5th February 2012

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Weit entfernt von schmutzig: The L Word

Posted by Reviewnator on Januar 5 2007 Add Comments
Da ist er nun also, der Abschaum der TV-Landschaft. Das dachten sich sicherlich einige streng konservative Eltern, die letztes Jahr zum ersten Mal den Teaser zur damals neuen Lesbenserie „The L Word“ schockiert zur Kenntnis nahmen. Ja, auch ich war anfangs von den durchaus klischeebehafteten Trailern auf Pro7 etwas irritiert, zeigten sie doch gnadenlosen Lesben-Sex, wenn auch mit vorgehaltenem roten Tuch. Seitdem ich auf den Lesbenzug (right, no homo…) aufgesprungen bin, ist mir bewusst, dass gerade diese ab und zu gesendeten 30 Sekunden Filmausschnitte der schlechteste Marketing-Move seit gefühlten 100 Jahren Pro7-History waren.
„The L Word“, steht natürlich für L wie Lesbian, was für ganz schlaue Kids unter euch übersetzt soviel wie Frauen lieben Frauen heißt. Soweit so anrüchig. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich leicht abgetörnt bei einem Kumpel vor der Glotze saß und nur um einige Millimeter meinen Regenverschlusskorken, aka Kopf, drehen musste um zu bemerken, dass mein Homie mich fühlen konnte. Zur Ablenkung tranken wir auf diesen Schock erstmal einen Scotch mit Eis, um wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu kehren. Nach weiterem Alkoholkonsum waren wir scheinbar so wagemutig uns zu versprechen, den zweistündigen Piloten dieser Serie anzuschauen. Mit unserem Freund, dem Jacky natürlich. Jack Daniels, versteht sich.
Die Zeit verging im Schnellvorlauf und so fanden wir uns Montag Abends um 21.15 Uhr vor dem Flatscreen ein. Eingestellt auf eine Lästerattacke nach der anderen warteten wir gespannt darauf, bis sich die erste Protagonistin den goldenen Vibrator gab, doch alles was am Ende blieb war pure Enttäuschung. Gepaart mit purem Entsetzen. Denn was die zwei Stunden brachten war kein Softporno für Desperate Housewife Fans, sondern den Start einer durchaus relevanten und aus künstlerischen Aspekten heraus höchst interessanten Serie. Überrascht mussten wir feststellen, dass es sich bei „L Word“ nicht um die schnelle Nummer auf der Damentoilette drehte, sondern die Hauptthemen Coming Outs, Konflikte in der Sexualität, gescheiterte Karrierepläne und drogenbedingte Blackouts waren. Vielleicht lag es am Jacky, aber wir konnten im ersten Moment gar nicht fassen, was da vor unseren Augen auf dem Sechzehnzuneuner ablief. Komplexe Zwischenblenden paarten sich mit durchaus stilvoll inszenierter Erotik und menschlichen Dramen. Selbst die humoristische Seite kam am Ende nicht zu kurz.
Irgendwas schien also an diesem „L Word“ dran zu sein und so holten wir uns erstmal die erste Staffel auf DVD, mit englischem Originalton, versteht sich, bei dem sich sogar die Orgasmusszenen besser anhören als mit deutschen Synchronsprechern, was uns wiederum auf die These brachte, dass deutsche Synchronsprecher wohl ziemliche Kellerkinder sein müssen, die wahrscheinlich noch nie in ihrem kompletten Leben einen vernünftigen Orgasmus hatten. Aber back to topic…
Wir zogen uns also die erste Staffel rein, was unseren Horizont – was Lesben angeht – in etwa um soviel erweiterte, wie Dunkelheit die Augen einer Katze. Oder um es in andere Worte zu fassen: Damn, wir waren die nächsten Wochen verdammt noch mal auf dem Lesben-Trip. Und um jetzt mal wieder alle chauvinistischen Vorurteile auf einen Schlag abzulegen sei nur soviel gesagt: „L Word“ ist das krasse Gegenteil von einem Softporno, nimmt sich ernst und will vor allem wirklich ernst genommen werden. Jetzt wird es wahrscheinlich trotzdem noch viele Hater geben, die sich darüber Gedanken machen, wie man am einen Tag über Knast-Lesbe Katy Karrenbauer herziehen und kurz darauf von einem Duzend homosexueller L.A. Bitches schwärmen kann. Reviewnator eben.
Alle, die es bis jetzt immer noch nicht glauben mögen, dass Homosexualität gar nicht so schlimm ist, wie es aussieht, sollten sich mal vor den Fernseher setzen und eine Folge „L Word“ schauen. Ab Januar 2007, also ziemlich bald, ist das dann auch wieder möglich. Schaut einfach mal in den kommenden Wochen in der Fernsehzeitung eurer Wahl unter Spätabendserien. Und ich spreche nicht vom DSF. Pro7 hat bereits die Senderechte für die zweite Staffel erworben. Und wenn diesmal nicht wieder irgendwelche notgeilen Schülerpraktikanten bei der Pro7 Teaserproduktion hinter dem Schnittrechner sitzen, nehmen die Zuschauer „The L Word“ auch endlich mal ernst.

The L Word

Da ist er nun also, der Abschaum der TV-Landschaft. Das dachten sich sicherlich einige streng konservative Eltern, die letztes Jahr zum ersten Mal den Teaser zur damals neuen Lesbenserie „The L Word“ schockiert zur Kenntnis nahmen. Ja, auch ich war anfangs von den durchaus klischeebehafteten Trailern auf Pro7 etwas irritiert, zeigten sie doch gnadenlosen Lesben-Sex, wenn auch mit vorgehaltenem roten Tuch. Seitdem ich auf den Lesbenzug (right, no homo…) aufgesprungen bin, ist mir bewusst, dass gerade diese ab und zu gesendeten 30 Sekunden Filmausschnitte der schlechteste Marketing-Move seit gefühlten 100 Jahren Pro7-History waren.

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