7th February 2012

Filmreview: Verführung einer Fremden

Posted by Reviewnator on Juni-13-2007 Add Comments

Verführung einer Fremden

Manchmal geht ein Oscar nicht unbedingt an die beste schauspielerische Leistung sondern eher an das Thema des Filmes. ‘Dorothy Dandridge’, mit Halle Berry in der Hauptrolle, fällt für mich in genau diese Kategorie. Und der Beweis dafür liegt in weiteren Projekten der Schauspielerin.

Halle Berry musste sich als Oscargewinnerin schon einmal für ihre Rolle als Catwoman einen Razzie abholen. Eine Ehrung der schlechtesten Darstellung, die sich wohl in absehbarer Zeit wiederholen muss. Scheinbar reicht es nämlich doch nicht aus einfach nur schön zu sein und Sexappeal zu haben. Talent ist was zählt. Und davon ist bei Miss Berry im Moment nichts zu sehen.

Rowena (Halle Berry) ist eine New Yorker Reporterin immer auf der Suche nach der nächst besten Story. Doch als sie herausfindet, dass aufgrund von Geld und Machtspielen ihr letzter Artikel nicht in der Zeitung erscheinen wird, flippt sie aus und kündigt. Frustriert und wütend begibt sie sich auf ihren Nachhauseweg. Doch an der U-Bahn trifft sie auf ihre alte Freundin Grace (Nicki Aycox), die ihr von ihrer Affäre mit Harrison Hill (Bruce Willis), einem machtvollen Chef einer Werbungsagentur, erzählt. Da das Liebespiel zwischen Grace und Hill nicht wie geplant von statten geht, drohte Grace ihm damit alles seiner reichen Frau zu erzählen und übergibt Rowena einen Stapel an Beweismaterial. Nicht wirklich interessiert doch freundlich nimmt sie die Dokumente mit nach Hause. Doch eine Woche später ist Grace plötzlich tot und Rowena schockiert. Sie wirft einen Blick in die Unterlagen und ist davon überzeugt, das Hill ihre Freundin umgebracht hat. Das einzige was sie nun noch machen muss ist Beweise zu erbringen. Und so ermittelt Rowena mit Hilfe ihres vertrauenswürdigen Freundes und Computer Hackers Miles (Giovanni Ribisi) undercover als Aushilfskraft in Hills Agentur. Kann sie seine Schuld beweisen? Oder ist doch alles anders als man annimmt?

Ich muss schon sagen, mit 41 Jahren hat Halle Berry noch eine Traumfigur, die sich jede Frau auf Erden nur wünschen kann. Doch wenn ich mir vor Augen führen will wie fett ich selber bin, kann ich auch Germanys Next Top Model schauen oder irgendeine Modezeitschrift aufschlagen. In einem Thriller nach dem Motto “Wer war’s” sind enge Kostüme, unbedeutender Flursex und Pornodialog vollkommen nebensächlich. Speziell dann, wenn wie hier in ‘Perfect Stranger’ ein Plot twist den anderen jagt. Und von daher ist der Film eigentlich auch ziemlich gut. Die voranschreitende Geschichte lässt einen mitdenken, nachdenken und ziemlich oft seine Meinung zum Täter wechseln. Vielleicht hätte man aber Halle Berry doch auswechseln sollen. Egal in welcher Szene, sie kommt immer weinerlich rüber. Ihre Wut wirkt gezwungen, ihre lüsterne Seite zu übertrieben und ihre Angst in den Augen vollkommen lächerlich. Die ganze Zeit über hatte ich nicht einmal ein Mitgefühl für sie entwickelt.

Verführung einer Fremden

Giovanni Ribisi aber als IT Spezialist ist gegenüber Berry ein ganz anderes Kaliber. Es besitzt die Fähigkeit in die Rolle hineinzuschlüpfen und sie dem Zuschauer verständlich zu machen. Auch wenn er des Öfteren immer ein wenig verrückt wirkt. Ich nehme an es ist sein Lachen. Nichtsdestotrotz, vergleicht man seine Kunst in früheren Rollen wird einem klar wie gut er ist. ‘Flight of the Phoenix’, ‘Boiler Room’, ‘Friends’. Drei unterschiedliche Charaktere, drei hervorragende Leistungen. Bruce Willis, der sexbesessene und machtgierige Agentur Chef, muss eigentlich nicht viel agieren. Sein Gesicht und seine Statur reichen für die Person des Harrisson Hill vollkommen aus. Würde er nur schauen und nicht reden, hätte er mich schon überzeugt. Willis ist einfach so charakterstark vom Aussehen allein, dass man ihm sowohl Mord und Totschlag als auch Lust und Macht abnimmt. Und das, obwohl der Mann mich sogar in ‘The Kid’ zum lachen brachte.

Doch der Film zeigt uns abgesehen vom Mord auch Seiten über uns auf, die vollkommen real sind. Und das fängt an beim Besuch von Chaträumen unter falscher Identität, über die Macht von heutiger Computersoftware und die damit verbundene Leichtigkeit zum Verfälschen von Tatsachen, bis hin zur einfach nur emotionslosen e-Mail Kommunikation. Ich selbst fand mich dabei wieder. Zwei Laptops, ein Computer, täglich e-Mail statt Telefon. Wie oft habe ich Köpfe aus Fotos ausgeschnitten nur um sie auf witzige Figuren zu setzen. Man kann heute machen was man will. Die Technologie ist überwältigend. Und vielleicht auch beängstigend, wenn man überlegt wie man ihr inzwischen ausgeliefert ist.

Auf jeden Fall ist der Film gut von der Geschichte her. Auch wenn man in den letzten 5 Minuten sagen wird ‘hmmh, das kenne ich doch’ (ich will’s nicht vorausnehmen, sage nur dass Willis damit schon Erfahrung hat). Allerdings, wie gesagt, Halle Berry ist eine Fehlbesetzung. Und dabei will ich es mal belassen.

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