19th May 2012

Filmreview: Match Point

Posted by Reviewnator on Januar-11-2006 Add Comments

Match Point

Gleich vorab: Dieser Film ist ein Meisterwerk, in absolut jeder Hinsicht. Er erfindet einen Stil neu, bei dem man glaubte, dass es ihn nur noch in billig produzierten ZDF Vorabendserien geben würde: Den Liebesthriller.

Woody Allen mal von einer ganz anderen Seite. Bekannt wurde er durch seine Art, Komödien ein ganz gewisses Flair zu verleihen. Der im Jahr 2000 erschienene Film “Schmalspurganoven” zeugt davon in atemberaubender Weise. Doch bei “Match Point” ist alles anders. Das beginnt schon bei der Auswahl des Handlungsstandortes, ungewöhnlicher Weise bevorzugt Allen diesmal die englische Hauptstadt London, anstatt sich für die bereits aus so vielen Filmen bekannte New Yorker Umgebung zu entscheiden.

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Recht so, denn der Big Apple hätte diesem Film ganz und gar nicht gestanden. Mit der Wahl der englischen Upper-Class als Jargon, landet er einen weiteren Volltreffer. Die Stimmung in die der Zuschauer vom ersten Ton bis zum letzten Bild hinein versetzt wird, könnte detaillierter und authentischer nicht sein. Es gibt keine Szene im Film, bei der nicht auf jeden einzelnen Ton und jedes einzelne Wort penibel genau geachtet wurde, das macht sich besonders in den durchkonstruierten Dialogen und in der Filmmusik, die zu 100 % aus Operngesang besteht, bemerkbar.

Der aus einfachsten Verhältnissen stammende Tennistrainer Chris Wilton heiratet in eine großbürgerliche Londoner Familie ein. Doch so richtig glücklich scheint er, trotz seiner durchaus akzeptablen finanziellen Situation, resultierend aus seiner leitenden Position in der Firma des Schwiegervaters, nicht zu sein. Erst als er die Verlobte des Bruders seiner Frau kennen lernt, taut der sonst so verschlossene Gentleman auf. In einem Drahtseilakt pendelt er die kommenden Monate zwischen Schicksal und Lust, bis er keinen Ausweg mehr sieht und das tragische Ende naht.

Das wundervolle an diesem Film ist, dass er sich in erfrischender Weise von jeglichen anderen Produktionen abhebt. Scheint die Handlung bis Mitte des Films noch in Einsamkeit, Verzweiflung, Geltungssucht und Heuchelei getränkt, ist der zweite Teil unerträglich spannend gemacht und die einzelnen Puzzleteile setzen sich langsam zusammen. Bis die Visage Chris’ in der letzten Szene im Dunkeln verschwindet, sieht man das Ende nicht nahen, man traut sich keine Sekunde nur daran zu denken, wie dieses Glanzstück enden könnte. Schließt sich der Vorhang dann doch, ist man von einem Gefühl übermannt, das schwer zu beschreiben ist. Einerseits fühlt man sich tottraurig, wegen der erbarmungslosen Dramatik, andererseits geht man innerlich gereinigt aus dem Kino, wie das früher nur bei Komödien der Fall war, die im Theater aufgeführt wurden. Und auch beinahe theaterreife Vorstellungen liefern die Schauspieler hier ab. Ob es um die Darstellung des verwöhnten US-Starlets Nola (Scarlett Johansson), um den skrupellosen und lustversessenen Chris (Jonathan Rhys-Meyers) oder um die liebevoll charmante Chloe (Emily Mortimer) geht, die Rollen wirken exakt maßgeschneidert.

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Woody Allen ist und bleibt ein Perfektionist. Auf verblüffend neue Weise zeigt er der Welt seine ausgereiften Künste als Hobby-Hitchock auf. Dabei ist er zu jeder Zeit auf die richtige Etikette bedacht und versteht es, einem grandiosen Film ein äußerst passendes Ende zu verleihen. Lange Rede, kurzer Sinn: An “Match Point” muss sich jeder Film, der in diesem Jahr erscheinen wird, messen lassen, denn hier werden neue Maßstäbe gesetzt.

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