
Einleitend muss mal eines gesagt werden: Euer alter Tino war nie ein Moralapostel, ist es jetzt nicht und wird auch zukünftig nicht dazu mutieren. Ehrlicherweise habe ich vor allem in meiner Jugend allerlei Dinge getan, die mir heute rückblickend die tiefste Schamröte ins Gesicht treiben. Viele weniger leidensfähige Mütter als die meine hätten angesichts dieser Kapriolen schon längst die Hand an ihren wild wogenden Busen gepresst und „Ich habe keinen Sohn mehr!“ deklamiert. Danke, Mom, für deine Kraft.
Trotzdem gibt es so etwas wie Prinzipien, Grundsatzentscheidungen, sinnvolle Grenzen. Damit meine ich jetzt wiederum nicht Zensur aller Art oder manche Posse der FSK. Aber so ganz unnachvollziehbar sind die Altersfreigaben des jugendschützenden Gremiums nun auch wieder nicht. Konkret: Mehr oder weniger aktuelle Brutalo-Streifen wie „The Hills have Eyes“ oder „Hostel“ dürfen Menschen unter 18 Jahren nicht gezeigt werden, was tatsächlich gut so ist. Und da setzt dann die Verantwortung der Kinos an, welche beinhaltet, dass derartige Verbote eben konsequent umgesetzt werden. Nur: Scheinbar interessiert sich keiner dafür.
Ein Beispiel. Vor nicht allzu langer Zeit besuchte ich eher zufällig und latent widerwillig das lokale Lichtspielhaus der Kategorie „Multiplex“. Es lief nämlich „Saw II“, sicherlich ein Fest für Freunde der härteren Gangart (wie mich), aber eben berechtigt mit dem bösen FSK 18-Siegel versehen. Überall im Foyer hingen ausgedruckte Zettel, welche auf genau diese Tatsache aufmerksam machten und logisch schlussfolgerten, dass an jüngere Personen keine Karten verkauft würden. Weshalb Kinder und Jugendliche also von einem Erwerb absehen sollten. So weit, so gut. Nur leider sah das Haus seine Verantwortung damit als erledigt beziehungsweise ausreichend erfüllt an. Fanden Kontrollen statt? Scheinbar nicht. Saß im „Saw II“-Kinosaal vielleicht ein Mitarbeiter, der Minderjährige wahlweise höflich oder gewaltsam daraus entfernte? Nope. Ich will nicht wissen, wie viele Jugendliche ein Ticket für irgendeine Disney-Schnulze gelöst und sich dann zum Jigsaw-Sequel geschlichen haben.
Logisch, es wäre ein heftiger personeller Aufwand, bei Filmen mit 18er-Freigabe derartige Kontrollen durchzuführen. Aber wo sind die ganzen Mitarbeiter während der Vorstellungen eigentlich hin?! Man gehe mal mitten im Film aus dem Saal, beispielsweise zur Toilette. Das Kino ist quasi tot, die Verkaufsstände verwaist, das Licht auf Notbeleuchtung gedimmt, die Kasse unbesetzt. Fast erwartet man, einen trockenen Busch vorbeiwehen zu sehen, während im Hintergrund ein Schakal wehmütig heult. Was machen sämtliche Mitarbeiter in solchen Pausen? Verwaltungskram? Bunte Runde? Zwangsweise Feierabend?
Natürlich ist mir die finanzielle Situation der Lichtspielhäuser bewusst, müssen an allen Ecken und Enden Sparmaßnahmen durchgezogen werden, eben gerade beim Personal. Es verlangt ja auch keiner, dass für nicht jugendfreie Filme ein gläsernes Tunnelsystem mit Fingerabdrucks-Check, Alterskontrolle, Überwachungskameras und bewaffneten Aufpassern integriert wird, das wirklich keinem Minderjährigen Zutritt gewährt. Obwohl das eine ziemlich coole Vorstellung abgibt, wenn ich mal ehrlich bin. Egal… Dennoch kann es nicht zu viel verlangt sein, über die eingangs erwähnten Schildchen (ein reines Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen) hinaus Maßnahmen zur Durchsetzung des so oft debattierten Jugendschutzes zu ergreifen. Lebendigen Leibes verbrennende Menschen sind nun mal keine leichte Popcorn-Unterhaltung für Zwölfjährige, um mal bei „Saw II“ zu bleiben. Entsprechende Überwachung direkt im Kinosaal während der gesamten Laufzeit sollte ja wohl das Minimum sein. Ich stelle mich gern zur Verfügung! Minderjährige rüffeln und nebenbei noch blutrünstige Filme sehen? Momentan beispielsweise den leider völlig unterschätzten Kracher „Wolf Creek“? Heaven on Earth…
Gewisse Prinzipien wahren möchte
der verantwortungsbewusste Tino









