So genannte Alphatiere sind der Definition zufolge in der Regel die kräftigsten und erfahrensten Tiere einer Gruppe. Abweichend von der Definition bezeichnet man als Alpha-Tier häufig auch autoritäre, nicht kompromißbereite und/oder machtbesessene Menschen. In Nick Cassavetes neuem Film wimmelt es davon geradezu.
Eigentlich fällt “Alpha Dog” eher in das Independent-Genre. Wäre da nicht Justin Timberlake in einer nicht zu knapp bemessenen Nebenrolle, würde sich wahrscheinlich das Mainstream-Publikum kaum für diesen Streifen interessieren. In diesem Fall bewirkt der bekannte Namen Timberlakes doch positives: Der Film ist durchgehend solide, kurzweilig und darum sehenswert. Zudem beruht er auf wahren Begebenheiten, nämlich dem gerade verhandelten Fall des Jesse James Hollywood.
Johnny Truelove ist ein mittelschwerer Drogen-Gangster. Von seinem Vater bekommt er den weißen Stoff, den er an verschiedene Abnehmer verteilt. Alles läuft prächtig, Johnny lebt mit seinen Kumpels in einem netten Appartment und lässt es sich gut gehen. Bis eines Tages Jake Mazursky, einer seiner Mittelsmänner ihm Geld aus einem vermasselten Job schuldet. Jake stellt sich als Nazi-Psycho heraus, der mit seiner Gang kurze Zeit später Johnnys Haus zerlegt und ihm zur Kröning auf den teuren Teppich kackt. Das kann sich der Drogenboss natürlich nicht gefallen lassen und entführt spontan Jakes kleinen Bruder Zack.

Nach etlichen Beleidigungsattacken der beiden Alphatiere droht schließlich der durchgedrehte Jake Johnny zu töten, wenn er ihm das nächste Mal über den Weg laufen sollte. Am Ende ist allerdings Zack das Opfer der Streitereien und Johnny samt Crew geraten in den größten Schlamassel ihrer noch sehr jungen Karriere als Street-Gangster.
“Alpha Dog” ist fast in jeder Hinsicht ein Spiegel der kalifornischen Drogenszene. Mit kurzen Slowdowns und vielen Texteinblendungen wie z.B. “Mr. XY, Zeuge #38″, ruft Regisseur Cassavetes dem Zuschauer immer wieder ins Gedächtnis, wie real der Fall tatsächlich ist. Und wie dämlich dazu. Wie man auf die blöde Idee kommen kann, einen Jungen “aus Spaß” zu entführen mit dem Plan, ihn später wieder frei zu lassen und zu hoffen, dass er keinem erzählt, wer ihn gefangen genommen hat, ist schon reichlich schleierhaft. Selbst mit den ganzen Drogen, die in “Alpha Dog” permanent geraucht, inhaliert oder geschluckt werden, erscheint das als absoluter Kamikazeplan.
Schwächen hat der Film begrenzt. Natürlich gibt es bessere Schauspieler als Justin Timberlake, selbst Christian Ulmen hätte wahrscheinlich die Rolle besser gespielt, doch irgendwie passt er zur schrägen Handlung. Eine andere gut besetzte Nebenrolle ist die der Olivia Mazursky, gespielt von niemand geringerem als Sharon Stone. Zusammen mit Bruce Willis als Sonny Truelove sind sie ein unschlagbares Team, obwohl sie sich nicht einmal im Film begegnen.
“Alpha Dog” ist ein durchaus sehenswertes Drogen-Drama mit Hang zur Komödie. Ein bisschen von “How High”, “American History X” und der Optik von “Miami Vice” ist zu spüren und macht “Alpha Dog” zu einem explosiven Gemisch mit desillusionierendem Ende. Wer also dem ganzen “Spiderman 3″ Hype entgegentreten will, sollte sich nicht scheuen, diesen Film anzuschauen.










