7th February 2012

Filmreview: Brokeback Mountain

Posted by Reviewnator on März-16-2006 Add Comments

Brokeback Mountain

Was wurde über diesen Film im Voraus nicht alles geschrieben. Zu homosexuell wäre er. Zu sehr würde sich das Motiv des “Anders sein” in den Vordergrund drängen und damit einen reinen Schwulenepos schaffen. Außerdem würde des Mannes heiligstes Terrain, der Western, öffentlich denunziiert, proklamierten einige hoch angesehene Filmkritiker. In einigen Bundesstaaten der USA wurde der Streifen gar verboten und durfte somit nicht im Kino gezeigt werden. Das machte natürlich weltweit Schlagzeilen und unterstrich nicht zuletzt die Prüderie der Amerikaner.

Der Regisseur, Ang Lee, wird sich über derartige Werbung für seinen Film freuen. Denn es gibt nichts besseres als schlechte Publicity für einen durchweg gut gelungenen Streifen. Davon abgesehen ist die Kontroverse um die schwulen Cowboys Ennis und Jack umso lächerlicher, denn bei “Brokeback Mountain” gibt es weder ausschweifende Nacktbilder noch groß inszenierte Kopulationszenen. Auf eine knappe Sexszene beschränkt sich Lee, die von einem fast schon brutalen Kuss eingeleitet wird. Aber was will man von Cowboys auch anderes erwarten.

Brokeback Mountain

Im Sommer 1963 sind zwei glücklose Westernhelden auf der Suche nach Arbeit, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zufällig bekommen sie einen Job zugeteilt, den sie gemeinsam in der Einsamkeit von Wyomings Brokeback Mountain ausüben müssen. Der Tagesablauf ist klar: Einer wacht am Zelt und sorgt für Essen, der Andere reitet hoch zu den Schafherden um diese vor hungrigen Füchsen zu schützen. Doch eines Abends zieht die Kälte in die Berge und Jack holt Ennis zu sich ins Zelt. Am nächsten Morgen wirkt das Verhältnis zwischen den Beiden wie vereist. “Ich bin nicht schwul oder so.” “Ich auch nicht.” Damit scheint das Thema gegessen zu sein, doch aus einem nicht wiederrufbaren Zwischenfall wird eine Liebe, die über 20 Jahre hält. Und das, obwohl beide Cowboys sich einige Jahre überhaupt nicht sehen und wenn, dann nur zwei bis drei Tage, um zusammen fischen zu gehen. Nebenbei lernen Jack und Ennis auch ihre späteren Ehefrauen kennen, denen sie das Liebesglück vorheucheln.

Als umstritten kann “Brokeback Mountain” durchaus bezeichnet werden. Doch nicht aus zu Beginn dieser Review genannten Gründen der angeblich omnipräsenten Homosexualität. Viel mehr bilden die Nebenschauplätze des Films die eigentlich dramatischen Szenen, wie z.B. die gescheiterte erste Ehe von Ennis, dessen Frau und zwei Kinder stark unter dem einsamen Leben mitten im Nichts und der fehlenden Zuneigung des Cowboys leiden. Ein weiteres Drama spielt sich rund um die Eltern der beiden Liebenden ab, die – so unterschiedlich sie auch sein mögen – mit ihren Schicksalen ein hartes Loß gezogen haben. Und das auf Lebenszeit.

Brokeback Mountain

Zwei Dinge dürfen nicht unerwähnt bleiben: Zum einen ist die schauspielerische Leistung des vielumjubelten Heath Ledger und des stets übergangenen Jake Gyllenhaal einwandfrei, um nicht zu sagen großartig. An Authentizität fehlt es dem Anti-Western keineswegs. Zum anderen wurden, wie nicht anders zu erwarten, einzigartige Landschaftsbilder geschossen, die die Einsamkeit und Wildnis vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten in ihrer vollen Pracht erstrahlen lassen.

“Brokeback Mountain” kann, und will vor allem nicht ausschließlich unter homosexuellen Gesichtspunkten betrachtet werden. “Brokeback Mountain” versteht sich jedoch genauso wenig als klassischer Western, wie man ihn aus John Wayne Zeiten kennt. “Brokeback Mountain” erzählt einfach mit Bravour eine Liebesgeschichte der anderen Art. Ob das jedoch wirklich die drei kürzlich gewonnen Oscars rechtfertigt, wage ich zu bezweifeln. Denn am Ende ist der Film nichts weiter als eine wahnsinnig gut gesponnene Liebesgeschichte. Und davon hat man in den letzten Jahren wahrhaftig genug Vergleichbares gesehen.

  • del.icio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • FriendFeed
  • LinkedIn
  • MySpace

Post a Comment

(required. But it will not be published)