19th May 2012

Wiederbelebung eines vergessenen Genres: The Black Donnellys

Posted by Reviewnator on März-16-2007 Add Comments

The Black Donnellys

Es gibt sie wie Sand am Meer. Wie Regen über Deutschland. Wie Yellow Cabs in New York City. Filmgenres florieren seit den Anfängen des bewegten Bildes. Manche geraten in Vergessenheit, manche erfahren aktuell ein Revival. So auch die düstere Stilrichtung “Film Noir”, die sich in den USA gerade dort ausbreitet, wo man sie nicht unbedingt erwarten würde: In TV-Serien. Ein Paradebeispiel dafür ist die kürzlich angelaufene Gangster-Serie “The Black Donnellys”. Ein würdiger Vertreter des so genannten “Neo Noir”.

Obwohl in den USA mit “The Sporanos” bereits ein absoluter Marktführer in Sachen “Neo Noir”-Serien existiert, traute sich niemand geringerer als der Drehbuchautor der Oscargewinner “L.A. Crash” und “Million Dollar Baby”, Paul Haggis, an die Belebung des durch die “Sopranos” monopolisierten Marktes heran. Zwar kann bis dato noch keine Aussage getroffen werden, inwieweit “The Black Donnellys” zum Quotenrenner aufsteigen könnte – es wurden bis jetzt erst 3 Episoden überhaupt ausgestrahlt – doch scheint sich der Neuling zu einer der qualitativ hochwertigsten First-Season-Shows auf NBC zu entwickeln. Bei knapp 25 Serien dieser Sorte durchaus ein frühzeitiger Erfolg.

“Family above all”, der alte Mafiosi-Spruch findet sich auch bei den “Black Donnellys” wieder. Eine Kriminellenbande, bestehend aus vier Brüdern, dreht im berüchtigten New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen krumme Dinger. Bereits im Piloten – also der ersten Folge – wird aber aus nicht weiter erwähnenswertem Diebstahl eine handfeste Nummer. Die irisch stämmigen Brüder geraten in Schwierigkeiten und legen sich mit der eh schon verfeindeten italienischen Mafia explizit an. Folge: Kanonenschüsse, Schlägereien und mehrere Leichen. Alles Ziemlich blutig für eine TV-Serie.

Doch, soweit man das nach 3 gesehenen Episoden beurteilen kann, geht es um viel mehr als das Ausleben irgendwelcher Gewaltfantasien seitens des Autors und der Produzenten. Tommy Donnelly zum Beispiel, versucht schon seit Jahren dem tristen Kriminellendasein zu entrinnen, scheitert allerdings an der Tollpatschigkeit seines Bruders Jimmy, der ständig in Trouble gerät und in Tommy so zu sagen seinen Schutzengel gefunden hat. Als schließlich Jimmy von den Italienern fast zu Tode geprügelt wird, platzt dem sonst eher zurückhaltenden Bruder der Kragen und er veranstaltet ein wahres Massaker im gegnerischen Lager. Ungewollt wird er daraufhin von den Iren gefeiert und steigt bis zum Oberboss auf.

The Black Donnellys

So besonders wäre “The Black Donnellys” gar nicht, hätte sich Drehbuchautor Higgis nicht eine geschickte Erzählstruktur ausgedacht. So berichtet ein enger Freund der Donnelly-Brüder aus der Third-Person Sicht als Außenstehender über die Ereignisse in Hells Kitchen. Gekonnt wurden außerdem die Bilder der Erzähltechnik angepasst. So kommt es nicht selten zu spontanen Bildstopps und wirklich unerwarteten Umschnitten. Alles in allem fühlt sich „The Black Donnellys“ wie ein HD-Kinofilm an.

Ob die „Black Donnellys“ jemals im deutschen Free-TV zu sehen sein werden, ist bis dato eher fraglich. Premiere-Abonnenten mit Zugriff auf den Serienkanal haben jedoch Glück: Hier soll bereits ab September 2007 die Serie anlaufen. Mit deutscher Synchronisation, versteht sich. Wem nun der Mund wässrig geworden ist, sollte auch unbedingt die unter diesem Artikel aufgeführten Links checken. Es lohnt sich.

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