7th February 2012

Künstlervorstellung: Scarface

Posted by Reviewnator on März-7-2006 Add Comments

Scarface

Er wird der Vater des Südstaaten-Thug-Raps genannt. Ihn gab es schon lange bevor Dirrty Dirrty MCees überhaupt das Wort ‘Crunk’ aussprechen, geschweige denn buchstabieren konnten. Er ist eines der Gründungsmitglieder der Hardcore-Rap Truppe The Geto Boys. Er ist Scarface. Und ich spreche nicht von Tony Montana…

Scarface gehört zu den Rappern, die nie den großen kommerziellen Durchbruch schafften und dennoch ein hohes Level an Street Credibility genießen. In seiner Collabo-Liste kann der Dirty South Großvater Artists wie Ice Cube, Dr. Dre, 2Pac, Master P, Nas uvm. verbuchen. Zusammen mit seinem Hausproduzenten Mike Dean kreierte Scarface von Anfang an Alben, die, seitens Texte, stets zu hart für’s Radio waren und seitens Sound zu speziell für den Durchschnitts-Hörer klangen. Beim Zählen der releasten Alben kann einem durchaus schwindlig werden. Auf eine bestimmte Zahl möchte ich mich an dieser Stelle nicht festlegen, ein Circa-Wert muss genügen. In etwa 12 LPs, etliche Re-Releases, Screwed & Chopped Versionen, Street-Alben und unzählige (in)offizielle Singles sprechen für sich.

Bevor Brad Jordan unter dem Synonym Scarface bekannt wurde, nannte er sich Akshen. Unter diesem Namen begann der Rapper seine Solo-Karriere Mitte der 80er in seiner Heimat, Houston. Bald wurden einige Labels auf den Mann mit der kratzigen Stimme und den harten Reimen aufmerksam und so kommt es schließlich zu einem Deal mit dem legendären Südstaaten-Label Rap-A-Lot Records. Labelboss James Smith hatte jedoch von Anfang an eine Rolle für Scarface zurecht geschneidert. Neben Bushwick Bill und Willie D fungierte Mr. Scarface als drittes Member der Geto Boys. Das, Ende der 80er, releaste Album “The Geto Boys” schockierte nicht nur den Süden, sondern kam bei der Eastcoast genauso rauh, brutal und provokant an, wie bei der Westcoast. Doch etwas mehr als ein Jahr später brach ein Streit unter den Geto Boys Members aus, da Scarface sein Debütalbum “Mr. Scarface Is Back” veröffentlichte und damit verdeutlichte, wer das größte Potential als Rapper hatte. Aus Neid- und Eifersuchtsgründen war das Ende der Crew besiegelt.

Scarface

Doch das selbst proklamierte Narbengesicht blieb seiner Linie und vor allem seinen Fans treu. Mit unaufhaltsamer Geschwindigkeit veröffentlichte er Minimum ein Album pro Jahr, und zum Jahrtausendwechsel schuf er mit “Last Of A Dying Breed” sein bisher persönlichstes und fokusiertestes Album. Resultat des Ganzen war die Ernennung zum “Lyricist Of The Year” bei den Source Arwards 2001 und ein lukrativer Deal bei Def Jam Records. Da der Houstoner nicht nur rappen kann, sondern auch ein Gespür für Dirty South Artists hat, wird er nach dem Signing mit dem eben genannten Label sogleich zum Sub-Label-Boss von “Def Jam South” ernannt und entdeckt ein bis dato noch gänzlich unbekanntes Raptalent namens Ludacris. Und da Wunder bekanntlich immer wieder geschehen, kommt es im letzten Jahr zu einer Reunion der Geto Boys, was so viele Jahre für absolut aussichtslos gehalten wurde. Das geschädigte Verhältnis zwischen den drei Mitgliedern ist zur Entstehung des neuen Albums “The Foundation” immernoch spürbar und schlägt sich auf der, insgesamt nur mittelmäßig gelungenen, Platte nieder.

Scarface ist keiner, der die Flinte vorschnell ins Korn wirft. Scarface ist eine lebende Legende. Das zeigt sich nun mit “Homies Pt. 2″ wieder, einem Album, auf dem er sämtliche Big-Names der Rap- und R’n'B Maschine zusammen geführt hat, um mit ihnen ein Coming Out der besonderen Art zu feiern. Nicht nur Dirty South Artists wie Pimp C, Bun B, Chamillionaire, Lil Flip, Juvenile, Z-Ro, Petey Pablo, Devin, 8Ball, Slim Thug, Lil Keke, Mike Jones, Willie D oder die Trilltown Mafia haben einen Platz auf dem Silberling gefunden, auch Conscious Artists wie Common und Mos Def haben es neben Beanie Sigel und The Game auf die Platte geschafft. Releasedate 07. März 2006. Nicht zu unterschätzen dieser Scarface, defintiv nicht…

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