Will Ferrell hat mich seit seiner Zeit bei ‚Saturday Night Life’ immer wieder zum Lachen gebracht. Er hat einfach diese bestimmte blanke Gesichtsgestik, diese vollkommen unglamouröse Statur und diese wilde Lockenpracht. Egal in welcher Rolle er mir im Fernsehen oder auf der Leinwand über den Weg läuft – der Mann ist einfach typcasted und sollte sich niemals in Dramen, Thriller oder Lovestories verrennen.
Seine Spezialität sind Comedies. Und so hart es klingt, aufgrund seiner bisher gewählten Projekte ist es für mich einfach logisch ihn in solchen zu sehen. Das heißt natürlich nicht, dass er nicht schauspielern kann. Comedy ist schließlich das härteste Kunstgeschäft! Aber es heißt ganz einfach – in anderen Rollen kann ich ihn nicht ernst nehmen. Genauso wenig wie ich einen Adam Sandler, einen Matt LeBlanc oder einen Ashton Kutcher mir als knallharten CIA Agenten denken kann. Es gibt für Schauspieler, die sich durch Comedies einen Namen gemacht haben, selten Chancen aus der Misere wieder herauszukommen. Wir haben uns an ihre Gesichter mit Lachen gewöhnt und erwarten auch nichts anderes von ihnen als genau zu diesem gebracht zu werden. Was sollte ich also nun bei seinem neuesten Film „Stranger than Fiction“, der sowohl als Comedy, Drama, Fantasy und Romanze angepriesen wird, für eine Unterhaltung erwarten?
Harold Crick (Will Ferrell) ist ein ganz normaler Steuerbeamter weniger Worte, der sein monotones und furchtbar einsames Leben nach äußerst strengen Regeln führt. Speziell nach Zahlen. Mit Hilfe seiner vertrauenswürdigen Uhr kalkuliert er jeden seiner tagesüblichen Schritte. Er putzt all seine Zähne genau 76 Mal, läuft genau 57 Schritte per Karree, verbringt genau 45,7 min in der Mittagspause und geht genau um 23:13 Uhr ins Bett. Jeden einzelnen Tag. Seit 12 Jahren. Doch ein seltsamer Mittwoch Morgen, der eigentlich wie jeder andere Morgen anfing, sollte Harolds Leben dramatisch verändern. Denn wie aus dem Nichts ertönt plötzlich ein Sprecher, der wie beim Fußballspiel jeden seiner ausgeführten Schritte kommentiert. Mit intelligenterem Vokabular und aufs penibelste akkurat. Sein sonst so monotoner Alltag gerät plötzlich aus den geregelten Fugen. Genauso wie seine nun verrückt spielende Uhr, auf die Harold sich scheint nicht mehr verlassen zu können. Er fängt zweifellos an, den Kopf zu verlieren. Doch wenn das nicht schon schlimm genug für ihn wäre, so erzählt die Stimme eines Abends statt nur von Dingen die er gerade ausführt plötzlich von der Zukunft. Von seinem unmittelbar bevorstehendem Tod. Harold ist außer sich und sucht leicht verzweifelt nach Hilfe. Und während Harold zu Literaturprofessor Jules Hilbert (Dustin Hoffmann) rennt, befindet sich auf der anderen Seite der Stadt eine Autorin namens Kay Eiffel (Emma Thompson) auf der krampfhaften Suche nach einer Möglichkeit die Hauptperson in ihrem nächsten Buch sterben zu lassen. Ist es nur zufällig das beide den Namen Harold Crick tragen?
Man oh Man. Welch unlogischer Film und wo soll ich nur anfangen? Der Film der wie schon erwähnt sowohl als Comedy, Drama, Fantasy als auch Romanze betitelt wird, enthält wirklich alle Facetten dergleichen. Und das ist genau das Problem. Ich hätte nichts gegen Comedy oder Fantasie oder Drama oder Romanze gehabt, aber alle vier Genre zusammen machen den Film nur zu einem – komplettes Wirrwarr. Er hat einfach keinen roten Faden, wirft mehr Fragen auf als er Antworten gibt und lässt mich wundern ob jemand sich einfach nicht entscheiden konnte.
Wollen wir mal die ganze Sache zusammenfassen: Harold Crick ist eigentlich ein bemitleidenswerter Mann mit einem langweiligen Leben, der eines Tages im Kopf eine Stimme hört. Diese Stimme sagt ganz genau in Buchform was er tut. Da hätte jetzt der übliche Ferrell als Crick eine wahnsinnig witzige Sache daraus machen können – wäre es pure Comedy. Zum Anfang hat es auch den Anschein gleich zum Lachen gebracht zu werden, wird aber nicht durchgezogen. Stattdessen sieht es fast so aus, als störte es ihn nicht weiter. Mit einer Stimme im Kopf, die mal kommt, mal geht, ist sein Leben letztendlich – und seltsamerweise – nur leicht durcheinander. Er kriegt den Bus nicht, kann während er ihr aufmerksam zuhört nicht gleichzeitig Kollegen antworten usw.
Wäre es nun pures Drama, müsste Ferrell jetzt in starke Depressionen verfallen oder einfach durchdrehen. Von mir aus auch hätte er in eine Klinik eingewiesen werden oder einfach nur ständig zum Psychiater gehen müssen. Das wäre für ein Drama ja logisch. Was aber sieht das Drehbuch vor? Einen Psychiater, der ihn aufgrund Cricks Annahme Charakter einer Storyline zu sein, kurzerhand auf einen Literaturprofessor (Hoffmann) verweist! Hallo? Wieso ist er davon so schnell überzeugt? Wo würde ich denn landen, wenn ich zum Psychiater sage: ‚Tja, ich höre eine Stimme und bin mir sicher die Heldin eines Buches zu sein’! Wo bleibt die Realität eines Dramas? Trockene dramaähnliche Worte machen kein Drama! Seinen Job trotzdem weiterführend besucht er etwas später für ein Audit die tattoobehackte Ana Pascal (Maggie Gyllenhaal), wobei ihm die Stimme Dinge an ihr aufweist, an die er selbst nicht dachte – Sexappeal, schöne Brüste etc. Da kommen wir jetzt zur Romanze. Die – man denkt es sich schon – wieder einmal angespielt aber nicht durchgeführt wird. Aus der Romanze wird mehr Comedy, die etliche Filmminuten später wieder zur Romanze wird als er ihr beichtet in sie verliebt zu sein. Fantasie wird dann erst daraus, als mirnichtsdirnichts Crick den Stimmenübeltäter herausfindet – Kay Eiffel (Emma Thompson). Er sieht sie im Fernsehen, weiß sie ist es, ruft sie an, sie treffen sich, sie ist erschrocken, bumm. Fantasy! Warum er ihre getippten Worte hört? Keiner weiß es. Man geht der Sache nicht mal auf den Grund. Sie ist sich nur sicher, mit ihren vorherigen 8 Büchern logischerweise auch 8 unschuldige Menschen getötet zu haben. Wow!
Alle 4 Facetten allein hätten einen absolut guten Film aus „Stranger than Fiction“ machen können. Das Thema hätte sowohl lustig als auch dramatisch sein können. Zusammen aber, mit jeweils einen Unterton des anderen Genres, machen sie keinen Sinn. Sie unterhalten – machen aber keinen Sinn. Schauspielertechnisch kann man auch nicht viel sagen. Gyllenhaal – im Gegensatz zu ihrem Bruder – mag ich in keinem Film wirklich sehr. Irgendwie ist sie mir unsympathisch, zu schlaksig und esoterisch angehaucht. Hoffmann und Thompson spielen gewohnt gut. Und Ferrell, mit der schwierigsten Aufgabe von allen, hätte ich gern wieder in einer Comedy. Ich mag ihn, ich lach gern über ihn und ich bin ein Fan. Also warte ich auf ‘Blades of Glory’!
Natürlich verstehe ich trotz alledem die Mitteilung des Filmes. Man soll jeden Tag leben, als wäre es der letzte. Genieße es in vollen Zügen. Mit Comedy, Drama, Romanzen und Fantasy. Gut und schön. Aber während üblicherweise der Mensch jedes einzelne Genre in vollen Zügen – und meist mehr als ihm lieb ist – erlebt, hat das ‚Stranger than Fiction’ Filmkonzept keine wirkliche Ahnung davon, was er damit anfangen soll. Schade eigentlich…

Will Ferrell hat mich seit seiner Zeit bei ‚Saturday Night Life’ immer wieder zum Lachen gebracht. Er hat einfach diese bestimmte blanke Gesichtsgestik, diese vollkommen unglamouröse Statur und diese wilde Lockenpracht. Egal in welcher Rolle er mir im Fernsehen oder auf der Leinwand über den Weg läuft – der Mann ist einfach typcasted und sollte sich niemals in Dramen, Thriller oder Lovestories verrennen. [Weiterlesen] (2237 words, 12 images)