19th May 2012

Filmreview: Die Super-Ex

Posted by Reviewnator on Oktober-13-2006 Add Comments

Die Super-Ex

Eine kleine Rechenaufgabe: Man nimmt den Drehbuchautor der Simpsons, addiert dazu den Regisseur von Filmen wie “Ghostbusters” und „Old School“, multipliziert das Ergebnis mit “Superman”, subtrahiert “boy meets girl, loses girl, get’s girl back”, addiert wieder dazu neurotisch, anhänglich, eifersüchtig, kontrollierend und liebesbedürftig und bekommt dann als Ergebnis? „My Super Ex-Girlfriend“.

Als der Architekt Matt Saunders (Luke Wilson) in der U-Bahn die Kunstgalerie Mitarbeiterin Jenny Johnson (Uma Thurman) anspricht, sieht es für ihn nicht gut aus. Ohne auch nur seine vorsichtigen aber netten Anmachsätze vollständig über die Lippen bringen zu dürfen, weist ihn die äußerlich altbacken wirkende Brünette mit einem klaren ‚Nein’ ab. Unterstützt von seinem stets spitzen Arbeitskollegen, der von Jennys ‚inneren Sexpot’ überzeugt ist, versucht er es noch mal. Aber als er gerade wenigstens eine Tasse Kaffe mit ihr ergattern wollte, wird er harsch unterbrochen. Nicht von ihr. Nein. Sondern von einem kleinen Ganoven, der gerade im Begriff ist, Jennys Handtasche zu klauen. Das kann Matt, der nette Junge von nebenan, natürlich nicht durchgehen lassen. So rennt er instinktiv dem Gauner hinterher. Bis er die Tasche – vom Dieb fallengelassen – auf der Strasse findet. Für Matt ein Grund sich heldenhaft zu fühlen. Mit großkotzigen Sprüchen nimmt er sie an sich, und findet heraus – er war noch in Hörweite. So rennt er mit Panik in den Augen dem Eisenstangen bewaffneten Dieb davon und geradezu in die Mülltonne. Doch ein paar Tonnenschläge später ist seltsamerweise vom Dieb nichts mehr zu hören, und so öffnet er wieder mutig den Deckel. Doch statt in ein Schlägergesicht, schaut er wider Erwarten in ein lächelndes. Jennys. Und die ist plötzlich mehr als bereit sich mit ihm zu treffen. In mega schneller Geschwindigkeit, mit mega schnellem Körperrhythmus – im Bett.

Für Matt und Jenny beginnt nun die typisch prickelnde Kennenlernzeit. Und als er herausfindet sie ist in Wirklichkeit die super sexy blonde Superheldin G-Girl, geht er regelrecht in die Luft. Im wörtlichen Sinne und mit offener Hose. Doch kurze Zeit später realisiert Matt, Jenny, auch wenn sie hübsch, intelligent und G-Girl ist, scheint einige nicht unübersehbare Macken zu haben. Was zu Anfang richtig cool ist, wird schnell zu paranoid, kontrollsüchtig und penetrant. Ihm ist klar – die Beziehung wird nichts. Und um die ganze Sache noch komplizierter zu machen, ihm wird klar, er liebt jemand anderes. Doch hat schon mal jemand versucht mit einer emotional unstabilen Superheldin Schluss zu machen? Noch dazu wegen einer anderen? Na Matt jedenfalls wusste nicht worauf er sich einließ.

„My Super Ex-Girlfriend“ ist ein ganz kluges Konzept. Halb ‚Superman’, halb ‚Rosenkrieg’ mit einem Hauch von “The Break Up“. Die Geschichte ist theoretisch wie ein verfilmter Comic für Erwachsene. Und vor allem, nicht eine Minute langweilig. Die Story dreht sich komplett um das Liebesleben von Matt Saunders. Ein netter Mann, der lange Zeit bereits nicht mehr zu zweit im Bett lag und jetzt endlich wieder versucht weiblichen Kontakt aufzunehmen. Still und heimlich verliebt in seine leider vergebene Arbeitskollegin Hannah (Anna Faris), gerät er auf Drängen seines Freundes Vaughn (Rainn Wilson) an Jenny Johnson. Mausgraue Galeristin bei Tag, Superheldin bei Nacht. Doch die ist mehr als er handeln kann. Endlich mit dem Ziel vor Augen die Beziehung zu beenden und Hannah die Wahrheit zu sagen, wählt er die von Vaughn vorgeschlagene ‚Weichei-Lösung’ im Sinne von „Schatz, ich glaube wir müssen mal ein wenig Zeit getrennt voneinander verbringen um unsere Beziehung zu überdenken. Ob wir füreinander wirklich geschaffen sind.” Doch wie immer mit den Frauen – werden sie verlassen, flippen sie aus. Sind sie aber noch dazu den Männern kräftemäßig überlegen, randalieren sie regelrecht. So sieht man Matts Wohnung verwüstet, seine Decke durchbrochen, sein Auto im Weltall, seine Stirn mit Obszönitäten gelasert und den weißen Hai durchs Fenster fliegen. Und wie die Wilson Brüder es so an sich haben, Matt auch nackt in der Konferenz stehen. Das alles ist für einen Normalbürger nicht ganz so einfach zu ertragen. Und bevor er aus Angst sich ganz aus dem Staub macht und untertaucht, versucht er es mit der letzten ihm möglichen Rettung. Jennys ehemaligen Kumpel und heutigen Erzfeind Professor Bedlam (Eddie Izzard). Doch in gewohnter Ivan Reitman-Art ist das Ergebnis nicht ganz was sich Matt vorstellte.

Uma Thurman in Die Super-Ex

Wie bei Owen Wilson so kann man sich auch über die Leistung des Luke Wilson streiten. Es ist letztendlich immer die gleiche Art von Menschen, die sich an beiden Brüdern erfreuen. Und ich zähl zu der Sorte. Ich mag sie in Komödien. Und meiner Meinung nach leistet Luke Wilson auch in diesem Film gute Arbeit. Sein Job ist es, überansprucht auszusehen und auf Uma Thurman zu reagieren. Noch dazu verbringt er so einige Zeit mit den Künsten seiner Zunge. Und ich mag an dieser Stelle festhalten – kein schlechter Körper.

Uma Thurman als Jenny Johnson, auch wenn ich mir wieder einmal ihre abgrund hässlichen Füße anschauen musste, spielt eine Art ausgeflippte weibliche Clark Kent Version. Allerdings humorvoll. Und erstaunlicherweise auch gut. Sie passt in die Kategorie Superhero, schon allein von der Gestalt her. Und als durchgedrehtes G-Girl lässt sie so manche Dinge durch die Luft schwirren, ist relativ sexbesessen und sucht eigentlich den Mann fürs Leben. Doch Umas beste Szenen sind die sarkastischen.

Die zwei mit den Nebenrollen – Anna Faris als Hannah und Rainn Wilson als Vaughn – tun ihr bestes. Faris hat erstaunlicherweise sogar mehr Potential als erwartet. Sie bringt keinen Scary Movie-Stil ans Tageslicht, sondern überrascht als ernstzunehmende Komödiantin. Vielleicht ist sie doch komplett unterbewertet. Und Rainn Wilson, erfolgreich in „The Office“ (US Version), spielt überzeugend einen mittelmäßigen Typen der denkt er sei der coolste. Jeder Satz aus seinem Mund ist wie die Faust aufs Auge. Mir fällt niemand ein, der seine Rolle besser hätte spielen können.

Der Regisseur Ivan Reitman und der Drehbuchautor Don Payne haben zusammen einen recht unterhaltsamen und witzigen Film in die Kinos geschickt. Die Sprüche der einzelnen Charaktere sind schnell, zackig und treffend. Sogar in der Realität wieder zu finden. Doch jedem wird „My Super Ex-Girlfriend“ nicht gefallen. Die einen werden ihn für dusselig halten mit überzogenen Witzen, die anderen für clever und lustig. Gute Unterhaltung eben. Mich erinnert er an Old School. Nichtsdestotrotz, es ist kein Block Buster a la Ghostbusters, aber ich glaube auch die Zeiten sind vorbei. Trotz alledem lohnt es sich das Geld auszugeben.

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