19th May 2012

Filmreview: Ich, du und der Andere

Posted by Reviewnator on Oktober-5-2006 Add Comments

Ich, du und der Andere

108 Minuten voller sexueller Anspielungen, Nacktheit kombiniert mit Humor. Das soll angeblich im Großen und Ganzen der Inhalt des Filmes „You, me and Dupree“ von Anthony und Joe Russo sein. Da bin ich doch dabei!

Aufsteiger Carl Peterson (Matt Dillon) steht endlich vor dem wichtigsten Tag seines Lebens. Auf einer hawaiianischen Insel möchte er die Liebe seines Lebens und zufällige Tochter seines Chefs, Molly (Kate Hudson), heiraten. Mit dabei an diesem bedeutsamen Tag ist sein bester Kumpel seit 25 Jahren – Randolph Dupree (Owen Willson). Doch Dupree, der scheinbar unterschiedlicher Meinung hinsichtlich Urlaubsnahme mit seinem Chef war, wird zurück in der Heimat vom Job gefeuert. Ohne Arbeit und ohne Dach über dem Kopf übernachtet er nun tagein tagaus in einer Bar. Bis Carl das mitbekommt. Denn sein bester Freund kann das einfach nicht mit ansehen. Und so lädt Carl Dupree für ein paar Tage in sein und Mollys Haus ein. Für ein paar Tage wohlgemerkt. Bis er wieder einen Job hat. Für Molly, die sich immer noch in Flitterwochenlaune befindet, eine nicht ganz einfache Situation.

Doch während Dupree es sich im Haus äußerst gemütlich macht, hat Carl im Job die Hölle. Es sieht nämlich ganz so aus, als ob Schwiegerdaddy Mr. Thompson (Michael Douglas) ihn nicht wirklich mag. Da wird sein Projekt manipuliert, seine Arbeitsstunden verlängert und sein Türschild zu Peterson-Thompson geändert. Und als ob das alles ihn nicht schon Nerven genug kosten würde, bekommt er von Mollys Daddy auch noch eine Informationsbroschüre zur Sterilisation in die Hand gedrückt. Bei all dem beruflichen Drama hofft Carl am Ende des Tages sich nur noch zu Hause erholen zu können. Mit Molly. Doch mit Dupree im Haus ist es alles andere als Erholung. Dupree hat nämlich ein ganz besonderes Talent. Unangenehme Überraschungen. Und die entstehen ab und zu in Form von verstopften Toiletten, Masturbationen, Parties und Stripper. Bis er sich verliebt. Denn bei erotischem Sex mit 100 Kerzen im Wohnzimmer brennt ihm die Bude ab. Ein Grund mehr Dupree endlich rauszuschmeißen. Einfacher gesagt als getan…

Von Owen Wilson kennt man größtenteils nichts anderes. Er hat seit 1994 in bereits 30 Filmen mitgespielt. Sechsundzwanzig davon hatten bei der Genre Beschreibung das Wort ‚Comedy’. Kein Wunder also, das er nicht zu der Gattung der „ernstzunehmenden Schauspieler“ zählt. Bei der krummen Nase auch schwer vorstellbar. Doch wie wir alle wissen, verdient man als Komiker eine Masse Geld. Und was auch immer Wilson für diesen Job bekam ist hoch und heilig verdient. Der Film ist nämlich hundertprozentig auf ihn zugeschnitten. Hudson und Dillon sind mehr oder weniger seine Komparsen im Dreieck oder Viereck wenn man die Story um den Schwiegervater dazuzählt. Und das ist kein Problem, keineswegs. Denn auch wenn man Sympathie für Carl und Molly empfindet, will man nur wissen was Dupree als nächstes verkackt. Und das tut er häufig, aber nie böswillig. Er spielt einen trotteligen, faulen aber liebenswürdigen Chaoten, dem man nur ab und zu in den Hintern treten muss.

Owen Wilson in Ich, Du und der Andere

Kate Hudson und Matt Dillon, wie gesagt, auch wenn ihre Rolle für den Plot notwendig ist, werden zu Nebencharakteren. Hudson gleicht ihrer Mutter wie ihr Spiegelbild. Ihr Schauspielern, ihre Figur, ihr Lachen – egal was, ich hab es von Goldie Hawn bereits hundert Mal gesehen. Gott sei Dank. Denn Goldie war eine brillante Komikerin. Bei Dillon allerdings bin ich mir nie sicher welcher Kategorie er zuzuordnen ist. Seine Filmographie enthält alles von Lover zu Bad Ass zu Hero zu was auch immer. Und wenn man auch vom Aussehen her eher auf Bad Ass tippen sollte, sah ich im Film die ein oder andere hervorragend gespielte Komikermimik. Speziell, wenn er zusammen mit Michael Douglas auf der Leinwand erschien. Und da sind wir schon beim Schwiegervater. Michael Douglas. Der Mann hat so viele Titel (Schauspieler, Produzent, Regisseur etc), das einem beim Lesen schwarz vor Augen wird. Er ist Oscar Preisträger und ein hervorragender Schauspieler. Und er ist 62 Jahre alt. Allerdings scheint er nicht wirklich mit seinem Älterwerden klar zu kommen. Mein erster Gedanke als ich ihn sah? Meine Güte ist er dünn geworden. Man sieht im die 60 nicht an. Und dabei dachte ich der Schönheitswahn samt schnippeln trifft nur auf Frauen zu. Ich wundere mich nur, was aus seiner Karriere geworden ist. In der letzten Zeit sieht man ihn eher in Komödien statt in Thriller oder Dramen, die ihn berühmt machten. Ist nicht unbedingt schlimm, aber Oscars bringen ihm die Rollen nicht mehr ein.

Der Film an sich ist wirklich ganz gut. Auch vom Konzept her. Er befasst sich mit einem Thema, bei dem jeder wahrscheinlich ein Wörtchen mitzureden hat. Ich auf jeden Fall hatte schon solche Kandidaten im Haus. Man nimmt sie auf – für 1 bis 2 Wochen – und sie bleiben für Monate. Mittendrin verflucht man sie und will sie aus dem Haus. Und wenn dann der ganze Haushalt und Tagesablauf auf den Kopf gestellt wird, flippt man regelrecht aus. Ganz abgesehen von der nicht existierenden Privatsphäre. Doch dann verträgt man sich wieder und stellt Regeln auf. Meist werden diese aber nach ein paar Tagen wieder gebrochen. Ein elendiger Kreislauf wenn man so lange schon befreundet ist. Genauso läuft es auch in „You, me and Dupree“. Als Dupree plötzlich vor der Tür steht, willigt Molly – wenn auch skeptisch – in sein Bleiben ein. Doch gleich am ersten Morgen sieht sie seine nackten Tatsachen quer über der Couch. Ein nicht netter Anblick. Dupree macht als Hausgast alles falsch was man sich vorstellen kann. Noch dazu im Hause frisch gebackener Eheleute. Er tut nichts, futtert alles weg, verstopft das Klo, stört Carl beim Sex weil er mal muss, versaut das Wohnzimmer, lädt Freunde zum Football schauen ein, ruiniert den Teppich und brennt das Haus nieder. Allerdings hat er auch wieder seine guten Seiten. Wenn er will. Aber er ist nun mal ein ‚free spirit’ wie man so schön sagt. Kein Verantwortungsbewusstsein, keinen Drang zum Arbeiten und in Gedanken und Taten immer in seiner Jugend. Irgendwann fängt Molly aber an mit ihm warm zu werden. Sie genießt plötzlich seine Anwesenheit und hat eine gute Zeit mit ihm. Als Carl das mitbekommt, geht bei ihm der Alarm an. Er wird eifersüchtig. Und der Stress im Hause Peterson eskaliert.

„You, me and Dupree” ist eine typische Komödie, bei der man sowohl herzhaft lachen kann, ab und zu schmunzelt oder auch einfach nur der Geschichte folgt. Sie ist gleichzusetzen mit allem was Ben Stiller oder Vince Vaughn so auf die Leinwand bringen. Und das ist ja wohl nicht schlecht.

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