Man kann darüber rätseln, was ursächlich dafür war, dass Tarantino und Rodriguez mit ihrem Grindhouse Double Feature in den USA lediglich 25 Mio. Dollar einspielten, etwa ein Zehntel der Summe, die beispielsweise „300“ in die Kinokassen brachte. Denn filmisch betrachtet, ist die Hommage der beiden Filmfreaks an das Billigkino der Sechziger und Siebziger locker im Stande, den testosterongetränkten Sado-Maso-Schrott in die ewigen Jagdgründe zu schicken.
Nun, man kann durchaus nachvollziehen, dass mehr als drei Stunden Gemetzel am Stück (inklusive fiktiver Trailer) selbst hartgesottene Kinogänger zögern lassen. Daher wurde in den USA gar ein Neustart der beiden Einzelfilme anberaumt. In Deutschland und dem Rest der Welt hat man den Fehler ganz vermieden und beschert uns nun endlich – neben einer längeren Wartezeit auf „Planet Terror“ – den ersten Streifen der Grindhouse-Reihe „Death Proof – Todsicher“.
„Das hatte sicher etwas mit Sex zu tun,“ stellt ein Sheriff irgendwo in Texas fest, der den ungewöhnlichen Unfalltod vier junger Frauen untersucht hat. Und sicherlich ist eine nicht zu leugnende sexuelle Komponente im Spiel, wenn ein Killer, um junge hübsche Frauen zu töten, ein Auto benutzt, das durchaus in der Lage wäre, den ein oder anderen körperlichen Nachteil auszugleichen. Mit durchdrehenden, qualmenden Reifen pflegt sich Stuntman Mike (Kurt Russell), der seine Berufsbezeichnung wie einen Adelstitel vor sich herträgt, seinen zukünftigen Opfern in der schwarzen Dodge Charger zu präsentieren. Da ist einmal die dreiköpfige Gruppe um die Radiomoderatorin Jungle Julia (Syndey Poitier – Tochter des Gleichnamigen), unterwegs zu einer männerfreien Nacht am See, die bei ihrer Sauftour erste und später auch ernste Bekanntschaft mit Stuntman Mike macht. Dann ist da noch ein ähnliches, weitaus hartgesotteneres Quartett um Abernathy (Rosario Dawson), das es Stuntman Mike vierzehn Monate später erheblich schwerer macht…
Soviel zur Handlung, die, ganz im Sinne des Genres, etwas plump ist. Sehenswert – äußerst sehenswert – wird der Film vor allem durch die perfekte Optik, die den Stil der Grindhouse-Kinos bis ins kleinste Detail imitiert. So ist der Film ständig von Streifen und Knistern jeder Art durchzogen, er springt, stottert und verliert plötzlich jede Farbe. Man könnte meinen, der Vorführer nickt immer wieder ein, denn anstatt fließender Übergänge beim Rollenwechsel, kommt es zu harten Schnitten und Brüchen. Und Tarantino übernimmt diesen Stil nicht als Selbstzweck, sondern spielt in entscheidenden Szenen gekonnt damit, so dass der ein oder andere Lacher lediglich auf einem ungünstigen Schnitt beruht (z.B. dass eine Filmrolle just während eines heißen Lapdances endet…)
Außerdem ist der Film mehr als sehenswert, weil Tarantino in das dreckige Grundkonzept seine altbewährten Zutaten mischt. Da wären, neben sagenhaften Autos, die langen, abstrusen Dialoge, oft kopiert und nie erreicht. Weiterhin zitiert Tarantino alles was man nur zitieren kann – und vor Selbstbewusstsein strotzend manchmal auch sich selbst (man achte auf den Aufkleber am Heck des Mustangs und auf Handyklingeltöne). Schon in der Eröffnungssequenz lebt Tarantino aufs Neue seinen Fußfetisch aus – und zieht ihn konsequent durch den ganzen Film, und man ahnt die blutige Entladung, die kommen wird. Auch gibt es im Film eine herrliche (!) Tanzszene, bei der wir Stuntman Mike sehr beneiden dürfen. Die obligatorische Kofferraumszene wurde neuerdings nach vorn in die Motorhaube verlegt. Und – nicht zu vergessen – ist der Film natürlich voll und ganz von der Musik der Siebziger infiziert.

Das vorwiegend weibliche Darstellerensemble verbindet hervorragend die geballte Frauenpower mit einem Hauch von Verletzlichkeit und gibt dem Film einen beinahe feministischen Unterton. Natürlich sind die Gespräche der Damen alles andere als realistisch und sehr überzeichnet, so wie alles in diesem Film. Aber das ist ja gerade Teil des Grindhouse-Konzeptes.
Niemand hätte die Rolle des Stuntman Mike besser verkörpern können als der alte Haudegen Kurt Russell. Mit Schmalzlocke und schnoddrigem Charme verwandelt er sich urplötzlich in den Killer aus Leidenschaft. Der absolute Vorzeigemacho mimt mit seinem verzweifelten Potenzgebaren einen aussichtslosen Gegenpol zum aufmüpfigen Frauengespann.
Wer natürlich mit den langen Gesprächssequenzen, den unzähligen Anspielungen und doppelten Böden nichts anfangen kann, der wird dem Film wenig abgewinnen und wohl kaum bis zu den perfide inszenierten Actionsequenzen durchhalten. Denn anders als beispielsweise beim grobschlächtigen „300“, bei dem wohl auch der ausgeklügeltste Dialog nichts zu retten vermocht hätte, steckt hier die Liebe im Detail – eine Liebe, die einem etwas strafferen Spannungsbogen in die Quere kommt und auch dem Profit an der Kinokasse. Für Tarantino Fans aber und alle, die Gefallen an dessen irrwitzigen Spielereien finden, ist der Film ein einziges Fest, die Spielwiese eines hoffnungslosen Filmfreaks – und Fußfetischisten.










