8th September 2010

Filmreview: Fluch der Karibik 2

Posted by Reviewnator on August-12-2006 Add Comments

Fluch der Karibik

Drei Jahre ist es her, dass die Black Perl mit Kapitän Jack Sparrow am Ruder über unsere Kinoleinwände segelte. Ein riesen Hit, bei dem sich Johnny Depp nicht nur eine Oscar Nominierung für die Rolle des Kapitäns einheimste, sondern gleichzeitig auch die Besucherzahlen der gleichnamigen Attraktion des Disneyland Parks verbesserten. Bei so viel Erfolg (und Umsatz) gab es natürlich nur einen nächsten Schritt. Sequel. Und die ist mit ‚The Dead Man’s Chest’ und einem lauten und langen 2 ½ stündigen ‚Grrrrrgh’ jetzt auch da! Aber wie ist die Sequel geworden? Größer, teurer, animierter aber nicht unbedingt besser?

Will Turner (Orlando Bloom) und Elizabeth Swann (Keira Knightley) werden am Tag ihrer Hochzeit von Lord Beckett verhaftet. Die Anklage lautet: Mithilfe beim Entkommen Jack Sparrows. In Erwartung der Todesstrafe, macht ihnen Beckett ein Angebot. Entweder bringt Will ihm den magischen Kompass von Kapitän Sparrow, oder Elizabeth ist die erste auf dem Sensenblock. Aus Liebe zu Elizabeth kann er das Angebot natürlich nicht abschlagen und macht sich sofort auf die Fährte der Black Perl. Doch Kapitän Jack Sparrow (Johnny Depp), hat seine eigenen Probleme. Er schuldet dem legendären Davy Jones (Bill Nighy), Kapitän des Geisterschiffes ‚Flying Dutchman’ und Dark Lord des Meeres, eine Blutschuld. Es sieht wohl so aus, als hätte Sparrow ihm für einen Gefallen seine Seele versprochen. Jetzt ist die Zeit der Bezahlung gekommen und Jack Sparrow droht für alle Ewigkeit nicht nur in den Tiefen des Meeres zu verdammen sondern auch als Sklave auf Davy Jones Schiff zu enden. Seine einzige Hoffnung ist die Truhe zu finden, in dem Davys immer noch schlagendes Herz liegt. Wer auch immer das Herz hat, kontrolliert sowohl Jones als auch die Meere.

Da ich ja nicht alles vorweg nehmen möchte, war das die Kurzfassung. Der Film an sich ist nämlich von der Handlung her wesentlich komplizierter als Teil 1 und hat – wenn man gut aufpasst – unzählige Nebengeschichten. Man muss daher nicht unbedingt einen hohen IQ haben um zu wissen, das diese Nebengeschichten, welche sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Zukunft eingehen, einen wesentlichen Baustein für Teil 3 darstellen. Doch fangen wir dieses Mal mit den Schauspielern an.

Johnny Depp. Ich war nie ein großer Fan von ihm. Während mein jüngerer Bruder keine einzige ‚21 Jump Street’-Folge verpasste, konnte ich damals einfach nichts an ihm finden, weder schauspielerisch noch physikalisch. Doch spätestens seit Sleepy Hollow muss ich zugeben – ein genialer Schauspieler der es versteht in schwierige Rollen zu schlüpfen und ihnen dabei immer wieder eine besondere Note verpasst, wie kein anderer es hätte können. So auch in Fluch der Karibik. Er ist das absolute Gegenteil eines in Büchern beschriebenen Piraten. Dünn, stelzig und mit einem leicht homosexuellen Laufschritt. Doch komischerweise hat das genau den nötigen Effekt. Wie einfach wäre es, den Goldzähnen, Dreadlocks und Mascara/Kajalstift das Sprechen zu überlassen. Stattdessen bringt Depp mit seinen Gesichtszügen und einem hervorragenden Komiktiming die Figur des Jack Sparrow ins Scheinwerferlicht. Er macht aus einem Piraten einen Helden. Und ohne Johnny Depp wäre der Film nur halb so gut. Man wartet richtig auf seine nächste Szene.

Orlando Bloom und Keira Knightley in Fluch der Karibik 2

Orlando Bloom, der von seinen weiblichen und wahrscheinlich auch männlichen Fans seit seiner Elfen-Darstellung in Herr der Ringe umschwärmt und verehrt wird, verdient auch dieses Mal wieder eine Auszeichnung als schönstes Gesicht der Seefahrer. Wahrscheinlich ist aber das auch sein Problem. Nicht das er nicht eine hervorragende Leistung abgibt, aber neben einem Charakterdarsteller wie Depp, verblasst sein Talent ein wenig. Er muss sich damit begnügen, eine Nebenrolle zu spielen. Die, spielt er allerdings fantastisch. Sexy, gut aussehend und stattlich. Nichtsdestotrotz ist seine Figur allein für den notwendigen Elan der Story verantwortlich.

Keira Knightley, die seit ihrem Durchbruch in ‚Bend it like Beckham’ bereits mehrere Rollen in Periodenstücken spielte, erneuert auch hier wieder ihre Darstellung der Elizabeth. Dieses Mal allerdings ohne schicke Kleider und ohne übermäßig wilder Mähne. Ganz einfach in Männerkleidung. Ist ja nicht unbedingt ein Makel. Ihre Mimik, ob nun herzzerreißend oder mutig, ist perfekt und man nimmt ihr ihre Rolle der starken Persönlichkeit ab. Nicht um sonst wird sie als eine der heißesten jungen Hollywoodstars gehandelt. Es bleibt allerdings abzuwarten wie sie sich in 21 Century Filmen macht. Wenn auch wichtig für die Handlung, geht sie trotz alledem, wie auch Bloom, in die Nebenrolle über.

Einige der alten Kameraden sind auch wieder dabei. Für mich am besten: das Duo Ragetti (Mackenzie Crook) und Pintel (Lee Arienberg). Crook, der jedem aus ‚The Office’ (englisches Original) als Gareth bekannt sein sollte, fasziniert mich immer wieder. Ein meiner Meinung nach bisher international vollkommen unterschätzter Schauspieler. Wir werden aber auch neuen und interessanten Charakteren vorgestellt, wie z. B. Tia Dalma (Naomie Harris). Harris spielt eine Art Hexe und ehemalige Geliebte Sparrows. Laut Castingaufstellung für Teil 3 ist sie nächstes Jahr wieder dabei, von daher sollte man sich ihr Gesicht merken.

Zum Film selbst, gibt es nur eines zu sagen – man muss ihn selber sehen. Und falls weder die Schauspieler noch Disney was für euch sind, dann nur allein schon wegen der Effekte und Kostüme, welche nach Oscar schreien. Die Hauptgeschichte selbst zentriert sich im wesentlichen um Jack Sparrow und Davy Jones, der genauso wie seine Mannschaft in geisterhafter See-Lebewesenform erscheint. Nachdem Jack seiner Crew mitteilt wonach ihm der Sinn steht, findet er auf der Suche nach Rum im Unterdeck der Black Perl einen alten Freund – Bootstrap Bill. Aha! Bootstrap Bill, Will Turners angeblich toter Vater, hat genau wie Jack seine Seele an Davy Jones verkauft und warnt ihn vor einem Leben in der Verdammung. Danach geht’s dann drunter und drüber a la Disney-Style. Wir sehen Kannibalen, ein waghalsiges Entkommen, Entführungen und Kraken. Da das doch aber viel zu „langweilig“ wäre, schmeißen wir noch Elizabeth alten Verlobten Norrington (Jack Davenport) mit in den Pott. Hatte ich schon gesagt, dass die Story kompliziert ist?

Alles in allem sei noch einmal gesagt – der Film ist definitiv größer, animierter und teurer als Teil 1. Er entwickelt Kultstatus ganz nach dem Beispiel ‚Herr der Ringe’. Jedoch nur dank Johnny Depp. Ohne ihn würde der Film nicht funktionieren. Oder sagen wir mal, nicht den gewünschten Effekt haben. Depp und seine besondere Art des Piratenseins ist die treibende Kraft für den Zuschauer. Ich persönlich freue mich schon auf Teil 3, bei dem Keith Richards, nach dessen Vorbild Depp seinen Charakter spielt, Jack Sparrows Vater darstellt. A match made in heaven!!!

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