5th February 2012

Tino geht ins Kino – gelobt seien die Kollegen!

Posted by Tino Socaly on Januar-25-2007 Add Comments

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Gestern Abend war es mal wieder so weit, ich wollte einfach nur zu Hause bleiben und einen Film sehen. Also ran an die DVD-Sammlung. Nicht einfach, aus circa 1500 Scheiben eine auszusuchen – und wie der geneigte Leser vielleicht aus eigener Erfahrung weiß: Je größer die Auswahl, desto höher die Wahrscheinlichkeit, bei einem Film zu landen, den man eigentlich schon mitsingen kann. Folgerichtig traf es „The Hours“. Aber trotzdem kam alles anders, denn irgendwie hatte ich bislang die im schnieken Digipak versteckte Bonus-Disk übersehen. Also nix wie rein damit in den Player und über Hintergründe zur Entstehung informiert!

Dachte ich zumindest. Doch groß war das Entsetzen, als ich feststellen musste, auch hier das Übliche zu sehen. Beispielsweise ein Feature namens „Drei Frauen“, welches sich den Hauptdarstellerinnen Nicole Kidman, Julianne Moore und Meryl Streep widmet. Drei Diven, vereint auf einer Couch sitzend und über ihr Werk plaudernd – das versprach Zicken-Terror. Mit Schadenfreude im Herzen griff ich nochmals beherzt in die Chipstüte und harrte der gegenseitigen verbalen Zerfleischung. Aber zu meinem Unglück geschah… nichts dergleichen. Nein, die Mädels lungerten züchtig auf besagtem Möbel herum und beweihräucherten, was das Zeug hielt. Nicht sich selbst, sondern SICH GEGENSEITIG! Unfassbar. Nach einer knappen Viertelstunde dann der Overkill. Im Bild Nicole Kidman. Sie spricht…

„It was magical to see us all connected like that and to share a movie with this two…“ (sie zieht eine Schnute und greift ihre Kolleginnen an den Händen, Meryl Streep lacht heiter) „…great women. I mean, that was something that you’re so proud of. And I actually sent them both flowers…“ (sie hüpft aufgeregt auf dem Sofa herum und greift sich selbst an den Kopf, plötzlich reden alle durcheinander, eine der Damen schluchzt dazwischen: „It was so nice“) „…because I sat at the movie going: ‚Oh my God, I can’t believe that we have this’ – because it’s about something, it really speaks and people are reacting to it in such a strong way…“

Okay, die Ladys hatten also ganz doll viel Spaß und sind mächtig stolz auf ihren Film. Sollen sie auch sein. Allerdings fragt man sich schon, wo da die Wahrheit endet und PR-Geschwafel anfängt?! Erstens bringt es dem Zuschauer nichts, in jedem Interview zu hören, als was „für ein super netter Mensch“ Regisseur X sich entpuppte, wieviel man „von Kollege Y gelernt“ habe und dass „Maskenbildnerin Z eine wahre Meisterin ihrer Zunft ist“, während der Cable Guy bekräftigt, dass sogar die allergrößten Zicken friedlich vereint am Set ernsthaft ihrer Arbeit nachgegangen wären. Glaubt man also dem ganzen Gesäusel, schauen sich selbst Megastars noch mimische Kniffe von Nachwuchstalenten ab und hat niemand auch nur einen einzigen schlechten Tag erlebt, sondern eine perfekte Sonnenschein-Zeit gehabt. Bitte?! Zweitens gibt es belegte Fälle der Etablierung intimer Feindschaften bei Dreharbeiten – man denke an Meryl Streep und Glenn Close („Das Geisterhaus“), Cate Blanchett und Anjelica Houston („Die Tiefseetaucher“) oder Michelle Pfeiffer und Uma Thurman („Gefährliche Liebschaften“). Nichtsdestotrotz grinsen die Damen dann auf Promo-Touren meistens glücklich vereint in die Kameras – frau lässt sich so was ja nicht anmerken.

Da sage ich doch: wenn schon, denn schon. Ein extremes Beispiel können wir aus grauer Vorzeit auszukramen. Die beiden Ex-Diven Bette Davis und Joan Crawford hatten ihre besten Tage schon weit hinter sich gelassen, als für Robert Aldrichs Psycho-Heuler „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ zwei abgehalfterte Schauspielerinnen gesucht wurden, um quasi sich selbst zu spielen. Die Kunst imitierte ergo das Leben (oder umgekehrt), man wählte Davis und Crawford. Aber anstatt sich zu verbünden, gingen diese starken Persönlichkeiten zum gegenseitigen Angriff über. Die verblassten Stars machten sich das Leben regelrecht zur Hölle. Mit kleinen Affronts fing es an: So ließ Davis unter anderem einen Coca Cola-Automaten installieren, um Crawford, deren verstorbener Gatte ein hohes Tier bei Pepsi war, zu brüskieren. Dessen nicht genug, eskalierten die Streitigkeiten irgendwann; schließlich trat Davis in einer entsprechenden Sequenz tatsächlich mit aller Härte gegen Crawfords Kopf, was in einer nahtbedürftigen Wunde resultierte. Im Gegenzug stopfte sich Crawford für die Szene, in der Davis sie über den Boden schleifen sollte, Steine in die Taschen. Mit dem Resultat, dass sich die Rivalin ihren Rücken verrenkte. Und so weiter… Als einige Zeit später „Wiegenlied für eine Leiche“ gedreht wurde, standen die beiden Altstars wieder auf der Besetzungsliste. Doch Crawford legte sich flugs eine geheimnisvolle Krankheit zu, weswegen Davis’ Freundin Olivia de Havilland den Part bekam. Ein Zufall? Wohl eher nicht. Der Zickenterror nahm aber auch hier kein Ende. So sollte vor de Havilland eigentlich Vivian Leigh die frei gewordene Rolle bekommen, lehnte jedoch mit klaren Worten ab: „No, thank you. I can just about stand looking at Joan Crawford’s face at six o’clock in the morning, but not Bette Davis’.” Übrigens hielt die Feindschaft (Davis über Crawford: „I wouldn’t piss on her if she was on fire“) zwischen den beiden welken Diven über das Grab hinaus an. So reagierte Davis auf die Nachricht von Crawfords Tod wenig versöhnlich: „You should never say bad things about the dead, you should only say good… Joan Crawford is dead. Good!”

Natürlich ist derartiges Verhalten per se inakzeptabel, kindisch, lächerlich und – nicht nur – einem Star unwürdig. Aber dennoch. Etwas mehr Ehrlichkeit stünde dem ganzen gelackten Hollywood-System auch in dieser Hinsicht gut zu Gesicht. Man muss sich ja nicht gleich öffentlich bekriegen; Halle Berry hat da einen netten Mittelweg gefunden. Befragt zu den „Catwoman“-Dreharbeiten, speziell der Zusammenarbeit mit Sharon Stone, verweigerte sie jede Aussage. Woraus man so einiges ableiten kann, ohne gleich in Untiefen abzugleiten.

„Honesty rules!“ findet

Tino

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