19th May 2012

Filmreview: Die Eisprinzen

Posted by Reviewnator on Mai-2-2007 Add Comments

Die Eisprinzen

Das Leben eines Sportlers kann ja so hart sein. Erst trainiert man sein Leben lang, wird bewundert, vergöttert und umjubelt – und dann, wenn man ganz oben an der Spitze angelangt ist, fällt man plötzlich ganz tief. Meist aus Egogründen. Frage: Wie geht es ihnen denn heute, Tonya Harding!

Im Zeitalter von ‚Will und Grace’ und „Queer Eye for the Straight Guy’ hat die amerikanische Eiskunstlaufgeschichte ein weiteres Paarlaufpärchen dazugewonnen. Chazz Michael Michaels und Jimmy MacElroy. Besser bekannt als Jon Heder (Napoleon Dynamite) und Will Ferrell (Anchorman). Und wenn man sich das Produkt ihrer Zusammenarbeit mal anschaut stellt man relativ schnell fest, dass Filmstudios manchmal nur populäre Namen statt genialer Geschichten benötigen um viel Geld zu machen. „Blades of Glory“, der neue Film von Ferrell und Heder, überzeugt nämlich nicht mit einer hervorragend inszenierten Story oder fantastischen auf die Leinwand gebeamten Effekten. Ganz im Gegenteil. Man bekommt – wie bei Ferrell üblich – eine einfache Comedy Geschichte und ein paar nette Lacher, bei denen einem die Movie-Trickkiste der 70er Jahre und einfacher Slapstick a la Three Studges förmlich ins Gesicht springt.

In der Welt des Eiskunstlaufes und dem damit zusammenhängenden ambitionierten Drang nach Goldmedaillen, tanzen sich Erzrivalen Jimmy MacElroy und Chazz Michael Michaels die Seele aus dem Leib. MacElroy, wie eine Elfe aus dem Märchenbuch und Michaels wie der verlorene Sohn Gene Simmons’. Doch die Noten der Richter zeigen beim diesjährigen Wettkampf – Platz 1 müssen sie sich teilen. Wenig erfreut über das Ergebnis, endet ihr gemeinsames Betreten des Podiums letztendlich mit einer Schlägerei ab. Die Konsequenz? Von einer Jury (bestehend aus echten Olympia Gewinnern wie Nancy Kerrigan und Brian Boitano) werden sie auf lebenslange Zeit verbannt.

Drei ½ Jahre später, Chazz schleppt sich tagtäglich betrunken auf die Eisfläche der Kindershow ‚Grumblets on Ice’ und Jimmy hilft in einem Wintersportgeschäft kleinen Mädchen beim Kauf von Schlittschuhen. Ihre Chance, jemals wieder im Wettkampf zu stehen, scheint für immer und ewig verloren. Wäre sie auch, gäbe es nicht Hector (Nick Swardson), Jimmys Stalker und Nummer 1 Fan. Hector kann nämlich die Eis-Abwesenheit seines Idols nicht länger ertragen und informiert ihn über eine Lücke in den Bann-Regeln des Eiskunstlaufes. Seine Idee? Paarlauf. Doch als Jimmys Suche nach einer geeigneten Partnerin fehlschlägt, läuft ihm ausgerechnet sein alter Rivale Chazz über den Weg. Für Jimmys ehemaligen Trainer (Craig T. Nelson) ein Match made in heaven. Und auch wenn ihre partnerschaftliche Beziehung – natürlich in rein heterosexueller Art und Weise – zuerst etwas eisig vor sich geht, sieht’s wohl so aus als hätte der Trainer Recht. Aber ihr Weg zum Paarlauf-Gold ist nicht so einfach wie ursprünglich angenommen. Stranz und Fairchild Van Waldenberg (Will Arnett und Amy Poehler) stehen in ihrem Weg. Und mit diesem Bruder und Schwester Team ist nun wirklich nicht zu scherzen!

Paramount scheint zu wissen was das Publikum will. Oder anders, Paramount scheint zu wissen welche Schauspieler bei der Masse angesagt sind. Egal wie schlecht das Drehbuch ist. So ist Ferrell auch grundsätzlich immer eine gute Wahl wenn es darum geht noch so flache Lacher aus dem Script gekonnt auf die Leinwand umgesetzt zu bekommen. Vor allem, wenn man ihm die Freiheit gibt, seine wahnsinnig untrainierten Körperrundungen zu zeigen. Mit Heder, dem Jungkomiker und seltsamer Weise heißumschwärmten Mädchenidol aus Napoleon Dynamite, fährt man demzufolge genauso gut. Und da keiner der beiden weder vor physischer Comedy noch vor dem Lächerlichsein Angst hat, war das Casting wohl recht schnell gelaufen. Gottseidank, denn „Blades of Glory“ besteht zu 80 Prozent aus zusammenkrachenden Körpern und abartig (aber witzig) aussehenden Kostümen. Auf dem Eis geben sie demnach ein interessantes Bild ab. Obwohl, auf dem Eis ist so eine Sache. „Blades of Glory“, genauso wie die Schauspieler selbst, nehmen sich nämlich nicht so ernst, als das nun jeder Darsteller perfekt Eiskunstlaufen kann. Weit gefehlt. Der Charme des Filmes besteht eher darin, dass der Trick so offensichtlich ist, dass man nur allein darüber lächeln muss. Genauso, wie wohl viele Partien eher eine Hommage an die Welt des Eiskunstlaufes sind. Grublets on Ice oder Stars on Ice? Spielt es eine Rolle? Homo oder Hetero? Kann es einer unterscheiden?

Die Eisprinzen

Nichtsdestotrotz ist das Script natürlich so lala. Cheesy, wie die Amerikaner sagen. Und das vom Anfang bis zum filmtechnisch erschreckenden Ende. In Theorie wahrscheinlich sogar ziemlich lustig, die Umsetzung in der Praxis aber nur ok. Ich gehe sogar so weit und sage, dass die Komik der Hauptdarsteller, und damit meine ich Aussehen und Grimassen, das einzige ist was diesen Film anschaubar macht. Beitragend dazu sind natürlich auch das Ehepaar Amy Poehler (Saturday Night Life) und Will Arnett (Arrested Development), welche Stranz und Fairchild spielen, sowie Jenna Fischer (The Office US version) als ihre Schwester Katie. Erfahrene und vor allem sehr bekannte populäre Komiker, die die Kinokassen so oder so klingeln lassen. Auf der anderen Seite könnte ich mir sogar vorstellen, dass die Umsetzung genau so gewollt war. Over the top lächerlich mit einem Schuss ‚was für ein Schieß’ – aber teilweise komisch. So ein bisschen ein Mix aus Caddyshack und Zoolander. Das heißt, auch wenn mich der Film nicht mitgerissen hat, so bewegten sich meine Mundwinkel doch öfter mal nach oben und ließen mich lächeln. Nicht lauthals lachen – lächeln. Und ehrlich gesagt, war mir das gut genug.

„Blades of Glory’ ist abschließend gesagt jedenfalls ein Film den man nicht ernst nehmen muss und darf. Vor allem darf man ihn sich nicht mit Erwartungen anschauen. Es ist eine physische Comedy bei der die Worte Penis und Eier oftmals vorkommen und Griffe zu dergleichen Stelle nicht selten sind. Was will man also mehr? Und bei der Einspielung an Dollars scheinen Kinogänger nichts als eine anspruchslos gute Zeit gesucht zu haben.

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