22nd May 2012

Filmreview: Unbekannter Anrufer

Posted by Reviewnator on Mai-15-2006 Add Comments

Unbekannter Anrufer

Man sollte es kaum für möglich halten. Nach all den ‚Box Office Mega Movies’ wie „X-Man 3“, „DaVinci Code“ und „Mission Impossible 3“ scheint doch ein Studio noch glatt genug Geld gehabt zu haben, einen ‘Horror Film’ in unsere Kinos zu schicken. Endlich –  denn meinem verzwickten Gehirn nach zu urteilen gibt es nichts besseres, als gerade jenes mal wieder durch furchteinflössende Bilder in den Schwung zu bekommen. Und dabei wäre mir diese Wohltat fast durch die Lappen gegangen wenn man bedenkt, das jegliche Werbung für diesen Film wohl angesichts der Mega Movies untergegangen sein muss. Ich rede von ‚When a stranger calls’, einem Remake des gleichnamigen Kultfilmes von 1979, in dem eine junge Carol Kane als High School Studentin von einem unbekannten Anrufer beim Babysitten terrorisiert wird.

Simon West, bekannt durch Tomb Raider, hat sich dieser Aufgabe angenommen. Allerdings in einer leicht veränderten Version.
Jill Johnson (Camilla Belle) ist High School Studentin. An einem Abend, den sie lieber mit Freunden beim langerwarteten Bonfire verbringen würde, muss sie gezwungenermaßen für die Familie Mandrakis babysitten. In einem abgelegenen aber wunderschönen Berghaus am See, macht sie es sich bei Dämmerung gemütlich. Die Kinder sind im Bett, die Tür verschlossen und die Alarmanlage eingeschaltet. Was bleibt ist die Erkundung des genialen Hauses. Doch nach einer Anzahl von seltsamen und beunruhigenden Telefonanrufen eines Fremden mit dem Hinweis nach den Kindern zu schauen, beginnt Jill Angst zu bekommen. Weder Hausherren, Vater noch Freunde sind telefonisch zu erreichen. Was bleibt ist die Polizei. Doch Jills Angst schlägt in puren Horror um, wenn ihr bewusst wird, dass die Anrufe aus dem gleichen Haus kommen.

Während sich im Original der Film vom anfänglichen Babysitt-Terror abwendet und die Storyline erst wieder mit einer verheirateten Jill aufgenommen wird, widmet sich Simon West nur dieser einen Nacht im Hause der Familie Mandrakis. Und mal ganz ehrlich, was gibt es schlimmeres für einen Teenager als von einem Fremden in einem unbekannten großen Haus stundenlang terrorisiert zu werden?

Unbekannter Anrufer

Die Geschichte hat alles was ein klassischer Horrorfilm braucht. Besagten Teenager, einen Psychopaten, ein unübersichtliches, abgelegenes Haus, zwei kleine Kinder, Dunkelheit, ein Gästehaus, Sturm, ein Telefon und – tata – eine schwarze Katze! Der Film könnte auch als Zusammenfassung aller notwendigen ‚Horrorfaktoren’ für Filmstudenten dienen. Natürlich sind es mehr oder weniger billige Tricks, aber in meinen Augen immer noch effektiv. So fesselte mich der Film von Anfang an schlicht weg schon allein wegen der Szenerie. Wer allerdings die üblichen Blutszenen erwartet wird hier enttäuscht. Es ist eher das Katz und Maus Spiel zwischen Opfer und Täter, bei dem der erste Tote (es gibt nur zwei) erst nach 110 Minuten auf der Leinwand erscheint, welches die Story am Leben erhält. Der eigentliche Kampf zwischen Jill und ihrem Peiniger ist kurz, vielleicht zu kurz, aber bei einem Rating von PG 13 auch nicht anders zu erwarten. Von daher wirkt das besagte blutlose Katz und Maus Spiel auch viel zu lang. Als Fan von Horrorfilmen verliert man nach 30 Minuten ewigem Telefonklingeln untermalt mit seltsamen Hausgeräuschen ein wenig das Interesse. Diese Effekte sind nichts neues für jemanden der sich im Horror Genre auskennt. Bei einem Film wie diesem ist es wichtig, die Spannung zu halten. Um diese vorhergesehene Interesselosigkeit zu vermeiden, versucht Simon West immer wieder mit dazu stoßenden letztendlich aber unwichtigen Personen die Spannung in die Höhe zu treiben. Keine Frage also, dass auch der Killer mit seinen langsamen aber fokussierten Schritten lange nur in schwarzen Umrissen erscheint. Nicht ganz gelungen für den Kenner, nichtsdestotrotz möchte man aber wissen wie die Geschichte ausgeht. Der Film endet in der gewohnten Art und Weise, wobei er – je nach Kinohit oder Flop – bereits nach Fortsetzung schreit.

Camilla Belle, die nicht jedem gleich bekannt vorkommt, allerdings bereits 21 Filme gedreht hat, trägt die Geschichte ganz allein auf ihren Schultern. Nicht einfach für eine 20-jaehrige, aber durchaus erwähnenswert. Zumindest mimt sie nicht das dumme quiekende Blondchen, welches beim ersten Zwischenfall schreiend aus dem Haus rennt und nach 2 Minuten die Axt im Rücken hat. Angst, sichtbaren Schweiß und den Willen ums Überleben bringt sie für den Zuschauer glaubwürdig rüber. Preise wird sie damit nicht gewinnen, aber eine Zukunft in der Branche hat sie definitiv. Ist es nicht vielleicht auch an der Zeit für eine würdige Nachfolgerin Sidney Prescotts’?

Letztendlich ist ‚Unbekannter Anrufer’, wenn auch nicht kultwürdig, ein sehenswerter Film sowohl für den Laien als auch für den Kenner. Er ist ein einfacher Film, mit allen notwendigen Effekten, die zwar meist vorhersehbar sind trotzdem aber ihren Sinn und Zweck erfüllen. Und zugegeben, was sollte an einem so genannten Horror Flick schon neues zu erfinden sein? Haben wir nicht inzwischen alles erdenklich Gute und Schlechte gesehen und gehört bei Filmen wie „Halloween“, „Texas Chainsaw Massacre“, „House on Haunted Hill“, „Friday the 13th“ usw., die Liste ist unendlich. Das einzige Problem hierbei ist das Genre. Suspense Thriller ist treffender.

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