19th May 2012

Filmreview: Bandidas

Posted by Reviewnator on September-19-2006 Add Comments

Bandidas

Was kann es für einen Mann amüsierenderes geben als einer temperamentvollen Mexikanerin und einer feurigen Spanierin dabei zuzusehen, wie sie ihrem komödiantischem Talent mit Hilfe von hochgepressten Brüsten, schwarz wallender Mähne und knallenden Ohrfeigen freien Lauf lassen?

Mexiko, 19. Jahrhundert. Don Diego (Ismael ‚East’ Carlo), ein mexikanischer reicher Banker bekommt eines Tages Besuch von dem Amerikaner Tyler Jackson (Dwight Yoakam). Der Angestellte der New York Bank muss, um seinen potentiellen Kunden Mr. Ashe zu halten, mexikanisches Land für den Bau einer Eisenbahnlinie sicherstellen. Seine dafür bevorzugte Verhandlungstaktik – Mord. Und so schießt sich also Jackson dementsprechend von einer Farm zur anderen, ohne Rücksicht auf Verluste. Allerdings hat er scheinbar nicht mit den heißblütigen und sturen Töchtern Maria Alvarez (Penelope Cruz) und Sara Sandoval (Salma Hayek) gerechnet. Denn nachdem Jackson auch auf Marias Vater geschossen hat und Sarahs Vater Don Diego mit Wein vergiftete, schwören sich die Frauen individuell Rache zu nehmen. Sie wollen ihr Geld zurück. Maria, der Gerechtigkeit wegen, und Sara, für die Reise zurück nach Europa. Doch als beide ungeplant und unvorbereitet sich maskiert und bewaffnet in Don Diegos ehemaliger Bank plötzlich zufällig gegenüberstehen wird ihnen schnell klar – sie müssen zusammenarbeiten. Ausgestattet mit dem besten Training weit und breit planen sie, so viel Geld wie möglich für die Einheimischen zurückzurauben. Die Sache hat nur einen Haken. Jackson hat, um die Mädels zu fassen, Quentin Cooke (Steve Zahn) engagiert. Er ist nicht nur der beste Kriminologe seiner Zeit sondern auch der zukünftige Schwiegersohn Mr. Ashe’s.

Ein Abenteuer bestehend aus Korsetts, Zickenkämpfen und Komik. Das ist genau der Fall im Action-Comedy Western „Bandidas“. Was genau sich die Drehbuchautoren Luc Besson und Robert Mark Kamen dabei dachten, weiß ich nicht. Sicher, es ist ein recht unterhaltsamer Film, noch dazu durch seine Darstellerinnen hübsch anzusehen. Doch für Besson, der für “Leon”, „The Transporter“ und „Das Fünfte Element“ verantwortlich ist, scheint dies schon ein recht drastischer Sprung. Oder vielleicht auch nicht. Ich kenne ihn ja nicht persönlich. Vielleicht war es eher ein Spaßprojekt der beiden. Ein Drehbuch, bei dem sie nicht nur ihre Fantasie, sondern auch ihre Kindheitsträume mit Cowboys realisieren konnten. Wer weiß. Auf jeden Fall scheinen zumindest die Hauptdarsteller Cruz, Hayek und Zahn unheimlich Spaß beim Dreh gehabt zu haben. Zumindest kommt es mir so vor.

Bandidas

Cruz und Hayek, die im echten Leben ja dicke Freundinnen sind, haben auf mir bisher nie aufgefallene Weise ein Talent für Komik. Ich weiß nicht genau woran es liegt. Vielleicht ist es ihr Akzent, der alles lustiger erscheinen lässt. Vielleicht ist es aber auch ihre Art nicht püppchenhaft zu wirken, was man theoretisch von solch einem Kaliber Frau erwarten kann. Ich nehme an, es ist eine interessante Verbindung aus beidem. Hübsche Frauen mit tollen Körpern, die englisch sprechen als würden sie lispeln und die mit ausgesprochenem Temperament auch nicht vor körperlicher Gewalt zurückschrecken. In „Bandidas“ zumindest suhlen sie sich im Dreck, schlagen sich gegenseitig die Wangen heiß und reiten auf den Pferden was das Zeug hält. Echte Freundinnen eben. Wobei ich sagen muss, das Penelope Cruz wesentlich komischer ist als Hayek. Und das ist ein Kompliment. Ihr Timing und ihre Gesichtsausdrücke sind für die Rolle der „Mir alles scheiß egal, ich schieß mal drauf – Maria“ perfekt. Nicht, das Hayek an solchen Szenen spart, aber ohne Cruz an ihrer Seite wäre der Film nur halb so viel wert. Natürlich abgesehen von den aufreizenden Klamotten und Körpern die man sich auch als Frau gern mal ansieht. Trotz alledem, um vernünftig unterhalten zu werden, muss man sie im Doppelpack haben. Denn sie haben, wonach jede Casting Agentur sucht – ‚Chemistry’.

Steve Zahn auf der anderen Seite ist ja mehr oder weniger an Filme mit Komödieneffekt gewöhnt. Wir erinnern uns da an seine Rollen in „Daddy Day Care“ mit Eddy Murphy oder “National Security” mit Martin Lawrence. Nie in der Hauptrolle oft in der Nebenrolle, unterstützt er auch in Bandidas die Damen bei ihren Aktionen. Er bietet wie immer einen Gegenpol ganz im Sinne seines Markenzeichens als nervöse Persönlichkeit. Eigentlich ein bisschen schade für den Mann. Er wird wohl für immer die zweite Geige spielen müssen. Er scheint „type casted“ zu sein. Auf der anderen Seite konnte er diese Gelegenheit wohl auch nicht abschlagen. Welche männliche Kreatur hat schon was dagegen, wenn man ihm permanent die Brüste ins Gesicht streckt oder ihn für das Kusstraining benutzt.

Bandidas, der sowohl in Qualität als auch in Geschichte an „Die Maske des Zorro“ erinnert, war wahrscheinlich ein unheimlich witziger Film zu drehen. Er war, was ich auch annehme, für Cruz und Hayek endlich die Möglichkeit zusammen auf der Leinwand zu erscheinen. Doch seien wir mal ehrlich. Preise kann man mit diesem Klischee nicht gewinnen. Heutzutage einen Western als Comedy zu produzieren ist automatisch ein Schlag ins Gesicht. Überhaupt heutzutage einen Western zu produzieren ist meist ein Schlag ins Gesicht. Zu deutsch: tausend mal ‚probiert’, tausend mal ist nichts passiert. John Wayne wüsste nicht ob er heulen oder lachen sollte. Man muss in diesem Genre Western etwas neues aufweisen (Brokeback Mountain). Auf der anderen Seite haben Cruz und Hayek auch mal locker lassen können. Sie wichen von dramatischen Rollen ab und tauchten ein in die Welt der knallenden Revolver. Meiner Meinung nach haben sie etwas neues für sich entdeckt mit dem man nicht nur ganz gut Geld verdienen kann, sondern auch eine Marktnische ist – Comedytalent.

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