7th February 2012

The O.C.: Der Prototyp einer Teenie-Serie

Posted by Reviewnator on Dezember-5-2006 Add Comments

The O.C.

TV-Serien können schon schrecklich sein. Wie eine Zeitmaschine rauben sie einem das letzte bisschen Freizeit, das man sicherlich auch nützlicher verbringen könnte. TV-Serie ist aber nicht gleich TV-Serie. Wie bei so vielem muss man auch hier differenzieren: Da gibt es auf der einen Seite diese Serien, die man einfach gesehen haben muss, um mitreden zu können. Darunter fällt definitiv Lost, Desperate Housewives und CSI (N.Y., Miami, whatever). Auf der anderen Seite sind da diese Serien, die man eigentlich peinlich finden sollte, sich irgendwann aber mal doch die eine Folge angesehen hat und seither nicht mehr davon los kommt. Aufgrund der starken Zuschauerabhängigkeit fällt es hier schwer, Beispiele zu nennen. Hardcore Junkies ziehen sich gegebenenfalls die “Gilmore Girls” rein oder enden bei “Dawson’s Creek”, dessen Regisseur sich – ebenso wie die Serie – schon seit einiger Zeit im Ruhestand befindet. Nun gibt es aber noch eine Stufe unter Hardcore. Im Pornogeschäft würde man das folgerichtig Softcore nennen. Auf filmisch geht’s kürzer: “The O.C.”

Ich weiß auch nicht, was mich damals dazu brachte, mir eine angebliche “US-amerikanische Teenager Erfolgsserie” zu geben. Wahrscheinlich war es das Alter. Vielleicht auch das damit verbundene noch nicht sonderlich ausgereifte Hirn. Man weiß es nicht. Leider bin ich auf dem Scheiß hängen geblieben. Ich kann es mir nicht erklären, aber ich schau mir dieses Teenie-Gequake noch heute an. Und das auch noch mit Freude.

Ben McKenzie und Mischa Barton in The O.C.

Als 2003 die erste Staffel von “The O.C.” – zu Deutsch übrigens auch “O.C. California” – anlief, war ich erst einmal schockiert. Noch eine Teenie-Serie machte sich neben dem grottigen “Smallville” und diesem abartigen “Charmed” im deutschen TV breit. Natürlich war ich erstmal anti. Im Grunde war man zu dieser Zeit gegen alles, was auch nur auf dem Cover einen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren abbildete. Doch nach monatelanger Tortur durch eine gute Freundin ließ ich mich breitschlagen, mir eine Episode des College-Kitschs anzutun…

The O.C.

Weitere zwei Wochen später hatte ich mir die komplette erste Staffel im Originalton besorgt und wir machten nächtelang so genannte “O.C. Sessions”, in denen wir mit den Hauptdarstellern Ryan, Marissa, Seth und Summer einschliefen und morgens vor allem mit einem mörder Kater wieder aufwachten. Unser Konterbier war eine weitere Folge. Seltsamerweise kamen wir uns bei der ganzen Glotzerei noch nicht mal idiotisch vor. Wieso auch? Entführte uns diese Serie nicht genau dahin, wo wir immer sein wollten? Nämlich an den Strand von Newport, bei 30 Grad Celsius im Schatten, vor dessen Kulisse ein ganz netter 7er BMW stand und man abends im Poolhouse noch eine Runde Strippoker zockte. Im Grunde das Paradies auf Erden. Unabhängig von irgendwelchen Geld-Strugglereien verlor man da schon mal die Rechte an der millionenschweren Newport Group und konnte am nächsten Morgen trotz alledem noch den 50 qm Pool mit frischem Wasser befüllen. Das Leben der Schönen und Reichen eben.

Mischa Barton

Und genau da lag von Anfang an der Reiz dieser Serie. Denn wer weiß schon wie es sich anfühlt, aus materieller Sicht alles zu haben und trotzdem meistens ziemlich unglücklich durch die Weltgeschichte zu wandern? Man sollte es kaum glauben, auch verwöhnte Teenager scheinen Gefühle zu haben. Wahrscheinlich war das dann auch für viele Zuschauer ein Grund mehr, sich dieser Serie abzuwenden. Für uns war es ein Grund dranzubleiben.

Anno 2006 läuft nun die 4. Staffel in den USA. Nach Deutschland kommt die aktuelle Staffel der stark in Mitleidenschaft gezogenen Erfolgsserie erst Mitte 2007. Glücklicherweise leben wir im Zeitalter von Flickr, Skype und vor allem Myspace. Dort gibt es natürlich eine Seite zur Serie, auf der jeden Donnerstag die neuste Folge kostenlos und in bester Qualität veröffentlicht wird. Und das läuft in der Zwischenzeit mit anderen US-Serien nicht anders. Das nenne ich Service.

Vielleicht bin ich ja doch nicht der Einzige, der auch mal mit einer im Endeffekt recht banalen Serie die Konventionen durchbricht. Vielleicht gibt es ja sogar den ein oder anderen, der ebenfalls “The O.C.” regelmäßig schaut. Und vielleicht gibt es sogar ein paar Leute, die diesbezüglich noch etwas zu ergänzen haben. Ob nun Teenie-Serie oder Ermittlungs-Show – am Ende des Tages sind wir doch alle ein bisschen von der Glotze manipuliert.

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