
Diesmal habe ich eine ganz besondere Perle ausgegraben, liebe Leser. Wie sonst könnte es wohl sein, dass ein ganzes Heer namhafter Darsteller – wenn auch meist der zweiten Riege – freudig ihre Namen unter Verträge setzten, welche sie zur Mitwirkung an einem Film namens „I woke up early the Day I died“ berechtigten?
Konkret hätten wir da: Billy Zane, die Hitchcock-Ikone Tippi Hedren, Ron Perlman, Christina Ricci, Will Patton, Summer Phoenix (die Schwester von River), Tara Reid, John Ritter, Steven Weber, Ex-Madonna-Liebchen Sandra Bernhard, die Mittlerweile-Trash-Urmutter Karen Black, Leif Garrett, Nicolette Sheridan, die unvergessene „Catwoman“ Eartha Kitt sowie Ex-„Vampira“ Maila Nurmi – um wirklich nur die berühmteren Stars zu nennen. Das ist doch was, oder?! Und wenn man sich jetzt noch vorstellt, dass die meisten von ihnen im Filmverlauf gar schräge Tode sterben, klopft das Cineastenherz doch gleich viel schneller. Richten wir das Filmradar also auf „I woke up early the Day I died“.
Angeblich hat Ed Wood, als schlechtester Regisseur aller Zeiten gerühmt, das Drehbuch geschrieben, konnte es aber selbst nicht mehr verfilmen. Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber mit Blick auf das Ergebnis könnte diese Anekdote durchaus der Wahrheit entsprechen, denn was wir hier haben, ist ein Film, der so herzerweichend trashig ist (und dabei einen Heidenspaß macht!) wie die besten respektive miesesten von Woods Werken. Wie der Filmkenner außerdem weiß, hatten Eds für ungefähr 25 Cents verpflichtete Darsteller oft so ihre Schwierigkeiten damit, auch nur einen einzigen Satz relativ fehlerlos zu sprechen. Was erklären würde, wieso es sich bei „I woke up…“ um einen STUMMFILM handelt!
Die Handlung ist schnell erzählt: Nachdem er eine Krankenschwester außer Gefecht gesetzt und ihre Kluft geklaut hat, flieht Billy Zane als Insasse einer Nervenheilanstalt aus dem Gemäuer der Heilung. Irgendwo treibt er sogar eine blonde Perücke auf, die Verkleidung ist also perfekt, niemand bemerkt etwas, als die androgyne Schwester auf High Heels (ein göttlicher Anblick) flüchtet. Einen kurzen Klamottentausch später ist Billy wieder ganz Kerl und überfällt ein Kreditbüro, was die ersten Leichen nach sich zieht. Schreikomisch übrigens, weil ja ohne Dialog und dermaßen überagiert, dass es schon weh tut. Später verliert unser Antiheld dann aber seine Beute, ausgerechnet auf einem Friedhof. Die nun folgende Suche führt zu allerlei Menschen (siehe obige Besetzungsliste), welche zur falschen Zeit am falschen Ort, namentlich auf einer Beerdigung, waren. Viele von ihnen fallen dem Psychopathen zum Opfer…
All das ist tatsächlich so doof, wie es klingt. Aber wenn Billy Zane schweigend den Psychopathen gibt und sein Talent zum Overacting so richtig ausspielt, möchte man teilweise brüllen vor Lachen. Viel mehr Spaß macht es jedoch, alle Anspielungen und Reminiszenzen zu sichten, zu erkennen und zu würdigen. So lässt sich beispielsweise Tippi Hedren gleich doppelt dazu herab, ihren Ex-Meister Alfred Hitchcock beziehungsweise zwei seiner Filme zu zitieren. Und das, obwohl sie in beiden nicht mitgewirkt hat (wen es interessiert: neben dem verdächtig nach „Psycho“ klingenden Score dieser Sequenz gibt es eine überdeutliche Anspielung auf „Vertigo“)! Schön beispielsweise auch, Maila Nurmi mal wieder auf dem Bildschirm zu haben, Ed Woods „Vampira“, die in seinem Klassiker „Plan 9 aus dem Weltall“ eine wichtige Rolle spielte, sich aber schon damals jeden Text verbat, weil ihr der Auftritt so peinlich war. Und und und. Ein Partyfilm erster Kajüte, über den man gar nicht viel sagen kann – anschauen!
Leider wären wir da bei der schlechten Nachricht angelangt. Da die produzierende Firma kurz nach Abschluss der Dreharbeiten pleite ging (wen wunderts?), ist der Film weltweit praktisch nie erschienen. Es gilt also, das aktuelle Fernsehprogramm zu durchforsten, vielleicht erbarmt sich ja mal ein gnädiger Sender, das schrille Werk irgendwann nachts auszustrahlen. Premiere hatte ihn zumindest schon mehrfach im Programm. Alternativ kann der interessierte Käufer Ebay & Co. durchforsten oder sich auf Trödelmärkten/Filmbörsen durch sämtliche Stände wühlen. Das rührige Label Kinowelt hat nämlich anno dazumal eine VHS des Streifens veröffentlicht – die einzige weltweit! Vielleicht liegt ein Exemplar ja noch irgendwo herum. Und möglicherweise lässt sich Kinowelt ja auch zu einer DVD-Veröffentlichung hinreißen, wenn nur genügend Leute nachfragen?! Meine diesbezügliche Mail ist dem Kundenservice jedenfalls schon zugegangen, weil das Video neulich auf Grund zu häufiger Nutzung den weiteren Dienst versagte…
Bis nächste Woche verbleibt
Tino









