Es gibt Filme, bei denen man nur allein am Titel schon eine Story erkennen kann. Wo man ohne Beschreibung im Vorfeld einfach schon weiß worum es geht. Oder auch Comedy vermutet. “Adam & Steve”, der jetzt in Deutschland im Kino läuft ist zum Beispiel ein solcher Film.
Jeder mit ein bisschen Gehirn denkt bei ‘Adam & Steve’ sofort an ‘Adam & Eve’. Logisch. Die alte Geschichte um die Entstehung der Menschheit und demnach ein Titel der das Thema Homosexualität verspricht. Im Zeitalter der offenen Bekennung zu seiner individuellen Neigung ein vielversprechender Stoff der manch einem Film schon unendlich viele Preise bescherte. Um so schlimmer ist es, wenn man aus einer höchstwahrscheinlich guten Geschichte nur einen Schlag-mich-tot Film kreiert, der von seiner Story her nicht nur komödiantisch genial sondern auch die Welt hätte verändern können. Theoretisch.
1987. Der Gothdresser Adam (Craig Chester) und seine beste Freundin Rhonda (Parker Posey) sind clubbing. Angekommen in einer Schwulendisco merken sie aber schnell den falschen Abend gewählt zu haben. Mit weit und breit keinem anderen Goth in Sicht blicken sie stattdessen auf Neonfarben, Stonewash Jeans, Dauerwellen und Palmenpferdeschwänze. Doch Adams miserabler Abend verwandelt sich schnell in Ekstase als er einen Blick auf die Bühne wirft und den ultraleicht bekleideten Tänzer Steve (Malcolm Gets) sieht. Einen Hüftschwung und nackten Hintern später ist es um ihn geschehen. Er ist sofort verliebt. Aber als Steve mit ihm Tanzen will verweigert er mit “wir tanzen nicht, wir sind schließlich tot’ seine Avancen. Und so bietet ihm Steve stattdessen das Schnupfen von Kokain an. Kurze Zeit später reißen sich die beiden dann in Adams Wohnung lustvoll die Klamotten vom Leib. Doch der Stoff, den Adam sich schon jetzt abhängig in seine Nase schiebt, ist so mit Abführmitteln gestreckt, das Steve beim Nacktposen seine Kontrolle über die Schließmuskel seines Hinterns und Adam beim Zusehen über die seines Mundes verliert. Ein Vorfall, der Steve peinlich aus der Wohnung rennen lässt.
17 Jahre später, in ihren 30-gern, treffen sich die beiden in einem Krankenhaus wieder. Vom Äußerlichen stark verändert kann sich aber keiner der beiden an den anderen erinnern. Und so hilft Psychiater Steve auch dem kreischenden Tierliebhaber Adam beim Verarzten seines Hundes, dem er aus Versehen ein Messer in den Körper rammte. Es ist Liebe auf den ersten (und zweiten) Blick. So entwickelt sich ihre neu gefundene Romanze sogar bis hin zum Eheversprechen. Doch als Steve am Tag der von ihm geplanten Verlobung realisiert wer Adam wirklich ist, rennt er vor der Situation davon. Mit gebrochenem Herzen und Unverständnis lässt er einen verwirrten Adam zurück. Kann Mitbewohner Michael (Chris Kattan) die Wellen glätten? Oder vielleicht seine vormals fette Freundin Rhonda?

Der Film hat sicherlich gute Seiten. Und auch lustige und sogar reale. So ist zum Beispiel die Angst vor Ärger bei offenkundigen Gefühlsgesten sicher ein guter Ansatz. Verbunden mit ständigen Pöbeleien von Nachbarn oder das Ducken vor den Bierflaschen sogar recht nachvollziehbar im Leben eines Homosexuellen. Nett anzusehen ist auch Rhonda, die, jetzt spindeldünn, immer noch nicht ihr Stand-up Material geändert hat und weiter auf der Bühne Witze über Dicke macht. Oder die Szene im Park, bei der ein Tourist mit der Shotgun auf Entenpirsch geht. Doch das sind alles nur Momente, bei denen man schmunzelt. Sicher, als Kind der 70’ger, die in den 80’ger Jahren auch zu Paula Abdul und Erasure tanzte, konnte ich so einige Szenen am Anfang nachvollziehen. Alles in allem reicht mir das aber nicht für einen guten und meinem Geschmack nach zufriedenstellenden Film aus. Ich wusste ehrlich gesagt nie genau was das eigentliche Thema des Filmes ist. Ist es nun ein Liebesfilm, eine Romanze, eine Komödie, eine 80-ger Verarschung mit ihren Konsequenzen, ein Drama etc.. Er wirkt wie ein Produkt von Amateuren, die das Thema verfehlt haben. Da nutzten auch Kattan und Posey nichts.
Ebenfalls immer wieder eine schlechte Idee sollte hierzu auch die Kombination von Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person sein. Aber vielleicht sollte so auch Geld gespart werden, ich weiß es nicht. Da der Film bereits vor zwei Jahren auf den amerikanischen Markt kam, hauptsächlich bei ‘Gay & Lesbian’ Festivals gezeigt wurde und wahrscheinlich noch nicht mal seine Kosten einspielte, wundert mich der jetzige Start in deutschen Kinos. Heißt das, dass selbst die Schwulen- und Lesbengemeinde diesen Film ungenügend fand? Auf der anderen Seite muss ich aber auch ein Lob an Craig Chester und Malcolm Gets aussprechen. Falls beide in Wirklichkeit nicht schwul sind – Hut ab. Die intimen Szenen würden für mich nach einem Award schreien.
Nichtsdestotrotz ist der Film jedoch nicht im geringsten sein Kinokassengeld wert. Egal ob straight oder gay. Es gibt für uns alle wohl ganz andere Projekte denen wir unsere Euros hinterherwerfen könnten. Wie zuvor gesagt, die Geschichte ist ohne jeglichen roten ernst zu nehmenden Faden und der Regisseur mit seinen Ideen zu unprofessionell. Geschicktes Editing hätte man haben sollen. Schade.










