19th May 2012

Künstlervorstellung: E-40

Posted by Reviewnator on März-14-2006 Add Comments

E-40

Man könnte ihn fast mit einem Gelehrten oder einem Prediger verwechseln, diesen E-40. Mit seiner Professor-Brille und dem verschmitzten Gesichtsausdruck wirkt der Mitinitiator des Hyhpy Movements recht harmlos. Doch schaut man hinter die Fassade wird schnell klar, dass sich hinter dem netten Gesicht ein verrückter Ghost Rider versteckt. Als eine Art Brauch könnte man das “Ghost Riding” bezeichnen, das typischer Bestandteil des Hyphys ist und mit aufgemotzten Autos, deren Türen stets offen sind, praktiziert wird. Wer dieser E-40 überhaupt ist und was noch zum Hyphy dazu gehört, kann man in folgendem Text erfahren.

In den frühen 90ern begann der Hype um die Bay Area, an der Küste Californiens aufzubranden. E-40 führte damals eine Reihe von Cali Rappern an und schaffte es mit seiner Musik, eine breite Hörerschaft von der Westcoast bis in den Dirty South zu kreieren. Besonders seine unheimlichen Botschaften, die er durch Hiphop zum Ausdruck brachte, unterschieden ihn von damals bekannten Mainstream-Künstlern. Nach ersten Achtungserfolgen machte er sich auf die Reise durch diverse Plattenfirmen wie z.B. Jive Records, No Limit und Cash Money Records um am Ende dort wieder anzukommen, wo er hingehört: In die Bay Area.

Earl Stevens, so der bürgerliche Name des Rappers, wuchs bereits in der Bay Area auf und schaute vor allem zu Too Short auf, in dessen Fußstampfen er einmal treten sollte. Ausgestattet mit einer Vielzahl an Nicknames (Charlie Hustle, Forty Fonzarelli, 40-Watter uvm.) erarbeitete sich der junge Künstler mit etlichen Mixtape-Beiträgen eine Street-Base. Nach jahrelangem musikalischen Hustle gründete er sein eigenes Label namens “Sick Wid’It” und brachte 1994 eine erste EP (The Mail Man) auf den Markt. Es folgten das “Federal” Album und die Single-Auskopplung “Captain Save A Hoe”. Neben seinen Solo-Aktivitäten rückte er noch im selben Jahr seine Crew The Click mit einem Album (Down And Dirty) ins rechte Licht. Im Jahre 1995 wurde dann Jive Records auf E-40 aufmerksam und bot dem Labelboss einen Distribution Deal für den Sick Wid’It Songkatalog an. Mit finanzieller Unterstützung und genug Promotion wurde das 1996 releaste Album “The Hall Of Game” auch von einer breiteren Masse wahrgenommen und die Single “Rapper’s Ball”, die Too Short und K-Ci featurte, ging auf TV- und Radiorotation und wurde zu einem nationalen Hit.

Nach einjähriger Pause und völliger Medienabstinenz kam der gewichtige Mann mit einem genauso gewichtigen Doppel-Album (The Element of Surprise) zurück, das ihm in Sachen Popularität jedoch nicht weiterhalf. Erst mit “Grit & Grind”, welches 2002 releast wurde, fing die Öffentlichkeit wieder an, sich für den Cali Agent zu interessieren. Der Durchbruch blieb jedoch aus. Nun, im Jahre 2006, stehen die Chancen für einen kommerziellen Erfolg deutlich besser. Mit Warner Bros. hat E-40 ein Major Label im Rücken, mit dem es eine Leichtigkeit sein dürfte, das neue Album “My Ghetto Report Card” zu etablieren. Ob das überhaupt nötig sein wird, bleibt abzuwarten. Denn E-40 ist momentan drauf und dran, einen Hype um seine Person zu schaffen, dem sich Feature Gäste wie UGK, Lil Jon, 8Ball, Mike Jones, Lil Scrappy, Bo Hagon oder auch Juelz Santana nicht entziehen konnten. Die erste Single mit dem Titel “Tell Me When To Go” aus dem am 14. März erscheinenden Album ist Hyphy durch und durch. Vom Video, indem die einzelnen Facetten des Movements gezeigt werden, über die Art zu rappen bis hin zum typischen Hyphy-Sound.

E-40

Doch was ist dieses Hyphy eigentlich? Deutschland, das gerade erst die Dipset Welle hinter sich lässt, hat von dem Lebensstil in der Cali Bay Area bis jetzt recht wenig mitbekommen, wage ich zu behaupten. Stell dir einen Platz vor, an dem sich eine Menschenmasse mit 300 aufgemotzten Autos, offenen Verdecken und Türen durch die Straßen schlängelt. Die Musik dröhnt aus den Autos und Leute hängen aus ihren Karren raus, während diese noch in Bewegung sind. Andere wiederum tanzen verrückt auf den Dach ihres Wagens. DAS ist Hyphy.

In den späten 90ern wurde mit dem Track “Hyphy” vom bereits verstorbenen Mac Dre und Keak Da Sneak eine neue Ära in der Bay Area eingeleitet. Nicht umsonst wird der oben charakterisierte E-40 auch der “Ambassador of the Bay” genannt, denn er hatte eine starke Beteiligung an dem nun so populären Hyphy. Weitere Vertreter dieses Stils sind Fab, Droopy, Turf Talk, The Team, Kin Smoke und Messy Marv. Obwohl das bis jetzt alles nach Freude am Leben klingt, sehen das die Initiatoren des Movements etwas anders. Ihnen geht es vor allem um Freiheit. Die Freiheit, sich so auszudrücken, wie man möchte und vor allem die Freiheit ein Original zu sein. Als eine Mischung zwischen Crunk-Sound und Crumping-Tanzstil könnte man die verrückten Meetings der Hyphy-Jünger bezeichnen. “Getting Hyphy” – heißt alle Hemmungen ablegen und ganz Du-Selbst sein, egal, was andere von dir denken. Das ist übrigens auch E-40s Motto…

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