Sandra Bullock und Keanu Reeves. Jippee! Sie, Miss Congeniality mit schneller Zunge und er, Neo mit dem monotonen Einschlafeffekt. Ich kann’s kaum erwarten. Zwölf Jahre ist es bereits her. „Speed“ meine ich. Der Film, in dem sie mit einem mit Sprengstoff gefüllten Bus durch Los Angeles kurvten und der beide nicht nur berühmt machte, sondern sie auch von der B-Liste in die A-Liste katapultierte. In Hollywood geht das ja schnell. Ein guter Film und du bist der Star. Aber ein schlechter und du bist runter.
Bullock und Reeves scheinen den gleichen Gedanken gehabt zu haben. Nicht das sie sich wegen Projektangeboten oder Geldmangel beschweren können. Bullock dreht einen Romance/Comedy Film nach dem anderen. Die wiederum bringen ihr zwar keinen Oscar, dafür aber die Gunst der Zuschauer ein (People Choice Award). Fazit: Sie ist gefragt. Doch was ist mit Reeves? Meiner Meinung nach scheint sein Stern ein wenig zu sinken. Die letzten „Matrix“-Projekte, ob nun Film oder Videospiel sind bereits 3 Jahre her. Und „Constantine“ sprengte nun auch nicht unbedingt alle Kassen. Fazit: eieieiei. Ein absoluter Kinohit muss her. Und was gibt es da besseres als den alten Leinwandfunken wieder auflodern zu lassen? Das Haus am See!
Die Ärztin Kate Forster (Bullock) lebt in einem auf Stelzen gebauten Glashaus am See außerhalb Chicagos. Als sie scheinbar schweren Herzens mit ihrem Hund auszieht, hinterlässt sie für den Nachmieter eine Nachricht: ‚Lieber Nachmieter. Willkommen in deinem neuen Zuhause. Ich hab meine Adressänderung bei der Post angemeldet, aber du weißt ja wie das manchmal läuft. Falls doch noch Post für mich ankommen sollte, wäre ich dir dankbar diese an beigefügte Adresse weiterzuleiten. PS: Tut mir leid wegen den Hundetapsen beim Eingang. Die waren schon da als ich einzog. Gleiches gilt für die Box auf dem Dachboden.’ Doch wenn Alex Wyler (Reeves) diese Nachricht liest, ist er irritiert. Seit Jahren hat niemand vor ihm in diesem Haus gewohnt. Er findet weder Hundetapsen noch Box. Kate muss sich auf das falsche Haus beziehen. Kurz nach Einzug erscheint plötzlich ein Hund, der sich dort nicht nur wie zu Hause fühlt, sondern auch Tapsen über den ganzen frisch gestrichenen Eingang hinterlässt. An Kates freiem Tag fährt sie zu ihrem alten immer noch leer stehenden Haus und findet im Briefkasten an der Strasse einen an sie adressierten Brief von Alex in dem er ihr seine Verwirrung erklärt (das war ihre Nachsendeadresse?). Was folgt ist eine Korrespondenz nur über diese „Harry Potter Mailbox“ am Glashaus. Nicht fragen. Über die Zeit verlieben sich die beiden in einander durch ihre Briefe. Und letztendlich stellt sich raus: Er lebt im Jahr 2004, sie in 2006. Oh, und sie teilen den gleichen Hund!
So romantisch die Idee ist, so verwirrend ist sie auch. Zumindest für die Logiker unter euch. Der Film involviert eine Art Zeitreise. Das wiederum ist die einzige logische Erklärung, wobei scheinbar nur der Hund weiß wie das funktioniert. Viele Geschehnisse machen für den Zuschauer, oder besser für den Mann, einfach keinen Sinn. Männer werden sagen: Mit nur 2 Jahren Unterschied hätte man doch E-Mail, Auskunft oder Google statt magische Briefkasten und einen langen Fahrweg nutzen können. Stimmt, wir reden ja hier nicht von “Kate und Leopold” (der Filmkenner ist gefragt). Fakt ist, man darf beim Ansehen des Filmes einfach nicht nachdenken sondern muss ihn so nehmen wie er ist. Egal was passiert, Mathegenies die krampfhaft nach Lösungen suchen werden verzweifeln. Frauen allerdings, werden ihn lieben. Nicht weil sie nicht denken können! Nein, weil sie einen Fabel für Fantasie und Romantik haben. Logik spielt dabei nicht immer eine große Rolle. Wir lieben Märchen! Nur allein bei der Szene am Briefkasten wird dieses „oooohhh“ durch den Kinosaal schallen, das Männer nicht nachvollziehen können.
Erstaunlich finde ich allerdings die schnelle Akzeptanz beider, in unterschiedlichen Jahren zu leben. Würde mir so etwas passieren – auch wenn ich Frau bin und an das Unerklärliche glaube (I love X-Files) – könnte ich nicht einfach ‚ok ist halt so’ sagen. Ich erwarte die versteckte Kamera! Doch dann wiederum – es ist ein Film mit bezahlten Schauspielern. Man hängt an ihm der Hoffnung wegen. Alex und Kate müssen zueinander finden. Die kuriosen Schritte zwischendurch darf man nicht beachten.

Bullock zeigt in dieser Rolle wieder einmal, dass sie eine der American Sweethearts ist. Eine viel zu sympathische Schauspielerin um ihr den Rücken zuzukehren. Sie besitzt Gestiken die man nicht lernen kann, Gestiken die dem Zuschauer das Herz erweichen. Reeves als ihr Gegenpol – und ich bin kein Fan von ihm – ist besser als erwartet. Sonst nur als Actionhero über die Leinwand rennend, ist seine übliche Steifheit als Melodramatiker ein plus. Zum ersten Mal empfindet man für ihn. Man will ihn happy sehen. Packt man sie zusammen in einen Film, sind sie ein perfektes Duo. Sie haben auf seltsame Art und Weise ‚Chemistry’. Vielleicht auch, weil sie zur gleichen Art Schauspieler gehören. Movie Stars ohne Movie Stars zu sein. Kein Glitzer, kein Glamour.
Manche Kritiker schätzen das Filmstudio, ein solches Wagnis aufgenommen zu haben. Doch in einer Zeit, in der Magie ‚in’ ist und jeder J.K. Rowling unter Druck setzt, sollte es niemanden wundern. Vielleicht hat der Film gerade deshalb eine solch starke Resonanz unter Kinobesuchern. Man beachte die Zeit in der wir leben umgeben von kriegswütigen Fanatikern. Wer will da nicht der Realität entkommen? Hoffnung ist nicht unbedingt das schlechte Übel.
“Das Haus am See” basiert auf einer südkoreanischen Geschichte (Il Mare) und ist eine Art amerikanisches Remake. Er ist verwirrend, ohne jegliche Logik und immer nur einen Millimeter vor’m Zerfall. Aber er ist romantisch und soll sagen „Liebe besiegt jede Hürde“. Na wenn das nichts ist.










