19th May 2012

Künstlervorstellung: Dead Prez

Posted by Reviewnator on März-21-2006 Add Comments

Dead Prez

Polit-Rap in einer von Pseudo-Gangsta verseuchten Hiphop Landschaft wollen heut zu Tage wohl nur noch die Wenigsten hören. Doch was passiert, wenn man die Agressivität und Härte des kriminellen Jargons mit der Energie des Black Power Movements vereint, spiegelt sich in der Musik der Dead Prez wieder. Schon Nas rappte einst “I’m out for dead fuckin’ presidents to represent me”, beschrieb damit die Macht der Dollarscheine und schuf einen Satz, der in die Geschichte eingehen sollte. Der ausgeschriebene Crew Name von M-1 und stic.man hat jedoch eine völlig andere Bedeutung, die oftmals missverstanden und auf Geldscheine projeziert wird. “All Power To The People!” ist der eigentliche Hintergedanke der Namensschöpfung und wirkt leicht utopisch-anarchistisch.

M-1, um den es hier hauptsächlich gehen soll, wird auf Jamaica geboren. Als es ihn im zarten Alter von neun Jahren in die Ghettos von Brooklyn verschlägt, ist er allgemein unter dem Namen Mutulu Ulugbala bekannt, was auf afrikanisch soviel wie “aus Liebe zum eigenen Volk” bedeutet. Schon früh interessiert sich der Heranwachsende für Politik, genauer gesagt afro-amerikanische Politik. Als größte Inspiration nennt er Alex Haleys Buch “The Autobiography of Malcolm X”, die einige Jahre nach dessen Tod erscheint. Doch so brav und gebildet sich das auch anhören mag, M-1 bleibt, besonders in seiner High School Zeit, nicht immer auf dem gesetzmäßig rechten Weg und fliegt schließlich wegen Drogenbesitzes von der Schule. Doch wie es das Schicksal will, findet er schnell ein neues College in Florida, wo er seinen Partner in Rhyme, stic.man, kennen lernt. Diesem geht es zu dieser Zeit jedoch alles andere als gut. Der übermäßige Alkoholkonsum hat seinen Körper schwer in Mitleidenschaft gezogen – Diagnose: Gicht. “Es ist so wichtig, zu wissen, wann es genug ist. Sonst erkennst du dich irgendwann selbst nicht wieder” gab er Jahre später in einem Statement zu.

Dead Prez

Musikalisch aktiv werden die Dead Prez um 1997, als sie zufällig auf Lord Jamar von Brand Nubian stoßen und dieser ihnen sofort einen Plattendeal verspricht. Erste Tracks entstehen auf Label-Compilations und bereits ein Jahr später gelingt der Crew mit dem Titel “Bigger Than Hip Hop” der mediale Durchbruch. Durch Labelprobleme verschiebt sich der Release des Debüt-Albums um mehr als ein Jahr und erscheint schließlich 2000 (”Let’s Get Free”). Kurz darauf beginnen die Raptivisten mit der Umsetzung einer einfallsreichen Idee, die unter dem Namen “Turn Off The Radio” 2002 erscheint. Auf der Platte rappen die Dead Prez über Beats bekannter Charthits, allerdings mit höchst politischen Versen. “Wir haben Songs genommen, deren Sounds und Melodien uns gefielen und haben sie in einen Bezug gesetzt zur Situation der Schwarzen in den USA” äußerte sich stic dazu. Ihr drittes und bis dato aktuellstes Album kommt 2004 auf den Markt, und wieder geht es Dead Prez-typisch um die Vereinbarkeit zwischen Großstadtghetto und Schwarzer Politik.

Dead Prez

Nun schreiben wir das Jahr 2006 und die eingeschworene Rap-Community wartet schon sehnsüchtig auf einen Nachfolger zu “RBG: Revolutionary But Gangsta”. Teilweise können die Heads nun endlich aufatmen. Denn ab 21. März steht die Solo-LP von M-1, “Confidential”, in den Läden. Unter anderem mit Features von Q-Tip, Cassandra Wilson, Styles P und einigen mehr. Und auch wenn die Produktionen weitgehend von weniger bekannten Produzenten wie Fabrizio Sotti oder Agallah stammen, kann man sich auf einen Silberling, durchtränkt mit politischen Statements einstellen. M-1 ist eben strictly confidential – streng vertraulich.

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