8th February 2012

Tino geht ins Kino – und hört überall Stimmen!

Posted by Tino Socaly on November-2-2006 Add Comments

Tino geht ins Kino: Remakes
Gefällt den amerikanischen Produzenten ein ausländischer Film, wird er in den meisten Fällen ganz einfach neu gedreht. – Tino Socaly

Hand aufs Herz, lieber Leser: Sagt Dir der Name „Franziska Pigulla“ etwas? Nein? Kein Grund zur Sorge, denn Frau Pigulla ist nicht nur ein super netter Mensch, sondern auch ein praktisch völlig unbekannter Promi. Ihre Stimme allerdings, die tragen wir wahrscheinlich alle tief im Gehörgang. Dieses Timbre, diese Rauchigkeit, die schiere verbale Erotik… Wir haben den akustischen Genuss in unzähligen „Akte X“-Folgen sowie einigen Filmen vernommen, verbinden ihn allerdings mit einem anderen Gesicht – dem von Gillian Anderson à la Dana Scully. Wie man unschwer schlussfolgert, verdient sich Franziska Pigulla ihre Brötchen als Synchronsprecherin.

Ungeachtet der bereits ausführlich gepriesenen stimmlichen Qualitäten der Dame ein zweischneidiges Schwert. Für viele Cineasten sind Filme ausschließlich im Original, maximal noch mit Untertiteln versehen, genießbar. Auch Euer alter Tino schaut, wenn möglich, lieber die praktisch jungfräuliche Fassung. In den USA geht dieser Trend aber

fast schon bis zum Lächerlichen – Synchronisationen finden niemals statt, Untertitel sind Mangelware. Gefällt den amerikanischen Produzenten ein ausländischer Film, wird er in den meisten Fällen ganz einfach neu gedreht. Die Remake-Schwemme nimmt kein Ende. Aber zurück zum Thema: Natürlich kann man Synchronisationen negativ gegenüberstehen und denken, sie machen die künstlerische Intention kaputt. Hinzu kommt gerade bei Komödien die generelle Unübersetzbarkeit prägnanter Wortspiele und Sprüche. Andererseits wertet eine gelungene Synchronisation manchmal (okay, eher selten) Filme auch auf. Wer beispielsweise „Gefährliche Liebschaften“ und „Dangerous Liaisons“ vergleicht, wird wissen, wovon ich rede. Aktuell positiv zu nennen wäre ebenfalls “Der Teufel trägt Prada“. Grundsätzlich nicht viel mehr als eine recht schmalzige Liebes-Selbstfindungs-Comedy, grenzen sämtliche Szenen mit Meryl Streep an Genialität – eine unglaubliche schauspielerische Leistung, für die sie unbedingt eine weitere Oscar-Nominierung bekommen muss. Und um beim Thema zu bleiben: Ihre Synchronsprecherin zieht adäquat mit und sorgt dafür, dass auch die deutsche Fassung nichts an Spaß einbüßt. Wie das von Streep dargestellte Mode-Miststück Miranda Priestly in der Synchronisation mit einem scheinbar sanften, aber unter der Oberfläche höchst gefährlich brodelnden „Das wärs…“ regelmäßig ihre devoten Angestellten abbügelt, muss man einfach gehört haben!

Auch die Stimmen anderer Stammsprecher kennt jeder, ohne zu wissen, wie eigentlich der Mensch dahinter heißt oder gar aussieht. Man denke an Michelle Pfeiffer (synchronisiert von Katja Nottke), Julia Roberts (Daniela Hoffmann), Jodie Foster (Hansi Jochmann), Tom Hanks (Arne Elsholtz) oder Bruce Willis (Manfred Lehmann). Doch erneut eröffnet sich ein Zwiespalt. Manche der genannten Profis sind nämlich derart begehrt, dass sie gleich mehrere Darsteller bedienen. An sich völlig okay – nur manchmal etwas seltsam. Man lege zum Beispiel einen Film ein, in dem Petra Barthel der Protagonistin ihre Stimme leiht. Da Barthel zu den Vielbeschäftigten zählt, tut sie dies für Nicole Kidman, Uma Thurman, Bridget Fonda und Julianne Moore. Ungeachtet der zweifellos verbalen Meisterleistung hätte es eigentlich jede der Damen verdient, ihre individuelle deutsche Stimme zu bekommen, oder?!

Andererseits soll nicht unerwähnt bleiben, dass Synchronsprecher leider häufig ein unverdientes Schattendasein führen, ihnen die angebrachte Würdigung verwehrt bleibt. Man sieht es unter anderem am Beispiel der „8 Frauen“: Sämtliche Stimmen für Ozons Schlacht der Oberzicken waren bereits gebucht, als der Verleih umschwenkte und deutsche Stars buchte, um ihre französischen Pendants zu vertonen. Aus Catherine Deneuves Mund spricht nun Senta Berger, Nina Hoss vollbringt eine tolle Leistung als Emanuelle Béarts Alter Ego, Katja Riemann eignet sich hervorragend Isabelle Hupperts Hysterie an. Eigentlich wunderbar, zumal man sich keine bessere Kombination als Fanny Ardants Mienenspiel und Hannelore Elsners schöne, reife Stimme vorstellen mag. Doch die Aussage dahinter ist klar: Stars zu Stars. SynchronsprecherInnen machen bloß ihren Job, sind quasi unwichtig, können locker geschasst werden. Ein himmelschreiendes Unrecht. Wer dies wenigstens ansatzweise ändern, die realen Gesichter hinter den Stimmen kennen lernen und die unbekannten Sprecher ihrer Anonymität entreißen möchte, werfe einen intensiven Blick ins Internet, nämlich auf die derzeit beste Seite zum Thema: www.synchronkartei.de.

Stimmen wie diese gern hört

Tino

  • del.icio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • FriendFeed
  • LinkedIn
  • MySpace

Post a Comment

(required. But it will not be published)