7th February 2012

Filmreview: Die Schwarze Dahlie

Posted by Reviewnator on September-28-2006 Add Comments

Black Dahlia

James Elroys Buch mit dem Titel “The Black Dahlia”, einen Spitznamen den Elisabeth Short von damaligen Zeitungen bekam, war nun Grundlage für den gleichnamigen Film der jetzt in unseren Kinos anläuft. Mit dem Drehbuch von Josh Friedmann und unter der Regie des berühmten Brian de Palma, wurde der Versuch gestartet ihr Leben und ihren Tod in 121 Minuten zu erklären. Zumindest nimmt das der Zuschauer bei dem Filmtitel an. Theorie und Praxis liegen aber weit entfernt voneinander. Denn der Film handelt eher über das Leben des Officer Dwight “Bucky” Bleichert (Josh Hartnett). Ein ehemaliger Boxer, der einfach mal so zur Mordkommission berufen wird. Schon mal interessant wie das früher scheinbar lief. Ebenfalls eine Rolle im Plot hat sein früherer Gegner und heutiger Freund und Partner, Sgt. Leland Blanchart (Aaron Eckhart). Gleiches Spiel – einfach mal so ohne Training in die Mordkommission. Doch bei zwei Männern aus den 40-ger Jahren muss es mindestens noch eine Frau geben. Diese, um die Dreiecksbeziehung komplett zu machen, wird gespielt von Scarlett Johansson und heißt Kay Lake. Eine ehemalige Prostituierte und jetzige Lebensgefährtin Blancharts.

Nach weitläufigen und eingängigen Hintergrundinformation zu den Polizisten sehen wir mitten im Film, der von der Geschichte mal abgesehen herrlich real inszeniert wurde, im Hintergrund eine Frau einem Auto hinterherlaufen. Diese soll Betty Bersinger darstellen. Endlich so dachte ich, kommen wir zur Titelgeschichte. Doch De Palma dachte nicht so wie ich. Er hielt sich stur an die wahrscheinlich dramatisch ausgedachte Story um Bucky. So sehen wir ganz nebenbei, wie Bucky und sein Partner Blanchart den Fall übergeben bekommen. Inzwischen vernarrt in die Aufklärung des populären Mordes von Elisabeth Short, beginnt Blanchart nicht nur seinen Kopf sondern auch seine Beziehung zu Kay zu verlieren. Depressiv vom Aufmerksamkeitsverlust und als Frau mit Bedürfnissen, fokussiert sie sich nun mehr auf Bucky, der sowieso in ihrem Haus ein und aus geht. Doch Bucky, loyal wie er ist, weist all ihre nackten Tatsachen zurück.

Eigentlich an einem Kindermörder-Fall interessiert, willigt Bucky aber ein seinem Partner zu helfen und den Mord aufzuklären. Dabei stößt er auf die äußerst interessante reiche Familie Linscott und ihre Tochter Madeleine (Hilary Swank). Madeleine, eine attraktive und geheimnisvolle Frau, die eher früher als später mit Bucky im Bett landet, scheint nicht nur eine Doppelgängerin der Toten sondern eventuell sogar Zeugin des Mordes zu sein. Oder ist sie auch Täterin? Was folgt ist ein komplizierter Akt im Leben Buckys zusammengesetzt aus mehr Morden, lesbischen Akten, Kriminalität, schmutzigen Polizisten, Sex und ab und zu mal Rückblicken in das traurige Leben der Elisabeth Short.

Die Schwarze Dahlie

Enttäuschend für jemanden der erwartet die Geschichte um Elisabeth Short zu sehen. Erfreulich aber für den Fan des klassischen Filmes. Denn auch wenn ich zu der enttäuschten Sorte gehöre, erfreute ich mich an der Drehweise de Palmas, welche die 40-ger Jahre wieder aufleben ließ. Er rekonstruierte genau die Art Film mit Erzähldialog wie zum Beispiel in Bette Davis Drama ‚All about Eve’. De Palma ist, wie mit seinen vorherigen Werken (z. B. Scarface) bereits bewiesen, ein hervorragender Geschichtenerzähler. So überzeugt er mit diesem Talent auch in „The Black Dahlia“ und wählte dabei Buckys Sichtweise.

Josh Hartnett ist zwar nicht wirklich die richtige Wahl für weder harter Boxer noch schlauer Polizist, aber er passt sich dem geforderten Image hervorragend an. Sein Aussehen schadet der Rolle nicht. Scarlett Johansson auf der anderen Seite, auch wenn mir ihr Charakter kühl besser gefallen hätte, passt schon eher. Mit ihrer weißen Haut und ihrem knallroten Schmollmund schwebt sie mit einer gewissen Aura durchs Bild welche an frühere Größen des Filmgeschäfts erinnert. Vollkommen überzeugt war ich allerdings von der Leistung Hilary Swanks und Fiona Shaws. Swank zeigte mir – und ich bin kein Fan ihrerseits – die gewünschte schauspielerische Wandlungsfähigkeit und ließ mich nie an ihrem Charakter zweifeln. Shaw brachte als Ramona Linscott einen Touch ‚crazy’ gekonnt rüber. Was, wie mir schien, allerdings absolute Vorraussetzung für die Besetzung war, ist die Fähigkeit an einer Zigarette ziehen zu können. Für die Zeit nicht unüblich – wenn man sich mit 40-ger Jahre Filmen auskennt – war das ständige Rauchen. Egal wo, egal wie. So auch hier. Geraucht wurde was das Zeug hielt. Ein weiterer Pluspunkt für de Palma, sich an die Ära gehalten zu haben.

Letztendlich ist der Film „The Black Dahlia“ ein gelungener Sprung zurück in das korrupte Los Angeles. Er überzeugt mit hervorragend in Szene gesetzten Bühnen, Kostümen, Dramen und Charakteren. Jeder Fan wird diesbezüglich dankbar sein. Aber da Josh Friedman auf Ellroys Grundlage mehr ein Werk mit komplizierten aber dennoch interessanten fiktionalen Plots kreierte, und die Betonung liegt auf fiktional, hätte man den Titel nicht verwenden sollen. Denn der Film hält nicht, was der Titel verspricht. The Black Dahlia. Die ist nämlich die meiste Zeit MIA.

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