Seit Monaten warte ich auf das vorbestellte siebte und letzte Buch. Auf die magisch geschriebenen Worte J. K. Rowlings und konsequenterweise das Ende der erfolgreichsten Buchserie aller Zeiten über einen Narbe tragenden und Wand schwingenden Hogwarts Studenten: Harry Potter. Allerdings ist es bis zum ersehnten Amazonversand und dem Schicksal meines Helden noch ein wenig hin. Und so bin ich froh meine steigende Ungeduld mit der neuesten Verfilmung der Serie zu beruhigen – Harry Potter und der Orden des Phönix. Buch Nummer 5.
Ich mache da wirklich keinen Hehl draus und bekenne mich gerne und stolz. Ich bin ein Fan. Und zwar nicht nur von den Büchern selbst sondern auch von J.K. Rowling, da sie zugegebenermaßen einem aufstrebenden Autor mit ihrer persönlichen Buchkarriere unheimlich Mut macht. Von der Sekretärin zur Millionärin. Und da ich alle sechs erschienenen Teile gebannt gelesen habe, erkenne ich auch ihre Weiterentwicklung. Während sich nämlich der Plot des ersten Buches inklusive Wortwahl noch unerfahren, kindlich und einfach las, so entfaltete sich mit jedem darauffolgenden Teil ein Schöpfergeist in Rowling. Wie Harry Potter und Co älter, so wurde auch die Geschichte immer tiefgründiger, die Wörter komplizierter und die Magie dunkler. Man könnte sagen, aus Rotkäppchen wurde der böse Wolf. Dementsprechend wurden natürlich auch die Verfilmungen ihrer, meiner Meinung nach, genial durchdachten Bücher immer düsterer. Und das Rating beweist es – aus PG der ersten drei Teile wurde ab „Feuerkelch “ und jetzt mit „Orden des Phönix“ wegen Gewalt und angsteinflößender Bilder PG 13. Die Frage ist nur, ob der für die Potter-Serie neue Regisseur David Yates zusammen mit dem ebenfalls neuen Drehbuchautor Michael Goldenberg die vorangegangene Filmqualität liefern konnte.
Den ganzen Sommer über wieder in der Mugglewelt bei den Dursleys, hat Harry Potter (Daniel Radcliffe) schon lange nichts mehr von seinen Freunden Hermione Granger (Emma Watson) und Ron Weasley (Rupert Grint) gehört. Ohne auch nur eine einzige Nachricht zu bekommen, sieht sich Harry tagein tagaus vollkommen allein gelassen mit seinen Gedanken um die eingetroffene Rückkehr Lord Voldemorts. Um sein eigenes Schicksal von Leben oder Tod. Und wie schnell letzteres kommen kann merkt er wieder, als er eines Nachmittages, getriezt und gehänselt von seinem Cousin Dudley, von zwei Dementor überrascht wird. Mit gerade noch einem Griff nach seinem Stab kann er zwar den tödlichen Angriff abwehren, wird aber aufgrund dessen Minuten später vom Ministerium der Magie vom weiteren Schulbesuch Hogwarts ausgeschlossen. Besorgt um sein Wohl, wird er daher schnellstmöglichst vom ‚Orden des Phönix’, der auch einmal seine Eltern angehörten, in ein Geheimversteck zu seinen schon wartenden Freunden gebracht. Doch Harry findet sich wütender als je zuvor. Mit Hilfe Professor Dumbledores vom Ministerium freigesprochen, bleibt er nämlich trotzdem in der magischen Welt verpönt und als Lügner was die Rückkehr Voldemorts betrifft betitelt. Selbst einige seiner Mitschüler meiden ihn. Und seit Hogwarts auch noch vom Ministerium kontrolliert und Dumbledore seines Amtes enthoben wurde, bleibt ihm und seinen Freunden wohl nichts weiter übrig als sich selbst zu trainieren. Mit Feinden an jeder Ecke, Voldemorts wachsender Macht und seinem Verlangen nach der vor Jahren ausgesprochenen Prophezeiung müssen sie sich ihm und seinen Anhängern aber plötzlich schneller stellen als gedacht.
Wer in „Der Orden des Phönix“ den kleinen, unbedarften und süßen Jungen mit der runden Brille sucht, wird ihn nicht finden. Denn aus dem staunenden und aufgeregten Harry Potter in Teil 1 wurde über die Zeit ein wütender und zwischen Gut und Böse schwebender pubertierender Teenager in Teil 5. Harrys Lächeln ist einem grimmigen Lippenbeißen gewichen. Und verdenken kann man es ihm nicht. Wem seit seiner Geburt nach dem Leben getrachtet wird, hat nun mal nicht unbedingt viel Sinn für ‚Friede, Freude, Eierkuchen-Zeiten’. Diese düstere Stimmung setzt der Film hervorragend um.

Mein im Schrank stehendes Paperback Buch hat 956 Seiten. Der Film, 138 Minuten. Viel Material – wenig Zeit. Von daher wird jeder Buch-Fan sich auch über die fehlenden und nicht verfilmten, sagen wir mal, 500 Seiten und 20 Sub-plots ärgern. Verständlich. Aber unnötig. Denn der Buchleser kennt die Geschichte ohnehin. Er weiß jede noch so komplizierte Hintergrundinformation um die Order, die Mitglieder, die zukünftigen und zu rekrutierenden Wesen, die Verbindung zwischen Harry und Voldemort usw. Er hat definitiv schon Teil 6 gelesen, weiß was passiert und sollte sich lediglich über eine Visualisierung zu den Wörtern freuen. Der „Nicht-Buchleser“ auf der anderen Seite und demnach auch kein fanatischer Fan, wird Teil 5 genauso sehen wie Teil 1 bis 4. Leider. Denn was er annimmt sei eine drollige englische Disney-ähnliche Produktion, ist in Wirklichkeit eine inzwischen mehr oder weniger düstere Drama Verfilmung geworden. So sind die kindlichen Spielereien mit dem Zauberstock lange vorbei und der Kern der Story dunkel, schwer und vorbereitend auf den nicht unumgehbaren Kampf des Überlebens. Trotz der aus Zeitgründen fehlenden tiefgreifenden Hintergrundinformationen findet der Film aber den geforderten Rhythmus. Die Story. Große Erklärungen zu Handlungen und Personen sind dabei nicht notwendig.
Gruseligen Charme und stählerne Entschlossenheit bringt in diesem Zusammenhang Professor Dolores Umbridge mit sich, gespielt von einer brillanten Imelda Staunton. Als neues immer in pink gekleidetes Oberhaupt Hogwarts foltert und quält sie ihre gehassten Studenten mit neuen Regeln und unfassbaren Strafen. Erstaunlich, dass ich einmal dachte Snape (Alan Rickman) ist grausam. Ebenfalls zum ersten Mal vorgestellt wird im Film auch Sirius Blacks Cousine Bellatrix Lestrange, dargestellt von Helena Bonham Carter. Eine perfekte Wahl muss ich sagen für eine manisch verrückte Hexe von außergewöhnlich grausamem Potential. Niemand hätte diese Rolle besser spielen können. Und auch wenn sie nicht viel Zeit auf der Leinwand verbrachte, so weiß ich zumindest, dass sie in den letzten 2 Filmen mehr als genug Screen Time haben wird. Doch das Juwel unter den Schauspielern ist wie immer Ralph Fiennes als Voldemort. Keine Kombination von Buchstaben kann seine Leistung besser beschreiben als ein Blick auf seine kostümierte Person.
Die Jungstars und im Moment Junket-tourenden Hauptpersonen der Reihe, Radcliffe, Watson und Grint, haben sich ziemlich entwickelt. Sie wurden älter, attraktiver, selbstsicherer. Vor allem Radcliffe, der ja vor nicht allzu kurzer Zeit sein nacktes Debüt am West End feierte. Trotzdem war es die blonde Evanna Lynch als seltsame Luna Lovegood, welche es mir persönlich angetan hat. All die Promo um den bevorstehenden Kuss zwischen Cho Chang und Harry, war demnach nichts weiter als heiße Luft.
„Harry Potter und der Orden des Phönix“ ist düster und magisch, wobei sich die Studenten durch das emotionale Gewirr von Liebe, Verrat, Unabhängigkeit und Erwachsenwerden schlagen müssen. Unter der Regie von David Yates, hat der Film (nach Vorlage des Buches) ein hervorragendes Stück Geschichte geschrieben und wird (hat) Millionen von Dollar einspielen. Für jeden Fan ist der Kinobesuch ein Muss, alle anderen sollten ihn schon wegen der Special Effects ansehen. Denn die sind Meisterklasse und bieten einen gigantischen Kampf duellierenden Super-Magier.










