Jeder ist mit ihm aufgewachsen, jeder liebt ihn und jeder wollte als Kind so sein wie er. Superman. Der Mann vom fernen Stern mit dem engen blauen Anzug, dem roten Cape, zwei Existenzen, verliebt in Lois Lane und immer wieder Retter des Universums. Seit 1938 treibt er bereits sein Unwesen auf Papier (Comics), in Cartoons, Fernsehserien und – als Film auf der Leinwand. 1978 das erste Mal, 1987 das letzte Mal. Christopher Reeve hatte damals als Clark Kent/Superman seine Rolle für’s Leben gefunden und mit Teil 1 bis 4, die Figur zur amerikanischen Institution gemacht. Doch wie gesagt, das ist fast 20 Jahre her. Demnach schien es an der Zeit ihn zurückkehren zu lassen. Und welcher Titel wäre da besser geeignet als „Superman Returns“.
Vor einiger Zeit verließ Superman (Brandon Routh) die Erde auf der Suche nach Überbleibseln seines Heimatplaneten Krypton. Scientologen hatten ihn damals im All ausfindig gemacht. Wie sich aber auf seiner Reise durchs All herausstellte, hat eine Art Schockwelle den Planeten komplett zerstört. So kehrt Superman nach 5 Jahren Abwesenheit erfolglos und geschwächt wieder in seinem Kristallraumschiff nach Metropolis zurück. In den Armen seiner Mutter Martha Kent ist das Wiedersehen allerdings alles andere als glücklich. Superman fühlt sich als Letzter seiner Art verloren, traurig und planlos. Er schwelgt in sorglosen Kindheitserinnerungen. Doch viel Zeit zum Träumen bleibt ihm nicht. Gleich an seinem ersten Tag wieder in seinem alten Job beim Daily Planet, sieht er im Fernsehen wie ein Space Shuttle gekoppelt mit einem Flugzeug – und Lois Lane an Board – dem Desaster entgegen fliegt. Ein mysteriöser Stromausfall führte zu unwiderruflichen Fehlschaltungen. Mit nur noch Minuten Richtung Orbit-Katastrophe rennt Clark instinktiv los und als Superman dem Himmel entgegen. Der Retter der Menschheit ist wieder da und ziemlich beschäftigt. Doch die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Lois (Kate Bosworth), immer noch sichtlich frustriert hinsichtlich Supermans plötzlichem Verschwinden ist inzwischen Pulitzer Preis Gewinnerin mit dem Artikel ‚Warum die Welt keinen Superman braucht’. Verlobt mit dem Neffen ihres Chefs und mit Kind hat sie für Superman keinen Platz mehr in ihrem Leben.
Supermans Erzfeind Lex Luthor (Kevin Spacey) ist derweil auch wieder aus dem Gefängnis entlassen worden und findet Reichtum durch das Ableben einer alten Frau. Seiner Frau. Mit viel Geld in der Tasche ist es ihm nun wieder möglich seinem liebsten Hobby nachzugehen. Zerstörung. Zusammen mit seiner Gefährtin Kitty (Parker Posey), macht er sich auf die Suche nach der ‚Fortress of Solitude’. Dabei findet und stiehlt er mehrere Kristalle, die angeblich auf dem Planeten Krypton zu allerlei Objektvergrößerungen eingesetzt wurden. Glücklich über sein neues funktionierendes Spielzeug, will Luthor jetzt endlich die Macht und Anerkennung die ihm zusteht. Er hat sich in den Kopf gesetzt, einen neuen Kontinenten im Atlantischen Ozean entstehen zu lassen und dabei nicht nur große Teile Nordamerikas, sondern auch Billionen von Menschen zu vernichten. Da er aber mit großer Wahrscheinlichkeit mit Supermans Gerechtigkeitssinn rechnen kann, hat er auch gleich das einzig funktionierende Gegenmittel für einen Angriff des Mannes aus Stahl…
Was haben Superman, Batman und James Bond gemeinsam? Alle drei sind Figuren die bereits jahrzehntelang Menschen auf der ganzen Welt begleiten. Sie sind Kultfilme. Richtige Institutionen. Und wenn man sich für eine Fortsetzung einer solchen Institution entscheidet, was ist da das wichtigste? Richtig! Die Besetzung. Und mit der hat der Regisseur Bryan Singer genau ins Schwarze getroffen. Zu meiner Verblüffung.
Brandon Routh, der eigentlich eher seine Wurzeln in Fernsehserien hat, ist erstaunlich überzeugend als der neue Superman. Sein markantes Aussehen, seine bestimmende Gestik und seine ruhige Aura sind was ihn für die Rolle nicht nur perfekt sondern auch einen gebürenden Nachfolger des leider zu früh verstorbenen Christopher Reeves macht. Ich habe kaum wenn überhaupt einen Unterschied zu Vorgängern bemerkt. Besser noch, in der heutigen Zeit ist er für mich Superman.
Kate Bosworth als Lois Lane, wenn auch in den ersten Auftrittsminuten vollkommen unpassend, steigert sich mit zunehmender Laufzeit in ihre Rolle positiv hinein. Assoziiert man Lois mit Terry Hatcher, einer stark wirkenden Journalistin mit Persönlichkeit, wird man über ihre Wahl enttäuscht sein. Doch vergisst man vorher gesehene Lois Lane Charaktere, vor allem Hatcher, ist die eigentliche Teenager Darstellerin gar nicht so schlecht wie zuerst vermutet. Sie gibt Lois Lane ihre Menschlichkeit oder eher ihre Verletzlichkeit zurück.

Kevin Spacey. Was kann man über ihn sagen. Er spielt, was die Rolle des Lex Luther verspricht. Einen kahlköpfigen Irren mit Intelligenz. Er verleiht der Geschichte das nötige Leben. Und zwar mit dem Können eines Oscar Preisträgers. Ohne ihn wäre der Film eine eher hoffnungslose Romanze. Doch Superman war schon immer eine Dreiecksbeziehung. Zwei heimlich liebende mit dem Hang nach Gerechtigkeit und dementsprechender Verfolgung des kriminellen Luther. Ein romantisches Abenteuer.
Die Geschichte selbst ist nicht hoch kompliziert. Doch was soll man auch bei einem Superman Film kompliziertes auf die Leinwand bringen. Es geht nun mal nur um drei Charaktere. Superman, Weltretter und verliebt in Lois Lane – Lois, auf der Suche nach der nächsten großen Story und verliebt in Superman – Lex Luther, immer kriminell agierend und von Superman jedes Mal erwischt. Jeder weiß bereits vor Beginn der Spielzeit was zu allerguterletzt das Ende sein wird. Was also tun um der Geschichte mehr Pepp zu verleihen? Interessante Storyline? Weltneue Effekte? Beide sind zwar gut aber nicht spektakulär. Deshalb fügte man noch bisher unbekannte Personen hinzu. In diesem Teil ist das James Marsden als Lois Verlobten Richard, Tristan Lake Leabu als Lois Sohn Jason und Parker Posey als Luthers Freundin Kitty. Spielen sie wirklich eine gravierende Rolle? Nein. Aber sie haben eine nette Geschichte. Wobei James, als eventueller Sohn Supermans, wohl wieder auftauchen wird.
‘Superman Returns’ ist ein absolut typischer Film der Kultreihe. Er hält sich im Format an alle vorherigen Teile. Einfach aber unterhaltsam. Ist man kein Fan, wird man über vieles meckern können. Natürlich gibt es Blockbuster mit einer cleveren Story, Überraschungseffekten und explodierenden irgendetwas. Doch bei einem Superman Film ist das nicht wichtig. Nach 20 Jahren Kinoabwesenheit war es eine gute Idee die eigentliche Geschichte der heutigen Generation im Filmformat mitzuteilen. Wer von denen interessiert sich schon für Filme aus den 70-ern und 80-ern. Man will moderne Technik mit aktuellen Schauspielern. Beides ist gegeben. Doch man muss sich bewusst sein – es ist und bleibt Superman aus dem Comic-Buch!










