Einer Untersuchung des amerikanischen Media Research Centers zufolge sehen wöchentlich ca. 45 Millionen Deutsche US-Serien. Das sind gegenüber deutschen Serien knapp 65 % höhere Einschaltquoten. Deutlicher kann man es eigentlich nicht darlegen, dass die heimisch produzierten Serien trivial ausgedrückt absoluter Müll sind. Außnahmen bestätigen wie immer die Regel, eine Tendenz lässt sich hier jedoch einwandfrei feststellen. Aber was unterscheidet eine gute TV-Serie nun von einer schlechten? Drei Punkte, die nachfolgend als ‘Triple Bulletpoints’ bezeichnet werden, sollen die Antwort geben:
1. Identifikationsfähige Charaktere
Ob Horatio Caine (‚CSI Miami’), Jack Bauer (’24′), Gregory House (’Dr. House’) oder Michael Scofield (’Prison Break’) – Serienprotagonisten müssen Profil haben und gleichzeitig so massenkompatibel sein, dass sich selbst der Karl-Heinz aus Köln mit ihnen identifizieren kann. Entscheidende Faktoren sind hierbei ein Aussehen mit genug Ecken und Kanten, eine abgeklärt arrogante Einstellung zum Leben und natürlich einen stets wiederkehrenden, bezeichnenden Gesichtsausdruck mit passendem Spruch dazu. Die Zuschauer müssen quasi danach lechzen, den Protagonisten in Aktion erleben zu dürfen.

2. Eine Storyline, die nicht nur bayrische Volksjodler interessiert
„Tierarzt Dr. Engel“ geht einfach nicht. Welcher klar denkende Mensch will in den Sessel fallen und sich Tiergeschichten vom Land erzählen lassen? Der Zuschauer will Action, will überraschende Wendungen und will selbst Teil des Geschehens sein. Bei „Lost“, „Desperate Housewifes“ und eben „CSI“ findet diese Formel in jeder einzelnen Szene Anwendung. Es geht primär nicht darum, die Handlung so realistisch wie möglich wirken zu lassen, denn wie wohl jeder schon mal gemerkt hat ist die Realität zu 90 % stinklangweilig. Menschen wollen in andere Welten flüchten und nehmen dazu auch ein gewisses Maß an Fiktion in Kauf.

3. Ein Produktionsteam, das nicht aus DSDS-Recall Teilnehmern besteht
Menschen entscheiden innerhalb von Millisekunden, ob sie eine Person hübsch, hässlich, sympathisch oder arrogant finden. Wieso sollte das auf TV-Serien übertragen anders sein? Stimmt das visuelle nicht, kann die Handlung noch so clever, noch so verschachtelt sein, der Fernbedienungs-Daumen geht trotzdem in Richtung Umschalttaste. Lange Zeit wurde – auch in den USA – dieser wichtige dritte Bulletpoint unterschätzt. Schon in den 80ern hätte man produktionstechnisch einiges an Serien wie „Knight Rider“ oder „Miami Vice“ schrauben können. Erst Ende der 90er begriffen TV-Stationen, von welch immenser Wichtigkeit die Angleichung einer TV-Serie an die filmische Qualität eines Blockbusters ist.
Was das nun alles mit „CSI“ zu tun hat? Liegt im Grunde auf der Hand: Diese Serie war Anstoß zur heutigen hohen Ausstrahlungsfrequenz amerikanischer TV-Serien und gleichzeitig Vorbild für diese. Denn erstmals wurde dem Zuschauer eine ganz neue Denkmethode eröffnet. So führt die Serie heute noch ihre begeisterten Zuseher auf falsche Wege, deckt diese zwischendrin auf und erklärt auf anschauliche – manchmal etwas übertriebene – aber spannende Weise, wie Kriminalfälle gelöst werden können.

Neuste Statistiken belegen bereits: Durch „CSI“ und Co. hat sich das Berufsbild des Kriminologen stark verändert. Galt dieser Beruf früher noch als Job für Einzelgänger und Langweiler, ist die heutige Auffassung deutlich anders. 2006 gab es einen wahren Run auf diese Branche, größtenteils ausgelöst von Jugendlichen die sich offen dazu bekannten, Inspiration durch amerikanische TV-Serien bekommen zu haben. Nun mag der ein oder andere Zweifler vielleicht noch einwenden, dass der Kriminalalltag sich stark vom Serienalltag unterscheidet – was ja auch im Endeffekt vollkommen richtig ist -, hat diese Branche es aber dringend nötig, ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu erhalten um sich nicht selbst zu kannibalisieren.
Am Beispiel „CSI“ lässt sich also prima veranschaulichen, welche Wirkung gut geplante und produzierte TV-Serien in einem sonst eher biederen Land wie Deutschland haben können. Langsam aber sicher scheinen auch deutsche Produzenten die Triple Bulletpoints verstanden zu haben. So kommt demnächst auf RTL die viel versprechende, „CSI“-ähnliche Krimiserie „Post Mortem“ mit Hannes Jaenicke und Anne Cathrin Buhtz in den Hauptrollen. Erste Teaser-Trailer machen einen guten Eindruck. Wie viele Jahre es schlussendlich dauern wird, bis auch jeder B-Sender in Deutschland begriffen hat, dass mit „Mein Affe Charlie“ und Co. keine Blumentöpfe mehr zu gewinnen sind, wird die Zeit zeigen…










