8th September 2010

Tino geht ins Kino – I SAW you there

Posted by Tino Socaly on Februar-1-2007 Add Comments

Tino geht ins Kino: Saw III
Weil diese Kolumne ja logischerweise eine ziemlich subjektive Sache ist, muss ich mal wieder nur aus meiner Sicht sprechen. Diesmal geht es (aufmerksame Leser des Titels ahnen es bereits) um Jigsaw, unseren Lieblingskiller aus der „Saw“-Trilogie.

Als anno dazumal der erste Teil in die Kinos kommen sollte, versprach ich mir nach dem US-Hype ein hübsch blutrünstiges Stück Splatter, vorzugsweise ohne Sinn und Verstand. So weit es den roten Saft betrifft, wurde ich auch nicht enttäuscht, wie der Horrorfreund weiß. Aber es gab da noch diese Subebene, das perfide Spiel mit menschlichen Befindlichkeiten, das intelligente Fragen „Und… was würden SIE tun?“ Dies war nicht ganz das Erwartete, hinterließ aber zumindest bei mir mächtig Eindruck. Wie freute ich mich da, als eine Fortsetzung angekündigt ward. Und im Gegensatz zur großen Masse, welche irgendwie bloß auf die drastischen Scheußlichkeiten abzustellen schien, mochte ich das Sequel ebenfalls. Natürlich ist es teilweise fragwürdig; man denke an die Verbrennungsszene. Klar geht es einen deutlichen Schritt weiter, was die Visualisierung von Brutalitäten betrifft. Auch die Auflösung könnte deutlich besser sein. Aber hat denn niemand die andere Ebene gesehen? Unglaublich fiese Hiebe in diverse psychische Weichteile à la „Ich bin Krebspatient. Sie können mir nicht noch mehr Schmerzen zufügen“ gehört? Bemerkt, wie sehr hier der menschlichen Natur ein Spiegel vorgehalten wird, wenn auch auf brachiale Holzhammer-Weise? Die lustvoll verdrehte Frage nach ausgelutscht-banalen Kategorisierungen wie „gut“ oder „böse“ vernommen? Bin ich hier allein auf freier Flur?

Wie auch immer. Nun ist er da, der dritte Teil. Ab heute kann man im Kino erleben, wie die Story weitergeht. Okay, meiner Meinung nach ein per se völlig unnötiger Aufguss, da keine wirklich wichtigen Fragen offen geblieben waren. Und die vielleicht noch im Raum stehenden Details kann man sich selbst zusammenreimen, man muss ja nicht alles auf dem Silbertablett serviert kriegen. Aber egal. Betrachten wir das zweite Sequel einfach als blutige Bonusrunde und wenden uns seinen Qualitäten zu, falls es diese denn gibt. Hingewiesen sei auf mögliche Spoiler im Folgetext; Lesen auf eigene Gefahr!

Also. Wer schon „Saw 2“ zu hart an der Grenze fand, sei gewarnt – diesmal gibt es keine Regulationsmittel im Sinne des nie allgemeingültig definierten guten Geschmacks, im Gegenteil. Zersplitterte Knochen (noch im umgebenden Fleisch), verätzte Haut, eine Schädelöffnung (durchaus deutlich), die überdeutliche Hommage an „Hellraiser“, verweste Tierkadaver als entscheidendes Spieldetail,… Es gibt kein Halten mehr. Hier soll noch mehr Blut fließen, und das passiert reichlich, bis hin zum Widerwärtigen. Weil der geneigte Genrefan damit aber nicht abzuspeisen ist, wird anfangs auch gleich ein ganzer Leichenberg aufgetürmt, was dann doch ziemlich sinnlos erscheint. Bis endlich Jigsaw himself eingreift, scheint das Ganze ergo keinerlei Zweck zu verfolgen.

Dann wird es aber tatsächlich interessant, weil hier erneut kein Standard-Slasher auf seine Entdeckung wartet, sondern Regie und Buch den Zuschauer erneut am Kragen packen. Diesmal geht es um das nicht ganz unwichtige und weit gefächerte Themengebiet „Schuld und Sühne“, inklusive verbundener Facetten wie „Rache und Vergebung“. Aufbereitet als as usual hundsgemeine, extrem drastische sowie gnadenlose Reflexion, haben wir quasi das ekelhafteste Drama der Welt. Leigh Whanell, Autor aller Teile, sollte man wohl dringend im Auge behalten, möglicherweise einen fähigen Psychiater empfehlen. Nicht nur, dass der Mann einen überdeutlichen Hang zum Perfiden besitzt, er scheint sich darüber hinaus auch mit existenziellen Dingen zu beschäftigen, nur um zum Ergebnis zu gelangen, dass die Menschheit an sich völlig verkommen ist.

Weil dies keine richtige Rezension, sondern lediglich ein Statement sein soll, ziehe ich mal ein subjektives Fazit: Aus Handlungssicht völlig unnötig, bietet „Saw 3“ einerseits jede Menge Steigerungen in Sachen visuelle Gewaltdarstellungen, erweitert den eingeschlagenen Weg, zur Auseinandersetzung mit humanem (Fehl-)Verhalten zu zwingen, aber zusätzlich um ein weiteres Stück. Insofern hat das Sequel den Qualitätscheck also bestanden. Nichtsdestotrotz höre ich bereits die negativen Stimmen, welche ausschließlich von „Geschmacksverirrung“ und „krankem Mist“ reden…

Trotzdem bei seiner Meinung bleibt

Tino

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