8th February 2012

Tino geht ins Kino – und sichtet ein BollWerk

Posted by Tino Socaly on Januar-18-2007 Add Comments

Tino geht ins Kino
Neulich in der Videothek meines Vertrauens: Die Hütte ist aus ungeklärter Ursache voll. Ich drängele mich an den Regalen mit den – restlos verliehenen – Neuheiten vorbei, werfe einen Blick in Richtung Computerspiele und (welcher Kerl tut das nicht?) inspiziere in der Porno-Abteilung ein paar Cover. Und jetzt, liebe Männer, mache ich nur für Euch einen völlig sinnlosen Absatz und bin wie Ihr gespannt, mit welchem Foto einer leicht bekleideten Schönen unser Reviewnator Flo die Lücke füllen wird…

Zurück zum Thema. Schließlich suche ich einen Film aus und begebe mich damit zum Tresen. Dahinter steht meine Lieblingsmitarbeiterin, eine leicht alternative Schwarzhaarige, deren Lippe ein Piercing ziert. Wir begrüßen uns, das Mädel reißt einen Joke und macht sich dann auf, die erwählte DVD zu holen. Wenige Augenblicke später wirft sie einen Blick drauf; Erbleichen ist die Folge. Man sieht deutlich, wie in ihr Loyalität (Chef) und Menschlichkeit (Stammkunden) kämpfen, bis schließlich die Menschlichkeit gewinnt. Meine Favoritin richtet einen flackernden Blick auf sowie das Wort an mich: „Willst du dir den WIRKLICH ausleihen? Der ist…“ Ihre Stimme bricht, ein Ausdruck echter Qual steigt in die hübschen dunklen Augen vor mir. Ich beruhige das liebreizende Wesen mittels der Aussage, darauf zu hoffen, eine richtig schlechte Wahl getroffen zu haben. Dieser Hinweis verwirrt und führt erst zu Schweigen, dann gezuckten Schultern. Ich bedanke mich und trage die Trophäe nach Hause.

Tja, was habe ich mir da wohl ausgeliehen? Es war… „BloodRayne“! Von uns’ Uwe Boll! Dem Menschen, der in diversen Internetforen als schlechtester Regisseur aller Zeiten gehandelt wird! Und an genau diesem Punkt wird es Zeit für den guten alten Tino, der schon so ziemlich alles gesehen hat, eine gewaltige Lanze zu brechen. Natürlich ist die Geschichte der blutigen Rayne eine sinnfreie welche. Klar habe ich mich bei manchem schwachsinnigen Dialog vor Lachen auf dem Boden gekugelt. Ohne Frage stellt man sich unter „darstellerischem Talent“ ganz andere Dinge vor, als sie hier geboten werden – wobei es auch wieder eine echte Leistung ist, Leute wie Geraldine Chaplin oder Ben Kingsley überhaupt zu rekrutieren und dann zu derart miesem Chargieren zu treiben. Zweifellos hat Olaf Ittenbach schon wesentlich annehmbarere Splatter-Effekte fabriziert. Ich streite zudem nicht ab, dass die Schwertkämpfe in ihrer gruseligen Plumpheit zum Schreien komisch aussehen, was ein unbeholfener Schnitt noch verstärkt. Und und und…

Aber dennoch! Immerhin gelingt es Boll, hier einen unterhaltsamen, sinnfreien Vampir-Heuler auf die Leinwand zu bringen, der gar nicht mal so billig ausschaut, im Gegenteil sogar recht intensives Mittelalter-Flair verbreitet, schöne Musik im Raum verteilt und bei Abschalten des Gehirns ganz einfach Laune macht. Nicht mehr, nicht weniger. Deshalb verstehe ich zwar, wenn Spielefans good ol’ Uwe verteufeln, denn auch „Alone in the Dark“ hatte mit dem Game so ziemlich nichts mehr zu tun. Alle anderen, vor allem Kritiker, dürfen aber schon etwas objektiver an die Sache herangehen. Manchmal scheint mir nämlich, hier zieht der Spruch „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“. Will heißen: Alles, was von Uwe Boll kommt, ist schon mal auf Grund seiner Herkunft als übler Dreck abzustempeln. Bitte, liebe Leute, lasst mal die Kirche im Dorf! Und noch eines: Ich fand bei aller Unlogik, dümmlichen Worthülsen und Fehlbesetzungen (Tara Reid als Wissenschaftlerin? Gröööl!) auch „Alone in the Dark“ gar nicht mal schlecht. Dämlich, trashig, unterhaltsam – exakt das, was zu erwarten war, wenn man nicht unbedingt auf der „Vergewaltigung der Games“-Schiene reiten will.

Scheinbar liegt solche Verallgemeinerung dem Menschen allerdings im Blut, den Medien sowieso. Nehmen wir beispielsweise auch mal Madonna. Okay, die Frau sollte definitiv nicht schauspielern, sondern besser singen. Oder, mit Blick auf ihre jüngsten diesbezüglichen kreativen Ergüsse, dem Business am besten ganz den muskulösen Rücken kehren, in aller Herren Länder unschuldige Kinder adoptieren und zum Glück dann bloß noch zu Hause im Trainingsanzug durch die Botanik hirschen. Egal. Nichtsdestotrotz ist es kaum gerechtfertigt, Madonna eine Goldene Ehren-Himbeere als „Schlechtester Darstellerin des Jahrhunderts“ zu verleihen. Ja, sie spielt durchschnittlich bis ziemlich schlecht, aber es gibt definitiv wirklich noch übler agierende Leinwand-Schätzchen. Das gleiche Prinzip wie bei Boll: Wir bashen aus lauter Spaß an der Freude. Und das kann ja wohl nicht im Sinne des Erfinders, Kinos oder sonstwem sein. Nicht wahr?

Etwas mehr Objektivität wünscht sich deshalb

Tino

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