19th May 2012

Filmreview: Ice Age 2

Posted by Reviewnator on April-15-2006 Add Comments

Ice Age 2

Es gibt ausgesprochen wenige Fortsetzungen, die ihrem Original den Platz strittig machen können. Ice Age 2 gehört definitiv zu den wenigen Filmen, die ihr eh schon recht missratenes Original nochmals deutlich unterbieten können. War der erste Teil wenigstens noch von den Dialogen her stellenweise amüsant, liegt gerade darin einer der größten Kritikpunkte der Fortsetzung – neben zahlreichen Nebenkritiksschauplätzen.

Fast schon zum Lehrstreifen mutiert „Ice Age 2“. So wird der ganzen Familie beigebracht was es für Folgen haben könnte, wenn die Pole schmelzen und die Welt, im wahrsten Sinne des Wortes, kurz vor dem Untergang steht. Da fliehen sie also, die tierischen Bewohner eines kleinen Tales, das vom großen Eiseinbruch verschont wurde und versuchen sich vor der großen Flut zu retten. Was liegt da näher als einfach ein bisschen Story aus der Bibel zu klauen und die Geschichte an die „Arche Noah“-Fabel anzulehnen. Das Mammut Manni, der Säbelzahntiger Diego und das Faultier Sid machen sich mit den zahlreichen, im Tal lebenden, Arten und Gattungen auf den Weg zur letzten Rettung: Einem riesigen Holzstamm in Form eines Bootes. Auf der Reise lässt Sid, der wie schon im ersten Teil von Otto Waalkes synchronisiert wird, dumme Sprüche ab, Diego mimt das Furcht einflößende Raubtier und Manni zwängt sich in die Rolle des todesmutigen und weisen Kolosses, der vom Aussterben bedroht ist. Unterwegs treffen die Kumpanen dann noch ein weibliches Mammut namens Elli, das sich für ein Opposum hält. Ich behaupte fest entschlossen, dass dieser Einfall des Storyschreibers die dümmste und lächerlichste Idee seines Lebens war. Beim Publikum kommen die dumpfen Geschlechterscherze auf jeden Fall nicht an.

Selbst die Animationen sind teilweise missraten. Was Twentieth Century Fox in Zusammenarbeit mit den Blue Sky Studios hier fabriziert hat, wirkt stellenweise unausgegoren. Als Beispiel lässt sich die Animation des Wassers anführen, das zwar in ruhendem Zustand recht gut gerendert und von der Physik her sehr ausgereift wirkt, kommt es allerdings in Bewegung in Form eines über das Tal hereinbrechenden Wasserfalls, verlieren die Fluten an Schönheit. Ein einziges, zum Zeichtrickstil antianaloges Bild ergibt sich dabei, das nicht nur mich irritiert hat, wie ich im Nachhinein erfuhr. Soundtechnisch gesehen ist „Ice Age 2“ zwar von der Geräuschkulisse gut inszeniert, die Musik selbst bleibt aber auf der Strecke. Keine eingängigen Leitmotive oder ähnliches lässt sich hier finden.

Ice Age 2

Positiv hervorzuheben sind die Synchronsprecher der tierischen Protagonisten. Otto macht seinen Job als lispelndes Faultier hervorragend und Diego wurde auch die richtige Stimme verpasst. Mit dem Manni-Sprecher hatte ich allerdings schon im ersten Teil meine Probleme, da man die Stimme als Synchro von Tom Hanks gewohnt ist und ein Vergleich zwischen Forrest Gump und Manni dem Mammut wohl schon im Keim scheitert.

Im Grunde sollte man dreiviertel der Laufzeit von „Ice Age 2“ zensieren und aus den restlichen Szenen einen Stummfilm mit dem eichelverrückten Nager, der in bester Slapstick Manier über die Leinwand trottelt, kreieren. Und nebenbei könnte man, obwohl es sich um einen Familienfilm und vor allem für jüngere Zuschauer gedachten Streifen handelt, ein wenig Niveau ins Spiel bringen, damit auch der letzte Achtjährige kapiert, dass man vor der globalen Erwärmung nicht einfach mit einer schwimmenden Erdnussschale flüchten kann.

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