Wenn man normalerweise einen Film kritisiert, ob nun positiv oder negativ, stehen grundsätzlich immer die Hauptdarsteller im Vordergrund. Es geht immer um „Julia Roberts beste Rolle“ oder „Jude Laws geniale Leistung“. Sie werden im Großen und Ganzen für den Erfolg oder auch Misserfolg des Filmes verantwortlich gemacht. Normalerweise. Denn es gibt Ausnahmen. Und die betrifft eine ganz besondere Gattung von Menschen. Scorsese, Spielberg, Kubrick, Allen oder – M. Night Shyamalan.
M. Night Shyamalan ist mit seinen erst 36 Jahren nämlich auch einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren und Regisseure der heutigen Zeit. Warum? Weil er bereits 7 Drehbücher geschrieben hat, davon bei 6 selbst Regie führte, und wenn man die Einspielzahlen addiert, horrende Dollar Summen dabei zusammenkommen. Er hat sich mit seinen Erfolgen wie „The Sixth Sense“ und „Signs“ spezialisiert. Sein Lieblingsgenre? Ein Mix aus Mystik, Thriller und Realität. Seine Regie- und Drehbuchbesonderheiten? Unerwartete Wendungen von Handlungen, realistische Horror/Science Fiction Szenen, einzigartige Kameraeinstellungen und – immer ein Cameo seiner Person. Sein letzter Film („The Village“) ist nun bereits 4 Jahre her. Eine lange Zeit für Kinobesucher und/oder Fans. Doch die brauchte er wohl um sein neuestes Werk „Lady in the Water“ aufs Papier und die Leinwand zu bringen. Da wollen wir doch mal sehen ob es sich gelohnt hat.
Cleveland Heep (Paul Giamatti) ist der Hausmeister eines Wohnhauses mit den unterschiedlichsten Bewohnern. Wie bei jedem Hausmeister, besteht auch seine Aufgabe darin, den Komplex in Ordnung zu halten. Glühbirnen auswechseln, Wege kehren, Geräte reparieren, Mieter einweisen und – den Pool sauber halten. Doch auf der Suche nach dem Pool-Verschmutzer, der angeblich zu nächtlicher Stunde seine Schwimmbahnen zieht, findet er eine mysteriöse Frau namens Story (Bryce Dallas Howard). Keine Ahnung wer sie ist oder wo sie herkommt, nimmt er sie erst einmal in seine Wohnung auf. Kurze Zeit später hört er von ihr im Schlaf ein Wort das ihm den Kopf zerbricht – Narf. Besorgt, trägt er die schlafende Story wieder raus zum Pool. Doch auf dem Weg zur Liege wacht sie auf und fängt an zu schreien. Irgendetwas beobachtet sie mit hörbar fletschenden Zähnen und so rennt Cleveland mit ihr wieder zurück in sein Appartement. Durcheinander, versucht Cleveland am nächsten Morgen alles über sie rauszufinden. Dabei lernt er, dass das Wort Narf seinen Ursprung in einer alten überlieferten Geschichte hat. Doch die Geschichte ist genauso mysteriös wie Story selbst. Eine Narf ist eine Nymph-aehnliche Kreatur, die solange in der Menschenwelt gefangen ist, bis sie ihre Aufgabe erfüllt. Befindet sie sich aber außerhalb des Wassers, muss sie um ihr Leben fürchten. Monster! Cleveland, überzeugt von Storys Narf-Identität, versucht ihr nun zu helfen. Doch er findet schnell heraus, dass er für ihre Heimkehr in ihre Welt die Mithilfe seiner Mieter braucht. Storys Schicksal liegt in ihren Händen.

Mein erster Gedanke nachdem ich den Film sah? Geschmackssache. Es wird massenweise Zuschauer geben, die ihn lieben und massenweise, die ihn hassen. Shyamalans Film ist nämlich eine verfilmte Gute Nacht Geschichte, welche er ursprünglich für seine Kinder schrieb. Daher wahrscheinlich auch etwas gedämpfter als seine früheren Projekte. Natürlich hat er die Geschichte weiter ausgebaut, nichtsdestotrotz ist und bleibt sie ein modernes Märchen. Und damit hat Shyamalan wieder einmal eine Lücke im Filme machen gefunden. Denn der Mix aus Realität und Märchen ist heutzutage nicht zu finden. Abgesehen davon ist so viel zu interpretieren, dass man einen ganzen Tag damit verbringen könnte. Ich nehme an, das war seine Absicht.
Ganz im Sinne des Märchenerzählens, beginnt der Film mit animierten Zeichnungen, bei der die Vorgeschichte ans Licht kommt. In einem warum-weshalb-wieso Stil ist dieses wirkungsvoll einfach gemacht und demnach auch leicht verständlich. Doch statt der typischen Wartezeit, bringt Shyamalan den Film sofort ins Rollen. Nach knapp 10 Minuten sehen wir schon Story, die mit ihrem vor allem super blassen Aussehen auch mich davon überzeugt hätte, nicht von dieser Welt zu sein. Ihre Aufgabe ist es, von einem bestimmten Buchautor gesehen zu werden. Was auch immer er nach ihrem Treffen schreibt, wird in der Zukunft von einem Jungen gelesen, der beeinflusst von seinen Worten, Großes vollbringen wird – die Welt retten. Ohne wenn und aber macht sich Cleveland sofort auf die Suche nach ihm. Man sollte immer daran denken: es ist ein Märchen! Interessant dabei ist, dass statt der üblichen kurzen Cameos, Shyamalan dieses Mal selbst eine tragende Rolle spielt. Da nämlich jeder Mieter im Laufe der Geschichte zu bestimmten Funktionen in Storys Heimkehr kommt, castete sich Shyamalan selbst als der Autor. Und er ist kein schlechter Schauspieler. Natürlich gibt es die berüchtigten Kameraeinstellungen und ein oder anderen Täuschungen. Neu waren aber witzige Szenen wie z. B. das Zusammentreffen zwischen Cleveland und der eigenwilligen und traditionellen Chinesin. Um die Narf-Saga von Anfang bis Ende zu erfahren, muss er sich wie ein Kind verhalten. Oder auch gut war das Ende des Mr. Faber, der im Angesicht des Todes alle möglichen Filmvariationen aufzählt. Ich weiß es zu schätzen.
Paul Giamatti (Cleveland) ist aber die treibende Kraft des Filmes. Er ist nicht unbedingt der typische A-Schauspieler, oder hat den gewissen X-Faktor, aber er ist ein wandlungsfähiger Schauspieler. Noch dazu anerkannt. Und in der Rolle des Hausmeisters perfekt platziert. Dicklig, schüchtern, stotternd. Zurückhaltend und höflich. Wer will schon immer Schönlinge? Oder besser, schon mal einen Schönling als Hausmeister gesehen? Bryce Dallas Howard, bekannt aus ‚The Village’ und die Tochter des erfolgreichen Regisseurs Ron Howard, dürfte ja wohl das Talent in die Wiege gelegt bekommen haben. Ihr Portrait der zerbrechlichen Story hätte nicht besser sein können. Sie hat nicht viel Text, aber ihre Rolle besteht darin, Emotionen Ausdruck zu verleihen. Eine sehr gute Leistung, wenn man bedenkt das Howard in Wirklichkeit eine sprudelnde Persönlichkeit hat. Shyamalan hat aber scheinbar ein Fabel dafür, immer die gleichen Schauspieler zu buchen. Willis, Phoenix und jetzt Howard. Ich frage mich warum…
Alles in allem ist der Film die Geschichte von Menschen, die ein gewöhnliches Leben in einer dem Auge nicht oder nicht mehr sichtbaren ungewöhnlichen Welt führen. Es ist ein Märchen in dem es um Schicksale und Lebensaufgaben geht. Niemand ist gewöhnlich. Ein Satz, den er seinen Kindern schon früh mitgeben wollte und jetzt mit der Welt teilt. Ob der Film mit seinen früheren Projekten mithalten kann? Für mich ja, aber ich wage zu bezweifeln, dass es anderen genauso geht. Man muss nicht unbedingt Kind sein um ihn zu mögen. Aber man muss ein bisschen Kind in einem haben um ihn zu mögen.










