22nd May 2012

Filmreview: The Descent

Posted by Reviewnator on August-21-2006 Add Comments

The Descent

Vorweg möchte ich schon mal ganz klar sagen – ich liebe Horrorfilme. Ich sah meinen ersten mit hochgezogener Bettdecke und gaaaanz leisem Ton (nur wenn die Musik kam) heimlich im Alter von 8 Jahren (Dracula, Christopher Lee). Seitdem habe ich einen gewissen Geschmack für diese entwickelt. Auf Deutsch – ich habe meine Ansprüche und bin relativ schlecht zufrieden zu stellen. Das gilt übrigens für jeden Film. Denn inzwischen entscheide ich bereits innerhalb 5 Minuten ob es sich für mich lohnt den jeweiligen Film oder die Sendung zu sehen. Zum Leidwesen anderer natürlich. Da sollte es auch niemanden wundern, wenn ich bei einem britischen Horrorfilm namens „The Descent“ meine Stirn runzel.

Wie wir ja alle wissen sind die Briten gut im Erfinden von Fernsehsendungen. Da wären zum Beispiel ‚Big Brother’, ‚Wer wird Millionär’, ‚The Office’ und ‚Deutschland sucht den Superstar’. Auch sind sie hervorragend was Perioden Filme angeht. Wie zum Beispiel ‚Pride and Prejudice’, ‚Wifes and Daughters’ oder das aktuelle ‚Bleak House’ mit Gillian Anderson. Alles ganz allein Englands Verantwortung und Englands Stolz. Doch wenn man an britische Horrorfilme denkt, was fällt einem da ein? Nichts! Selbst bei der Suche nach ihnen im Internet, wird einem eine Liste von Filmen genannt, die entweder alle schon 20 Jahre alt sind und wenig Erfolg hatten, oder relativ neu sind und mehr oder weniger gleich als Video auf den Markt kamen. Also was zum Teufel dachte sich denn der junge Regisseur und Drehbuchautor Neil Marshall mit „The Descent“?

Sarah, Beth und Juno sind alte Freunde, die gern mal einen Ausflug in die Wildernis unternehmen um Extremsportarten auszuüben. Sie lieben den Thrill, sie lieben das Abenteuer. Doch nach einem erfolgreichen Tag Rafting, bei dem auch Sarahs Ehemann und Tochter dabei waren, fährt ihr Mann auf dem Nachhauseweg frontal in ein Auto. Sarah überlebt, ihr Mann und ihre Tochter sind tot. Ein Jahr später, unternimmt Sarah (Shauna MacDonald) zusammen mit Juno (Natalie Mendoza), Beth (Alex Reid), Holly (Nora Jane Noone) und den skandinavischen Halbschwestern Rebecca (Saskia Mulder) und Sam (MyAnna Buring) einen Ausflug in die Appalachian Berge. Nach Sarahs Nervenzusammenbruch, wollen sie zu ihrer Ablenkung Höhlenklettern gehen. Doch was als „Girl Power Ausflug“ anfängt, endet im Desaster weil mittendrin alles schief geht. Zuerst steckt Sarah fest, dann stürzt der einzigste Ausgang ein und zum Schluss stellt sich heraus, dass die egozentrische Juno sie heimtückisch in ein noch vollkommen unerkundetes unterirdisches Höhlensystem brachte. Ohne Karte und ohne Rettungsstellen informiert zu haben, stehen sie nun fernab jeglicher Zivilisation in der Dunkelheit und kämpfen ums Überleben. Sie müssen einen Ausweg finden. Doch auf ihrer Suche finden die 6 Frauen mehr als nur einen Ausweg als Draufgänger Holly dummerweise in ein tiefes Loch stürzt. Geplagt von Halluzinationen um ihr totes Kind sieht Sarah immer wieder eine Gestalt. Kurze Zeit später finden sie hunderte von Knochen. Und als das Licht ihrer Kamera in der Höhle wandert wissen sie, sie sind nicht allein.

The Descent

Wann war das letzte Mal, dass ihr eine Frau im Film gehasst habt? Nicht unbedingt abgrundtief, aber doch so, dass man ihr irgendwie in das hübsche Gesicht schlagen möchte? In „The Descent“ habt ihr die Gelegenheit diesem Gefühl freien Lauf zu lassen, denn Juno ist eine dieser Frauen. Und das wird in den ersten Minuten des Filmes schon klar. Das Konzept der Geschichte ist relativ einfach gestrickt. Sechs Frauen sind beim Klettern in einer Höhle mit Monstern eingeschlossen. Soweit hört es sich nach nichts Besonderem an. Was aber besonders ist, ist Marshalls Fähigkeit, die geforderte Spannung in die Höhe zu treiben. Die Entwicklung der Geschichte macht den Film besonders.

Wir fangen also ganz harmlos mit einer Vermutung an, dass zwischen Sarahs Ehemann und Juno etwas mehr als nur Freundschaft war. Dann kommt der genial inszenierte Autounfall. Weiter geht’s mit Klaustrophobie, Halluzination, Höhenangst und rausstechenden Knochenbrüchen. Alles immer mit dem Gefühl, dass es gleich zwischen Juno und Sarah knallen muss. Nach fast einer Stunde sind wir dann bei den Monstern angekommen. Und die sind ein augenerfreulicher Mix aus schlackerndem Zombie und trainiertem Gollum. Dabei immer gegenwärtig – der sowieso schon angsteintreibende Effekt der immer herrschenden Dunkelheit. Gruselig, vor allem mit Ton, denn die Musik macht’s.

Und wie sehr Marshalls Effekte beim Zuschauer gewirkt haben, wird jedem definitiv schon klar, wenn sich die Frauen durch den engen Steintunnel zwängen. Ich persönlich hatte beim Hinschauen Beklemmungsangst. Und dabei hab ich nicht mal eine Phobie! Ich glaube Marshall hat einen Weg gefunden jede Art von Angst in diesen Film zu bringen. Und wenn man vorher keine hatte, hat man sie danach. Auch die immer wieder schnell springenden Einstellungen, tragen zum Erfolg des Filmes bei. Blutszenen sind immer nur solange auf der Leinwand, dass du weißt was passiert, es dir aber nicht übel wird. So bleibt der Schock und die Gänsehaut erhalten.

Noch viel besser ist es aber, dass der Film, abgesehen von den Monstern, wirklich nur aus 6 Frauen besteht. Extras gibt es nur am Anfang und die Monstergestalten zählen nicht. Auch sind die Mädels weder typisch streitsüchtig noch Memmen. Sie sind intelligent, stark und entscheidungsfähig. Was ganz neues in einem Horrorfilm, bei dem doch sonst jede Frau sich nur die Seele aus dem Leib schreit und in die Arme des Killers läuft. Das Casting selbst, besteht aus Schauspielerinnen, die für das internationale Publikum allerdings doch relativ unbekannt sind. Mit dem Erfolg des Filmes sollte sich dieses aber ändern. Shauna MacDonald und Natalie Mendoza sind diejenigen, die herausstechen. MacDonald für ihre Sympathie der betrogenen Ehefrau und trauernden Mutter, und Mendoza für ihre Heimtücke und Führungsqualität. An Aufträgen für die Zukunft sollte es bei allen aber nicht hapern.

‘The Descent’ ist endlich mal wieder ein Film der dem Genre Horror gerecht wird. Dabei geht es nicht um irgendwelche mordlustigen Hobos mit den gräuligsten Tötungswerkzeugen oder die Anzahl ekelhafter Blutszenen. Der Film basiert auf einzig und allein einen Effekt – die Terrorisierung des Zuschauers. Und das hat Marshall eindeutig hinbekommen wenn man bedenkt das selbst mein Hintern auf dem Stuhl hin und her rutschte. Und ich ängstige mich nicht so schnell! Hinsichtlich der letzten Minuten sei gesagt – es erinnert an ‚The Shining’. Unvorhergesehen und vielleicht ein Hinweis auf einen möglichen Teil 2. Tarantino und Wes Craven hätten es nicht besser machen können.

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