10th September 2010

Filmreview: Das perfekte Verbrechen

Posted by Reviewnator on Juni-4-2007 Add Comments

Das perfekte Verbrechen

Einen Mord zu begehen ohne dafür verhaftet zu werden, das haben schon so einige versucht. Aber einen Mord zu begehen und dann als offensichtlicher Täter trotzdem unschuldig gesprochen zu werden, das haben die wenigsten geschafft.

In Gregory Hoblits neuem Film „Das perfekte Verbrechen“, nach dem Drehbuch von Daniel Pyne und Glenn Gers, geht es um genau dieses Thema. Kann man den perfekten Mord planen? Eine Storyline, die nicht neu ist, aber bei der sich viele Filmemacher schon die Zähne ausgebissen haben. Der perfekte Mord heißt nämlich auch eine perfekte Inszenierung.

Ted Crawford (Anthony Hopkins) ist ein äußerst erfolgreicher Ingenieur. Er hat Geld, ein wunderschönes Anwesen und eine sehr attraktive Ehefrau namens Jennifer (Embeth Davidt). Doch die Idylle trügt. Jennifer, scheinbar kein Anfänger in anonymen außerehelichen Aktivitäten, trifft sich regelmäßig mit ihrem Liebhaber Rob (Billy Burke) in einem Hotel. Als sie eines Nachmittags dabei von Crawford beobachtet wird, konfrontiert er sie zu Hause. Ein kurzes Gespräch, eine ausgerichtete Waffe und ein lauter Schuss sind die Folge. Jennifer fällt blutüberströmt zu Boden. Doch statt zu flüchten, verriegelt sich Crawford in seinem Haus und wartet seelenruhig auf die schon bald eintreffende Polizei und den entsprechenden Ermittler. Rob. Ahnungslos was die wahre Identität seiner Freundin angeht, betritt Rob das Haus von Crawford. Aber als er herausfindet um wen sich der Fall handelt verliert er die Fassung und Crawford wird verhaftet. Kurze Zeit später geht der junge und erfolgreiche Bezirksstaatsanwalt Willy Beachum (Ryan Gosling) für die Anklage mit einem unterschriebenen Geständnis und der Mordwaffe in Gewahrsam vor Gericht. Mit nur noch zwei verbleibenden Wochen bis zu seinem Wechsel in eine höchst angesehene private Anwaltskanzlei scheint dies kein zeitaufwendiger Fall zu sein. Besser noch, Crawford verzichtet sogar auf einen Verteidiger und möchte die Angelegenheit mit Beachum als Staatsanwalt so schnell wie möglich hinter sich bringen. Für den arroganten Beachum, dessen Gedanken schon längst beim neuen Job sind, ein lachhafter Fall. Als sich aber kurz vor Prozessbeginn herausstellt, das die Mordwaffe noch nie benutzt wurde, steht er nicht nur vor einem Rätsel sondern nach und nach auch noch ohne jegliche nutzbare Beweise da. Beachum wird klar, im Gegensatz zu ihm wusste Crawford genau was er tut…

Das perfekte Verbrechen

Um „Ein perfektes Verbrechen“ beschreiben zu können, genügt eigentlich im übertragenen Sinne ein einziges Wort – Schach. Das Spiel der Denker, der Intelligenz, des Risikos und des starken Willens. Jeder Schachzug führt zu einem Gegenzug bis am Ende der Bessere Schachmatt sagt. Bis auf einige Ausnahmen zum Privatleben Beachums ist das auch nahezu perfekt durchgeführt worden. Vom Plot her kann man das sogar auf die Schauspielerpaarung Anthony Hopkins und Ryan Gosling anwenden. Brillante Ikone gegen aufsteigender Nachwuchs. Doch während die eigentliche Hauptstoryline schnell erzählt ist, entpuppen sich die entsprechenden set-ups wesentlich komplizierter. Wie der Filmname (englischer Originaltitel: “Fracture”) ‚Fracture’ oder die Fraktur/der Bruch in diesem Zusammenhang andeutet, geht es eher um den Umgang mit dem juristischen System.

D.A. Beachum, dessen nahezu perfekte Verurteilungsrate ihn zu einem Überflieger mit einem Hang zur arroganten Überlegenheit machte, ist nicht besonders erfreut über den Verlauf vor Gericht. Mit der einzigen Zeugin im Todeskoma, nutzbarem Beweismaterial und dem Vorwurf das Geständnis unter Zwang unterschrieben zu haben, befindet sich Beachum in einem unüberbrückbaren Dilemma. Er muss sich eingestehen nicht nur unvorbereitet sondern auch noch ohne die geforderte Konzentration gearbeitet zu haben. Ein bitterer Ego-Verlust, der zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kommt. Mit seiner Karriere auf dem Spiel, zieht ihn sein Noch-Boss vom Fall ab. Doch Beachum, getrietzt von Crawford selbst und gefangen zwischen Integrität und Ambition, entscheidet sich trotzdem den Fall weiterzuführen. Für ihn gibt es daher nur eines. Die Tatwaffe im Hause Crawfords zu finden. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Rob bietet ihm daher an eine gefälschte Waffe zu benutzen. Aber als Beachum sich schweren Herzens dagegen entscheidet, wird der Fall zwecks fehlender Beweise abgewiesen und Crawford auf freien Fuß gesetzt. Ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Beachum und Crawford begleitet von Verspottung und Hohn bei dem jeder der beiden versucht das letzte Ass aus dem Ärmel zu schütteln hat begonnen.

Auch wenn Hopkins im Film Crawford heißt, wird man das Gefühl nicht los teilweise Lector zu sehen. Wie schon als damalige Kultfigur, so agiert er auch hier manchmal unheimlich charmant, manchmal als knallharter Spieler, ab und zu als eiskalter Soziopath jedoch immer mit einer Leichtigkeit von Intelligenz. Sein Terrain? Ein Netz brillant gestrickt aus Gesetzen und mentaler Power. Er weiß womit er spielt. Hopkins erreicht beim Zuschauer mit minimaler Gestik wofür andere ihren ganzen Körper einsetzen müssen. Gosling, gleichermaßen intelligent als Beachum jedoch offensichtlich überheblicher, denkt den Fall ohne Probleme in der Tasche zu haben. Er mimt den perfekten Gegenpol zu Hopkins mit enormen Einsatz und Feuer in den Augen und beweist in seiner Rolle, warum er als einer der besten Newcomer gehandelt wird. Er ist cool und charakterstark.

Mörderische Durchtriebenheit könnte der Slogan des Filmes sein. Ein hervorragend inszeniertes Werk mit Tiefe und größtenteils ausgefeilten Feinheiten von Drehbuch und Regie, bei dem man nicht auf die Uhr schaut. Eine Zeit, die man also keinesfalls bereut.

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