50 Millionen Euro für einen Film auszugeben, dessen Handlung vor allem auf der Welt der Gerüche basiert, ist schon mutig genug. Nebenbei auch noch den Weltbestseller und Klassiker der Neuzeug von Patrick Süskind zu verfilmen, grenzt durchaus an Wahnsinn. Tom Tykwer und Bernd Eichinger, sozusagen die Gurus der deutschen Filmwelt, versuchten diesem irrwitzigen Projekt ein Gesicht zu verleihen – leider teilweise ohne Erfolg.
Dass “das Parfum” einer der technisch hochwertigsten Filme aus europäischer Produktion ist, darüber braucht man nicht anfangen zu diskutieren. Doch stößt hier das Medium Film an seine Grenzen. Wenn Tom Tykwer eines eindrucksvoll mit diesem Film bewiesen hat, dann das man Gerüche nicht auf die große Leinwand bringen kann. Und das, obwohl das Medium Buch in diesem Sinne gar nicht so weit entfernt ist. Warum es in Patrick Süskinds Roman trotzdem geklappt hat, ist bei einiger Überlegung dann doch zu erklären: Gerüche haben nämlich einen heimlichen Verwandten. Die Vorstellungskraft und Phantasie des Konsumenten. Jeder erkennt den Geruch einer aufgeplatzen Mirabelle, ganz bestimmte Faktoren lassen an der richtigen Einordnung nicht zweifeln. Doch nimmt jeder Mensch den Durft einer Frucht, eines Fisches oder einer anderen Person auf seine ganz eigene Art und Weise wahr. Das Medium Buch gibt dem Mensch deutlich mehr Spielraum für eigene Deutungen, als es der Film jemals könnte. so versuchte Tykwer gewaltsam, Gerüche auf Biegen und Brechen greifbar zu machen – ohne jeden Erfolg.

Gleich zu Beginn nimmt uns der Film in das Paris um 1740 mit. Auf einem Fischmarkt bringt eine Frau ein Kind zur Welt, das eine besondere Begabung aufweist: Jean-Baptiste Grenouille, so der Name des Sprösslings, besitzt die Gabe eines außergewöhnlichen Geruchssinnes. Lange Zeit bleibt sein Talent unentdeckt, der magere und ausgezehrte Grenouille durchlebt eine harte Kindheit als Außenseiter und Sklave. Doch dann begegnet er Giuseppe Baldini, einem Spitzen-Parfumeur und verbitterten alten Mann. Schon lange läuft seine Duftwerkstatt nicht mehr, andere Experten haben ihm den Rang abgelaufen. Zuerst schreckt ihn Grenouille ab, der alte Meister hat nichts als Spott und Hohn für die Goldnase übrig. Doch bald merkt er, dass Jean-Baptiste tatsächlich eine unglaublich feine Nase und ein gutes Gespür für verzaubernde Düfte hat. Kurzerhand lernt der Altmeister seinem Lehrling die Kunst der Parfumkreation. Grenouille jedoch, sehnt sich nach Liebe und Anerkennung und schmiedet einen teuflischen Plan: Die Entwicklung eines Parfums, dem niemand widerstehen kann. Um seinen diabolischen Plan durchzuführen, geht er im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen, bis er ertappt wird, vor dem Henker endet und das Ruder herum reißt.
Das größte Lob geht bei “das Parfum” eindeutig an die Schauspieler. Ben Whishaw (Jean-Baptiste Grenouille) ist geradezu geschaffen für diese Rolle, wirkt stets souverän, bemitleidenswert und beängstigend zugleich. Der Charakterdarsteller Dustin Hoffman (Guiseppe Baldini) spielt einen Trumpf nach dem anderen und Rachel Hurd Wood (Laura) ist Lustobjekt & Sympathieträgerin in ein und der selben Gestalt.
Insgesamt hat “das Parfum” eine Laufzeit von 147 Minuten, welche man durchaus etwas herunterkürzen hätte können. Gerade zu Beginn und gegen Ende ziehen sich manche Szenen in die Länge, was außerdem die Inszenierung des Schlussteils angeht, streiten sich ja bekanntlich allgemein die Gemüter. Da diese Review spoilerfrei bleiben soll, wird auf Details verzichtet, eins sei jedoch angemerkt: Die Marktplatzszene am Ende rief bei mir ein Gefühl der Pein aus, wenn nicht gar der Beschämung!
Fazitär bleibt nach dem “Parfum” Screening ein bitterer Nachgeschmack – oder in diesem Fall treffender, Nachgeruch. Zum einen ist Süskinds Roman eine Nummer zu groß, um ihm in Filmform gerecht zu werden. Zum anderen sollten die Regisseure dieser Welt gerade diesen Film als Lehrstück nehmen und den richtigen Schluss daraus ziehen, der in diesem Fall lauten muss: In Zukunft keine halbherzigen Leinwandgerüche mehr!










