Er ist einer der besten Schauspieler in der Geschichte des Filmes. Hat für seine Leinwandarbeit zahlreiche Awards gewonnen, schreibt, produziert und führt sogar Regie. Al Pacino ist im wahrsten Sinne des Worte eine lebende Legende. Doch manchmal scheinen auch diese Pech mit der Wahl eines Jobs zu haben…
Al Pacino steht mit Größen wie Robert DeNiro, Anthony Hopkins und Jack Nicholson auf der gleichen Stufe ihres Geschäftes. Es gibt unzählige Klassiker die seinen Namen tragen. Doch in letzter Zeit war nicht mehr allzu viel von ihm zu sehen. Wahrscheinlich, weil 67-jährige Schauspieler – auch wenn Ikonen – nicht unbedingt mehr die geldbringenden Zugpferde der Hollywood Studios sind. Doch des einen Verlustes ist des anderen Gewinns, dachte sich wahrscheinlich das unabhängige Studio namens ‘Millennium Films’ und engagierte Pacino für ihren mit 30 Millionen USD gesponserten “88 Minutes” Flick. Aber Schauspieler sind Schauspieler und keine Zauberer!
Jack Gramm (Al Pacino), ein Seattle College Professor und Teilzeit FBI Forensic Psychiatrist, führt ein ziemlich beschäftigtes und Technologie-überwachtes Leben. Kein Wunder, als Experte seines Faches war er der entscheidende Zeuge, der die Jury dazu brachte den Serienkiller Jon Forster (McDonough) ohne jegliche handfeste Beweise mit dem Tod zu bestrafen. Doch am Abend vor besagter Hinrichtung, welche Gramm mit seinen Studenten in einer Bar ausgiebig feiert, passiert in der Stadt ein Mord nach dem gleichen Stil wie angeblich von Forster durchgeführt. Grund genug für die Polizei Bedenken hinsichtlich der Schuld Forsters zu äußern und Gramm mit Fragen zu überhäufen. Schlimmer noch, das neue Opfer ist eine Studentin Gramms. Doch bevor er auch nur ein Profil erstellen kann, bekommt Gramm plötzlich mysteriöse Telefonanrufe. Eine verzerrte Stimme droht ihm damit nur noch 88 Minuten am Leben zu sein. Tick tack. Mit nur wenig Zeit und ständig neuen Morden und Zwischenfällen versucht Gramm dem Anrufer auf die Spur zu kommen. Steckt hinter der Sache etwa Forster? Hat er aus dem Gefängnis heraus Handlanger arrangiert? Oder hat Gramm den falschen Mann hinter Gitter geschickt?
Wie man erkennen kann ist der Plot ziemlich einfach gestrickt. Und dabei hat Gary Scott Thompson, der schon für ‘Hollow Man’ und ‘The Fast and the Furios’ verantwortlich war, das Drehbuch geschrieben. Doch ein einziger genialer Schauspieler und ein guter Plot allein reichen leider nicht für einen tollen Film. Schon gar nicht, wenn Szenen so ohne Impact gedreht wurden und man das Gefühl hat ‘Der Alte’ oder ‘Derrick’ zu schauen. Demnach geb ich auch dem Regisseur Jon Avnett und der verantwortlichen Casting Agentur die volle Schuld für diesen – ich will es gar nicht sagen – Flop.

Aber fangen wir mal mit dem Casting an. In diesem Film gibt es so einige Schauspieler, die in vielen anderen Projekten wesentlich besser aufgehoben wären. Sei es in Serien, TV-Filmen oder vielleicht sogar auf der Bühne. ‘Judging Amy’ Darstellerin Amy Brenneman, die hier Gramms lesbische Büroassistentin spielt, ist z. B. eine von ihnen. Sie kann schauspielern, keine Frage, aber die Lesbe nehme ich ihr auf keinen Fall ab. Ein Hosenanzug reicht nicht aus. Alicia Witt, bekannt aus Urban Legend und hier Gramms Uniassistentin, verliert den Respekt schon allein durch ihre manchmal grinsend wirkenden Gesichtszüge während eines entdeckten Mordes. Benjamin McKenzie von ‘The OC’ als übermotivierter Student und Möchtegern Sherlock tut mir schon richtig leid. Ich weiß ja, dass er wie seine ehemaligen Partnerinnen gern ins große Geschäft einsteigen und nicht im Untergrund der Teenie-Serien-Stars Abenden enden möchte, jedoch war diese Rolle nicht gerade sein Durchbruch. Den Preis für die beste Fehlbesetzung bekommt aber Leelee Sobieski. Selten habe ich eine so ohne Impact agierende – und ich sage es voraus, shoot me – Killerin gesehen. Joan von Arc ist schon eine ganze Weile her. In dieser Zeit hat sie sich nicht mal ein bisschen verändert. Ihre Stimme, ihr Auftreten gleicht das einer Märchenfee. Walt Disney, please call her! Da muss ja wohl einer einen über den Durst getrunken haben. Sie wirkt einfach nur lächerlich. Die Liste könnte nur so weitergeführt werden, doch dann würde ich mich nur noch einmal sinnlos aufregen. Al Pacino in diesen Film zu stecken ist wie einen Mercedes-Stern auf einen Trabbi zu montieren.
Davon aber mal abgesehen, hat der Regisseur so einige Fehler in diesem Film gemacht. Abgesehen von zahlreichen unmöglichen Zeit- und Storyfauxpas auch Anweisungen für Pacino. Was mich nämlich am meisten an Pacinos Darstellung geärgert hat ist sein Umgang mit den viiiielen Frauen. Ist es wirklich notwendig, dass er jedes weibliche Geschlecht dauernd betatschen muss? Rennt er mit ihnen durch die Straßen ist das natürlich Händchen haltend. Wird jemand überfallen, streicht er ihr unaufhörlich besorgt übers Gesicht. Rettet er eine, küsst er sie auf die Stirn, die Wange etc. Meine Güte, es ist kein italienisches Drama!
Und trotzdem hat der Film seine Momente. Auch wenn sie nur kurz und sporadisch sind. Und das einzig wirklich positive ist Pacino, der dem Film Intelligenz verleiht. Auf der anderen Seite macht seine gekonnte Schauspielerei den Film wiederum noch absurder. Das dachte sich wahrscheinlich auch das Testpublikum. Der Film wurde schon für den DVD Release freigegeben und sah nie die Leinwand. Da Sony jetzt die Rechte an dem Film erworben hat nehme ich an, Szenen werden einem Reshoot unterliegen bevor der Film auch nur im geringsten in die Nähe eines Kinos kommt. Es besteht also noch Hoffnung.










