
Die Tage werden immer kürzer, eiskalte Nächte breiten ihre finsteren Schwaden über das Land aus, und die bessere Hälfte ward auf Grund erdrückenden Stresses auch viel zu lange nicht gesehen. Genug Gründe für Euren deprimierten alten Tino, mentalen Frust zu schieben und urplötzlich in die Untiefen des Morbiden und Makabren abzugleiten. Dies, liebe Leser, wird also keine lebenslustige, fröhliche Kolumne, sondern eher ein Trauerspiel. So zückt denn Eure Taschentücher und lest vom gefährlichen Leben als Schauspieler.
Es ist kein Geheimnis, dass so mancher Star sich in gottgleicher Position sieht und dieses fatale Selbstbild auch entsprechend auslebt. Sofern es den Umgang mit der Crew am Set oder dem Fußvolk auf der Straße – ergo den normalen Menschen – betrifft, droht keine direkte Unbill. Vielleicht macht man sich als Zicke überall unbeliebt, ein körperlicher Schaden ist jedoch kaum zu erwarten. Vor Unfällen aller Art ist allerdings auch die Prominenz nicht gefeit. Schaut man sich die Liste der gewaltsam zu Tode gekommenen Stars an, kann einen das kalte Grauen packen.
Als Paradebeispiel fällt einem sicherlich James Dean ein, dessen junges Leben durch einen Autounfall beendet wurde. Wie man heute weiß, kamen dabei mehrere unglückliche Umstände zusammen, aber auch Deans Leichtsinn, in der Abenddämmerung ohne Licht gefahren zu sein. War der Mime gar leichtsinnig gewesen? Ein weiteres weltberühmtes Beispiel stellt Jayne Mansfield dar: Gerade einmal 34 Jahre alt, völlig verarmt und von der Welt fast vergessen starb die ehemalige Sexbombe ebenfalls bei einem Autounfall. Hartnäckig hält sich das Gerücht, sie wäre dabei enthauptet worden; wahrscheinlicher ist jedoch, dass ihr lediglich die blonde Perücke vom Kopf flog. Ein ähnliches Schicksal traf die einstige Hitchcock-Muse Grace Kelly.
Stirbt ein Star auf so brutale Weise, ist die Welt zumindest ansatzweise erschüttert. Dass es manchmal aber auch die Crew trifft, erfahren die wenigsten Zuschauer. Hat beispielsweise jemand etwas vom tödlichen Unfall eines (namenlosen) 25jährigen Assistenten des derzeit im Dreh befindlichen Films „The Kingdom“ mitbekommen? Nein. Immerhin zeigten sich die Protagonisten Jamie Foxx und Jennifer Garner „schockiert“, zudem wurde die Produktion für einige Tage gestoppt. The Show must go on. Ähnliches geschah im Juli während der Arbeit an einem ZDF-Fernsehfilm: Ein Stuntman fuhr unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen mit einem Auto in den Teltowkanal, ertrank darin jedoch. Glück im Unglück hatte dagegen ein Kollege beim „Pearl Harbor“-Dreh, welcher mit seinem Flugzeug abstürzte. Er überlebte fast völlig unverletzt.
Solcherlei Beispiele findet man nur beim intensiven Studium sämtlicher in- und ausländischer Zeitungen oder durch eine gezielte Recherche im Internet. Das ist einerseits durchaus positiv, weil die Sensationsgeilheit der modernen Medien sowieso schon jede Grenze überschritten hat, ergo keine weiteren Nachschübe mehr bräuchte. Andererseits muss man es aber bedenklich finden, da wirklich jeder gestauchte Knöchel zum Titelthema wird, falls er nur an einem Star hängt. Womit wir wieder bei der gottgleichen Position wären – hart arbeitende Menschen sind bestenfalls einen Dreizeiler wert, hüstelt ein Prominenter mal schief, machen findige Boulevard-Journalisten einen kompletten Bericht inklusive Fotostrecke draus. Und was ist da nicht alles Erschreckendes zu lesen! Erst kürzlich kreischte uns allerorts entgegen, Iris Berben habe einen schweren Reitunfall erlitten. Traurig, zweifellos. Aber nicht publikumswirksam genug. Folgerichtig darf Berben „Solche starken Schmerzen hatte ich noch nie“ bekennen, während ihr Sohn „eine absolute Katastrophe“ diagnostiziert. Ja, geht es denn noch?!
Weitaus weniger Wirbel machten die Medien dagegen um Corinna Harfouch, nachdem sie 2003 bei Dreharbeiten von einer Brücke stürzte, in einen Strudel geriet und fast ertrank. In den USA dagegen blühen die Horrormeldungen wie Rosen am Wegesrand: Teri Hatcher wäre angeblich fast erblindet, als in ihrer Nähe eine Glühbirne explodierte. Demi Moore hat neulich Kevin Costner das Leben gerettet, als ihn ein Auto zu überrollen drohte (Moore hechtete in das Gefährt und zog die Handbremse). Hilary Swank verletzte ein Strumpfhalter im Gesicht, sie musste mit drei (in Worten: DREI) Stichen genäht werden. Besonders heldenhaft: Bereits am nächsten Tag erschien Swank wieder zur Arbeit! Und Halle Berry trifft es scheinbar immer besonders hart. Bei „Gothika“ brach sie sich den Arm, während „Die another Day“ bekam sie den Splitter einer Rauchbombe ins Auge, welcher indes problemlos entfernt werden konnte.
Fürwahr, das Arbeitsleben eines Stars ist die Härte und eines der gefährlichsten überhaupt. Schön, mit welchen Summen es die Studios der Prominenz vergüten, tagtäglich solchen Risiken zu begegnen. Und toll, dass wir so umfassend darüber informiert werden. Aufklärung tut Not! Übrigens habe ich mir beim Schreiben dieser Kolumne im Unterleibsbereich was eingeklemmt und ein Staubkorn ins Auge bekommen. Wer macht daraus die nächste Titelstory?!
Auf seine persönlichen 15 Minuten Ruhm hofft
Tino









