Mal ganz ehrlich: Was für Probleme hat die deutsche Spitzenpresse eigentlich mit guten Filmen? Andauernd muss man auf Spiegel.de, Fokus.de und Konsorten Artikel lesen die Filme verreißen, nur aufgrund der Tatsache, dass sie eben massentauglich produziert sind und nicht gerade den Gedanken des Independent-Kinos vorantreiben. Scheinbar haben die werten Kollegen noch nicht begriffen, was „Mainstream“ wirklich heißt. „Oceans 13“ reiht sich nahtlos in die beiden oben genannten Kategorien ein: Mainstream und von der Presse verrissen…
Und jetzt kommt da also ein popeliger Blogger an und will die Welt verändern oder was? Das wäre dann doch etwas wagemutig. Aber mit dem Gerücht, „Oceans 13“ sei ein billiger Abklatsch des 2. Teils und dazu noch total humorlos, muss an dieser Stelle aufgeräumt werden. Denn gerade im Gegensatz zum schwächelnden zweiten Teil der Reihe ist der neue Streifen mit nunmehr 13 Protagonisten Entertainment pur.
Diesmal konnte man sogar unser aller Held Al Pacino (der sich auch ab und an filmische Ausrutscher erlaubt) als Bösewicht verpflichten, was ein absoluter Glücksgriff war. Als Willie Banks versucht er den altbekannten Reuben aufs Eis zu führen, indem er ihm anfangs die Beteiligung an seinem neu erbauten Luxus-Hotel verspricht und ihn dann kurzerhand eines Nachts bitter enttäuscht – so sehr, dass Reuben einen Schlaganfall erleidet und Danny Oceans Kumpels um das Leben ihres früheren Auftraggebers bangen müssen. Untätig dabei zuschauen, wie Banks glamourös sein neues Hotel samt Casino eröffnet, will allerdings keiner der Kumpanen. Also denken sich Danny Ocean (George Clooney) und Rusty Ryan (Bratt Pitt) wieder einmal einen gewieften Plan aus: Banks Imperium soll schon vor der eigentlichen Eröffnung fallen.
Wenn Leute nach der Vorstellung von „Oceans 13“ zu mir kommen und mir vorhalten, dieser Teil sei doch nur eine weitere Adaption der ersten beiden, man wüsste doch eh, dass alles am Ende klappt, kann ich nur kopfschüttelnd ausweichen. Sorry Jungs, Filmprinzip leider nicht verstanden. Denn bei den Oceans-Teilen kommt es nicht darauf an, OB der Coup funktioniert, sondern WIE. Wer das nicht erkennt, braucht eigentlich gar nicht erst die Kinokarten kaufen. Andererseits haben mich ein paar Leute darauf angesprochen, dass sich doch die Oceans-Reihe immer so ziehen würde, nie könnte man mal volle Action sehen, alles würde nur so vor sich hin plätschern. Sorry Jungs, Filmprinzip ebenso wenig verstanden. Wer Regisseur Steven Soderbergh und dessen Filme kennt weiß, wie diese zu verstehen sind. Es ist immer diese gewisse Stimmung, diese mitreißende Atmosphäre, die einen Soderbergh Film auszeichnet und interessant macht.

Bei „Oceans 13“ ist das wieder gut zu erkennen: Die fantastische Musik (wer will den Soundtrack nicht haben?!), die zur Schau gestellte Las Vegas Atmosphäre, die extrem cool gezeichneten Charaktere, die Mode – alles verdichtet sich zu einem perfekten Gesamtbild. Das geht sogar soweit, dass man aus dem Oceans-Prinzip ohne weiteres eine TV-Serie formen könnte, die einen absolut durchgängigen roten Faden hätte. Mit Sicherheit würde das funktionieren.
Bei allem Lob gibt es aber natürlich auch die Kehrseite der Medaille. „Oceans 13“ strotzt gerade zu von Hochkarätern, von denen leider nur die wenigsten ihre volle schauspielerische Anziehungskraft entfalten können und dürfen. Hauptdarsteller sind eigentlich nur vier Personen: Clooney, Pitt, Damon und Pacino. Die Nebenrollen kommen kaum zur Geltung, höchstens Andy Garcia erscheint noch aufgrund des Überraschungsauftritts als Terry Benedict erwähnenswert. Eigentlich traurig, bei Namen wie Carl Reiner (Saul), Bernie Mac (Frank) oder eben Elliott Gould als schlaganfallgeschädigtem Reuben. Ein weiterer Fremdkörper stellt dann noch Ellen Barkin als Organisations-Sklavin von Banks mit dem schrecklichen Namen Abigail Sponder dar.
Insgesamt wird „Oceans 13“ allerdings seiner Top-Besetzung gerecht. Ein weiteres Mal hat Steven Soderbergh bewiesen, dass das „Ich raube jetzt Las Vegas aus“-Prinzip noch lange nicht erschöpft ist. Die Umsetzung des Plans ist nämlich, was am Ende im Kopf hängen bleibt. Alle, die auf ein wenig Kino-Coolness am Samstagabend stehen, sollten also „Oceans 13“ keinesfalls verpassen – egal was die deutsche Presse in diesen Tag gegenteiliges von sich lässt.










