
Familie kann wahlweise etwas wirklich Tolles oder ein nicht versiegender Quell von Krisen, Schlachten und Problemen sein, wie wohl jeder Leser aus eigener Erfahrung weiß. Noch viel schlimmer muss es den Nachwuchs von Stars treffen: stets im Rampenlicht stehend, als Baby in jede Kamera gehalten, später schlimmstenfalls unter dem Druck gigantischer Erwartungen strauchelnd. Joan Crawfords Adoptivtochter Christina beispielsweise hat sich mit einem Weltbestseller ihr Leid von der Seele geschrieben, in der Verfilmung von “Meine liebe Rabenmutter” brillierte dann Faye Dunaway als dem Alkohol stark zugewandter, auf dem absteigenden Ast befindlicher Ex-Star und überforderte Mama.
Doch man kann seinen Sprösslingen auch auf subtilere Weise Schaden zufügen, womit wir beim heutigen Thema wären. Meine Eltern waren bei der Namenswahl ihres Göttersohnes (zum Glück) nun nicht eben umwerfend kreativ. Die Kinder mancher Promis dagegen tragen ihren Namen wie einen Buckel mit sich herum. Nehmen wir beispielsweise mal Victoria und David Beckham. Nachdem die beiden bereits zwei unschuldige Seelen mit den Benennungen “Brooklyn” und “Romeo” gebrandmarkt hatten, traf es Sohn Nummer 3 besonders hart. Der arme Wurm läuft nun als “Cruz”, also “Kreuz”, durch die Botanik. Ein echter, unfreiwilliger Märtyrer!
Auch Julia Roberts scheint der Ruhm zu Kopf gestiegen zu sein und dort einige Sicherungen durchgebrannt zu haben. Nachdem ihre Tochter mit “Hazel Patricia” noch einigermaßen gut fährt, leidet der männliche Spross unter dem Namen “Phinnaeus Walter”. Man spreche dies ungefähr 10x schnell hintereinander aus und wisse, dass “Phinnaeus” übersetzt “das Orakel” bedeutet. Besondere Hellsichtigkeit mag man Roberts dennoch kaum zusprechen. Dagegen scheint Gwyneth Paltrow während der Schwangerschaft viele Vitamine vertilgt zu haben. Anders lässt sich die Bestrafung ihrer Tochter mit “Apple Blythe Alison” nicht erklären. Wenn jetzt noch ein paar Kinder kommen, kann Paltrow mit “Peach”, “Banana” und “Strawberry” immerhin den Obstkorb komplettieren.
Im direkten Vergleich scheint es Madonnas Erstgeborene namens “Lourdes” noch gut getroffen zu haben. Wenn man kein religiös veranlagter Mensch ist, stimmt das sicherlich. Andernfalls weiß man aber, dass “Lourdes” gleichfalls der berühmteste Wallfahrtsort auf dieser weiten Welt heißt. Was ja generell zum Namen der Mutter passt, aber doch gelind übertrieben scheint. Oder sollte die Kleine tatsächlich über göttliche Kräfte verfügen? Und verwandelt sich Sylvester Stallones Tochter bei Vollmond vielleicht in einen Werwolf oder hat eine große Karriere als Gothic-Hohepriesterin vor sich? Der Name “Sage Moonblood” lässt beide Optionen offen.
Ganz finster wird es, wenn Kinder bislang mehr oder minder unbekannter Sternchen eben den Popularitätsverlust ausgleichen, für Aufmerksamkeit sorgen müssen. Hat beispielsweise schon mal jemand etwas von Shannyn Sossamon gehört? Nein? Kein Wunder, über kleinere Rollen beziehungsweise völlig unbekannte Filme ist das Mädel noch nicht hinaus gekommen. Viel Freizeit also, die unter anderem in die Geburt eines Kindes investiert wurde. Gestraft sieht sich der neue Erdenbürger mit einer namentlichen Kreation, die ihresgleichen sucht, nämlich “Audio Science”. Ein Hinweis auf den späteren Berufswunsch? Richtig tief in die Trickkiste griff auch Bono, dem geneigten Leser als U2-Sänger bekannt. Ihm wurde ein Sohn geschenkt, welchem er mit der unaussprechlichen Buchstabenansammlung “Elijah Bob Patricus Guggi Q” schon den Start ins Leben verdarb. Verblüffenden Einfallsreichtum muss man ebenfalls Jason Lee attestieren – sein Junge hört auf das grässliche Gebilde “Pilot Inspektor”…
Wer nun allerdings glaubt, solcherlei Verbaldurchfälle kämen in deutschen Landen nicht vor, der irrt leider gewaltig. Til Schweigers Mädchen kam mit “Luna” ohne größere Blessuren davon, ihrer Schwester “Emma Tiger” dagegen gehört mein Mitgefühl. Und wenn man Uwe Ochsenknecht zum Vater hat, muss man sich auf noch einiges mehr gefasst machen. Namentlich wandelt man als “Wilson Gonzales”, “Jimi Blue” oder “Cheyenne Savannah” über das Angesicht der Welt. Manchmal sind unkreative Eltern eben doch ein Segen.
Danke, Mom und Dad – Euer
Tino









