The motherfucking movie is finally here! Nicht ganz nach Norm geschrieben, aber das sind genau die Worte, die Tausenden von Internet Bloggern über die Lippen gekommen sein müssen. Noch nie gab es über Jahre so viel Wirbel und Interesse um einem Titel, bei dem das filmfertige Drehbuch noch nicht mal geschrieben war: „Snakes on a plane“. Die Vorgeschichte hört sich nach ‚Vom Tellerwäscher zum Millionär’ an. Das Drehbuch stammt ursprünglich aus dem Kopf eines Universität-Sachbearbeiters, der zum Vergnügen ab und zu Naturzeitschriften las. Das war 1992! Ganz angetan von den indonesischen braunen Baumschlangen, welche im 2. Weltkrieg mal ganz locker in Frachtflugzeuge krochen, veränderte er die Story und nannte es „Venom“.
Hochmotiviert wie er war, verschickte er seinen dritten Entwurf 1995 dann gleich an alle 30 Hollywood Studios. Und dort blieb er auch liegen, in den Regalen. Doch Studios ändern sich, Mitarbeiter und Chefs auch. Deshalb kam er 1999 wieder zum Vorschein – und vor allem ins Internet. Drehbuchautor Josh Friedman, der im Auftrag von New Line Cinema daran arbeiten sollte, erwähnte den Titel des Drehbuches auf seinem Blog und schon kam der Stein ins Rollen. Und wie er rollte. Es wurde ein Internet Phänomen. Nur allein des Titels wegen. Einer liest es, erzählt es anderen, die schicken es weiter, ihr kennt es ja. Gibt man ‚Snakes on a plane’ bei Google ein, erscheinen mehr als 60 Millionen Seiten! Warum? Weil der Titel ein Konzept im Titel hat. So wurden von Fans (des Titels) Webseiten, Portale, Blogs, T-Shirts, Musik, Videos, Fan Fiction, Trailer, Parodien usw. kreiert, ohne auch nur im geringsten zu wissen was der Plot ist. Alles nur wegen 4 Worten! Power to the People! So etwas gab’s meiner Meinung nach noch nie. Doch viel verrückter wurde es, als ein Name für die Hauptrolle bekannt wurde. Samuel L. Jackson.
Sean Jones (Nathan Phillips) und sein Vater, ein Staatsanwalt, sind im Urlaub auf Hawaii. Bei einem Motorbike Ausflug zu zweit muss er aber dabei zusehen, wie sein Vater brutal am Baum hängend von Gangster Eddi Kim (Byron Lawson) ermordet wird. Er flieht auf seinem Motorrad. Doch kurze Zeit später hört er Geräusche an der Tür. Kims Gang versucht in die Wohnung einzubrechen. Gerade noch knapp dem Attentat entkommen – durch die Hilfe des FBI Agenten Neville Flynn (Samuel L. Jackson) – entschließt sich Sean als Kronzeuge gegen Eddi Kim auszusagen. Eskortiert von Flynn und seinem Partner John Sanders (Mark Houghton) gehen sie an Board der Boeing mit Ziel Los Angeles. Trotz starker Sicherheitskontrollen gelingt es Kim jedoch, mehrere Boxen gefüllt mit giftigen Schlangen ins Flugzeug zu schmuggeln. Er will es zum Absturz bringen. Und da Schlangen nicht unbedingt immer angriffslustig sind, hat man die hawaianischen Abschiedsblumenkränze für die Passagiere extra mit Pheromon eingesprüht. Die Passagiere haben keine Chance…. oder?
Irgendwann in 2005 wollte das Filmstudio den Film unter ‚Pacific Air Flight 121’ auf den Markt bringen. Samuel L. Jackson hatte damit seine Probleme: „Wir ändern das sofort wieder um! Der einzigste Grund warum ich den Film machen wollte, war wegen des #$#%# Titels. Es ist schließlich nicht ‚Vom Winde verweht’ sondern ‚Snakes on a plane’.“ Und Recht hatte er. Es geht definitiv um Schlangen im Flugzeug und nur um Schlangen. Ganze 450 Schlangen. Theoretisch ist das alles. Praktisch, sitzt du aber von Anfang an da und überlegst welche arme Person zuerst dran glauben muss. Und vor allem wie.

Wollen wir doch aber mal dem Phänomen auf den Grund gehen. Wie gesagt, fängt der Film mit dem Mord an Seans Vater an und geht dann über zum verhinderten Attentat bis wir zum Flugzeug kommen. In diesen Minuten lernen wir den Hintergrund und die Wichtigkeit des Heimfluges kennen. Bis dahin hätte es ein stinknormaler Action Thriller sein können. Ein guter noch dazu. Doch der Film schwenkt am Flughafen um, indem uns die weiteren Passagiere vorgestellt werden: das Flitterwochenpaar, zwei allein fliegende Kinder, der egozentrische Rapstar mit Anhang, die Marken-Tussi mit Paris Hilton Hund, der homosexuelle Steward, eine Jesuslatschen-Mutti mit Baby, eine fülligere platzbrauchende Frau, der immer genervte Manager und die scheinbar bodenständige, leicht satirische Stewardess Claire (Julianna Margulies). Wenn man seine eigenen Urlaubsflüge bedenkt macht das Sinn. Doch bis auf Claire, merkt man sich die meisten Gesichter auch wirklich nur als Stereotyp und nicht mit Namen, denn der einzigste um den es hier wirklich geht ist Neville Flynn, der FBI Agent. Und da man durch die Filmtrailer bereits weiß worauf man sich einlässt, wartet man auf ihn sowie die kleinste Schlange ins Spiel kommt. Da sind wir dann auch schon bei den wichtigen Szenen, die der Titel ja verspricht. Die Schlangen, welche im Cargobereich von Kim geschmuggelt auf ihren Einsatz warten, werden per Zünder freigelassen. Sie finden ihren Weg – in grünem Bild gehalten – durch die Freiräume des Fliegers in die Economy Klasse und schleichen um die Sitze der Passagiere. Und in die Toiletten. Denn die ersten die es erwischt ist ein Pärchen, welches sich den Eintritt in den Mile-High-Club verdienen wollte. Und da vermischt sich dann Grausamkeit mit Humor. Sowie die Schlangen die nackten Körper, umwoben mit Pheromon, erspähen, beißt eine in das männliche Fortpflanzungsorgan und das andere in die für Barbies wichtige Nahrungsstelle. Ein Mix zwischen lautem Aua und Lachen. Doch das ist nur der Anfang der humoristischen Seite des Filmes. Denn abgesehen von teilweise recht witzigen Sprüchen und stereotypischen Szenen, sehen wir die Biester aus den Sauerstoffmasken-Bereich fallen und aus der Brechtüte springen, immer mit dem Biss auf die verschiedensten Körperteile gerichtet. Glaubt mir, da gibt’s ein paar richtig ekelhafte jedoch wieder witzige Beiß- und Schleichsstellen die so eine Natter erwischen kann. Deshalb erinnerte mich der Film auch manchmal ein wenig an den 80er Streifen ‚Airplane’! Nur das ‚Snakes on a plane’ nicht mit dummen sondern intelligentem Humor spielt. Er wirkt weder dusselig noch überschreitet er die Grenze des guten Geschmackes.
Samuel L. Jackson versucht sich nun so gut es geht mit Feuerlöscher, Tabletts und Elektroschocker die Viecher vom Hals zu halten. Vor allem von seinem Kronzeugen. Doch die Giftspritzen sind überall. Selbst im Cockpit. Mit Gegengift am Flughafen wartend, müssen Lösungen her. Und auch wenn es eine Weile dauert, hat er doch irgendwann genug. Und dann kommt worauf jeder Blogger elendig lange gewartet hat. „I am sick of these mother @#$%@!# snakes on this mother $%^&@# plane!” .
Es gibt so einige mitspielende Schauspieler die dem ein oder anderen bekannt sein sollten. Da wären Julianna Margulies (ER), Kenan Thompson (Saturday Night Life), Bobby Cannavale (Will & Grace) oder Rachel Blanchard (Clueless). Alle spielen ihre Rollen hervorragend, doch darauf kommt’s nicht an. Ohne Samuel L. Jackson, der König des Cool-Seins, würde der Film ein Scherz sein. Seine Intensität und lockeren Sprüche sind sein Markenzeichen. Er sagt und tut was die Zuschauer fühlen. Wir ärgern uns mit ihm, lachen mit ihm und fluchen mit ihm. Er liefert – ohne mit der Wimper zu zucken – eine typische Samuel L. Jackson Leistung ab. Doch bis auf ein paar mehr ‚fuck this and that’ Ausbrüchen habe ich auch nichts anderes von ihm erwartet.
Hinsichtlich des massiven Interesses der Fans, wurden Anfang des Jahres noch einmal zusätzlich 5 Drehtage genehmigt. Wie schon gesagt: power to the people! Millionen von Fans hatten ihre eigenen Vorstellungen bezüglich des Scriptes und Jacksons Wortschatzes. Unter anderem wurde dabei der Satz „I want these motherfucking snakes off this motherfucking plane“ in den Film hinein geschnitten, welcher ursprünglich auf einer Internet-Parodie beruhte. Die Macht der Fans hat das Studio inzwischen auch akzeptiert und respektiert. Schließlich sind sie ja auch diejenigen die die Tickets kaufen. Bis zur Premiere, fanden immer noch Wettbewerbe um Filmmusik, Musikvideo, T-Shirts und allerlei Werbematerial statt. Inklusive voller Kreditierung des jeweiligen Otto-Normal-Künstlers. Ein Durchbruch im Filmgeschäft.
Snakes on a plane, unter der Regie von David R. Ellishelmed und u. a. geschrieben von David Dalessandro, ist inzwischen bereits Kult. Dafür sorgten einzig und allein Millionen von Internet Fans, welche aus nur 4 Wörtern eine eigene Kultur schufen. Der Film hält, was der Titel verspricht. Doch ich glaube der Hype und die Werbung im vorhinein verschaffen dem Film mehr Erfolg als normalerweise üblich. Samuel L. Jackson verschaffte dem Film mehr Erfolg als normalerweise üblich. Nichtsdestotrotz sollte man den Film unbedingt sehen. Es lohnt sich. Nicht nur der Schlangen wegen…










