
Wie der Cineast weiß, besteht eine Filmproduktion zumindest für die Schauspieler hauptsächlich aus (bei Stars extrem gut bezahlter) Wartezeit. Schließlich muss ausgeleuchtet, umdekoriert, irgendwas aufgebaut oder umgeworfen, eben alles für die nächste Szene vorbereitet werden. Nun hat es Euren alten Tino mal interessiert, womit sich die Reichen und Schönen in diesen Pausen ihre kostbare Lebenszeit vertreiben. Eine aufwändige Recherche schloss sich an. Zum Glück half Angelina Jolie weiter.
Die Schmollmündige gestand dem nach Informationen lechzenden Publikum nämlich unlängst, dass sie lieber mit Frauen dreht, um während besagter Zeiten des Nichtstuns zu plaudern. Worüber? Logisch: Shopping. Man(n) hört es quasi im eigenen Innenohr… „Ja, und dann sehe ich im Schaufenster diesen Traum von Kleid. Zauberhaft, sage ich dir, zau-ber-haft! Und ich denke: ‚Angie, das Teil ist deins!’ Ich also rein in den Laden, anprobiert. Die Verkäuferin meinte auch, dass ich genau die richtige Figur dafür hätte und mir das Kleid hervorragend stehen würde, wirklich her-vor-ra-gend. Also habe ich es gekauft und gleich angezogen. Aber weißt du, Brad hat es irgendwie gar nicht gefallen. Er finde es schrecklich, meinte er, total schreck-lich. Tja, und da musste ich es zurückgeben. Deprimierend, kann ich dir sagen, völlig de-pri-mie-rend!“
John Malkovich dagegen ist eher als Einzelgänger bekannt, weswegen ausufernde Konversationen mit Kollegen wohl kaum stattfinden. Dafür entspannt sich der Mann gerne beim Stricken. Eine Drehpause = ein Topflappen? Und weil ihm das nicht reicht oder die brotlose Kunst des Schauspiels nicht mehr genug abwirft, hat Malkovich gleich eine eigene Modelinie kreiert. Okay, die Klamottage sieht zwar aus, als wären die Wühltische dieser Welt ein angemessenes Zuhause, aber wann hat man jemals wieder die Gelegenheit, unserem John so nahe zu kommen, zumindest psychisch?! Da hüllt sich der Fan doch gern in Sack und Asche!
Schreckliches ist teilweise auch von den Diven dieser Welt zu vernehmen. Beispielsweise nutzten Meryl Streep und Glenn Close die Zwangs-Freizeit am „Geisterhaus“-Set auf gleiche Weise wie Anjelica Houston und Cate Blanchett bei „Die Tiefseetaucher“, nämlich zur Etablierung einer tiefen Feindschaft. Was beide Zicken-Pärchen im Nachgang allerdings kaum davon abhielt, während Promo-Touren vereint in die Kameras zu grinsen. Von Abneigung keine Spur. So sieht echtes Talent aus… Charlize Theron macht dagegen angeblich gern einen auf Kumpel mit Cast & Crew und ist überglücklich, wenn jemand ihre Leidenschaft für Backgammon teilt.
Spektakulärer ging es offensichtlich am Set des Klassikers „Gefährliche Liebschaften“ zu: Glenn Close und Michelle Pfeiffer, einander im Film abgrundtief verhasst, mussten beide mit dem Scheitern einer Beziehung kämpfen und schlossen darob in Windeseile Freundschaft. Tja, nichts schweißt zwei Frauen schneller zusammen als der Äonen alte Groll gegen Männer. Pfeiffer hatte jedoch daraus leider nichts gelernt und begann eine Affäre mit Co-Star John Malkovich, welcher folgerichtig seine Gattin Glenne Headly verließ. Lange dauerte das Techtelmechtel allerdings nicht, da sich Malkovich der damaligen Nebendarstellerin Uma Thurman zuwandte. Pfeiffer, erneut verletzt, spuckte Gift und Galle, prophezeite gar öffentlich, dass man „von der kleinen Schnalle schon bald nichts mehr hören würde“. Böser Irrtum. Bilanz des Ganzen: Zwei gebrochene Frauenherzen, eine enge Freundschaft unter Mädels, eine leidenschaftliche Kurzbeziehung. Dagegen sind die im Film dargestellten Intrigen und Verwicklungen fast schon kalter Kaffee!
Es gibt aber auch noch stinksolide Beschäftigungen. Jeff Bridges zum Beispiel fotografiert gern alles, was um ihn herum geschieht. Die Aufnahmen sind so gut, dass sie bereits mehrere Ausstellungen erfahren haben. Kathy Bates dagegen bringt ihr Schoßhündchen mit zum Dreh und vertreibt sich die Zeit, indem sie das arme Tier zu Tode streichelt. Wie man hört, unterhält (oder martert?) dagegen Brad Pitt das Team häufiger durch lautstarke Gesänge. Andere Darsteller nutzen wiederum selbst die unfreiwilligen Intermezzi zum Verständnis ihrer Rolle. Unter anderem hat Daniel Day-Lewis bei „Mein linker Fuß“ sogar während Drehpausen seinen Rollstuhl nicht verlassen, um die Darstellung eines gelähmten Menschen zu perfektionieren. Belohnt wurde solche Hingabe mit dem Oscar. Und dass man in Russland zur Zeit des Kalten Krieges trotzdem einiges anstellen kann, zeigten Sean Connery und Michelle Pfeiffer als Protagonisten im „Russlandhaus“ – Connery spielte Golf, Pfeiffer besuchte Theater, Museen und ähnliche Stätten der Kultur. Fürstlich entlohnt natürlich. Stars am Set – ein harter Job…
Bis zur nächsten Kolumne Pause macht
Tino









