahlrasierten Köpfe, die das verkörpern was diesen Film ausmacht: Radikalität. Ob die Truppen radikal gedrillt werden oder radikaler Hitze und Langeweile in der Wüste von Kuwait ausgesetzt sind, die ganzen 122 Minuten lässt einen das Gefühl nicht los, die extreme Beschaffenheit des Krieges hautnah zu spüren.
Dabei ist die meiste Zeit gar nicht viel vom Krieg zu sehen, zumindest nicht von einem Krieg, der durch Gewehrfeuer, Granaten und Panzer gekennzeichnet ist, im Mittelpunkt steht hier ein ganz anderer Kriegsschauplatz. Die menschliche Seele dient dem Film als eigentliche Waffe und Regisseur Sam Mendes (”American Beauty”) zeigt eindrucksvoll, wie gefährlich der menschliche Verstand sein kann und wie schnell dieser Ladehemmungen in Form von Verzweiflung haben oder unerwartete Querschläger verursachen kann, was man in dem Fall auf die angeschlagene Psyche des Protagonisten Anthony Swofford (Jake Gyllenhaal) projezieren kann.
Zu Beginn kommt man sich vor, wie in einer Eins zu Eins Kopie von “Full Metal Jacket”. Ein Sergant brüllt seine Rekruten an, erniedrigt diese und wendet schließlich Gewalt an, zur Einschüchterung versteht sich. Dieser “Trainingsprozess” zieht sich ca. 20 Minuten hin, dann welchselt die Stimmung, radikal, in Langeweile und das Warten auf den Feind. Ab diesem Moment kommt man sich vor wie in einem modernen “Apocalypse Now”, bei dem der Schauplatz vom Dschungel Vietnams in die Wüste Kuwaits verlagert wurde. Erst nach gut zwei Dritteln des Films folgt der Showdown. Doch wer jetzt denkt an dieser Stelle müsste die hollywood-typische monströse Schlacht mit hunderten von Toten kommen, täuscht sich. Das einzige, was in Flammen aufgeht sind die Ölfelder, die dem Zuschauer einen Blick auf ihre eigene Hölle auf Erden geben. Am Ende ziehen Swofford und sein Soldatenfreund die ernüchternde Bilanz: “Wir haben in diesem Krieg keinen einzigen Schuss abgegeben”.

Unterschwellig merkt man dem Film definitiv den Sarkasmus an, einige Szenen sind dagegen einfach nur witzig, ohne Bezug auf die Golfkrieg-Politik zu nehmen und ohne Seitenhiebe gegen das amerikanische Militär auszuteilen. Doch so einfallsreich die Idee war, die Memoiren von GI Anthony Swofford zu verfilmen, letztendlich fehlt dem Film der gewisse Aha-Effekt. Der größte Kritikpunkt ist, meines Erachtens, die Anlehnung des Streifens an die oben genannten großen Kriegsfilme Ende der 70er und 80er Jahre. Zu krampfhaft hat man versucht einen weiteren Kriegsepos der Neuzeit zu erschaffen, was mit diesem Drehbuch durchaus machbar gewesen wäre, im Endeffekt scheitert das Vorhaben jedoch an der Umsetzung.
Ein zweites “Apocalypse Now” wird “Jarhead” aus vielerlei Gründen wohl nicht werden. Aufwühlend und anspruchsvoll ist der Film über den Krieg der menschlichen Psyche mit sich selbst dennoch und eine kritische Grundstimmung kann man dem Film auch nicht abstreiten. “Jarhead” ist einer dieser Filme, die keinerlei vernichtende Kritik ernten und doch am Ende nicht in die Filmgeschichte als wegweisend eingehen.










