22nd May 2012

Filmreview: Next

Posted by Reviewnator on Juli-10-2007 Add Comments

Next

Um einen Film besonders erfolgreich werden zu lassen, versuchen Drehbuch-autoren und Regisseure schon so einiges an Überraschungsmaterial einzu-bauen. Sei es hochinteressante Twists, atemberaubende Action oder genialer Trick. Der Wow-Effekt ist wonach jeder strebt. Man kann aber auch übertreiben.

Cris Johnson (Nicholas Cage), ein Magier in einem kleinen unbedeutenden Las Vegas Showact, steht tagein tagaus nur vor einer Handvoll von Leuten auf der Bühne. Doch während Johnson sein Publikum mit kleinen Tricks amüsiert, ahnt niemand um ihn herum von seiner Gabe zwei Minuten in die Zukunft sehen zu können. Niemand, bis auf Agentin Callie Ferris (Julianne Moore) vom FBI, die ihn schon seit einiger Zeit beobachtet und dringend seine Hilfe benötigt.

Johnson aber, weniger bemüht um die Zerschlagung eines Terroranschlages auf Los Angeles, sehnt sich eher nach seiner Traumfrau Elizabeth, welche er in einer seiner Visionen sah. Und als er sie kurze Zeit später endlich trifft, macht er sich zusammen mit ihr auf zu einem Road Trip. Verfolgt sowohl von Terroristen als auch vom FBI, ist ihre neugefundene traute Zweisamkeit allerdings nicht von Dauer. Und so sieht sich Johnson irgendwann gezwungen kleinbeizugeben und sein Bestes zu versuchen, die 8 Millionen Einwohner vor dem nuklearen Tod zu bewahren.

Und das war die Kurzsynopsis der 96 Minuten, welche auf einer feinen Linie zwischen super intelligent und vollkommen dumm entlangträllert. Denn das Problem des eigentlich sehr guten Filmes nach der Idee von Philip K. Dick kommt erst dann auf, wenn man nachdenkt und versucht die Hintergründe zu verstehen. Sozusagen, statt sich belanglos berieseln zu lassen, wieso-weshalb-warum spielt. So besteht „Next“ aus zu vielen Ungereimtheiten, die einfach nie aufgeklärt werden. Weder bildlich noch verbal. Zum Beispiel, wieso diese Terroristen – bestehend aus Franzosen und Deutschen (?) – Los Angeles angreifen wollen. Wo sie die Bombe herhaben. Wieso die Supermacht USA auf einen 2-Minuten-Hellseher zurückgreifen muss, um LA zu retten. Wieso Jessica Biel und Nicholas Cage. Die Liste ist hier ziemlich lang. Massenweise Explosionen, Schüsse, sci-fi Geräte und sich bewegende Objekte helfen dabei auch nicht. Ich nehme an, das Team beim Schneiden hat kläglich versagt. In der Küche heißt es – zu viele Köche verderben den Brei. In Hollywood – zu viele Takes verderben den Film. Wer sich „Next“ ansieht, wird wissen was ich meine.

Jessica Biel in Next

Und ansehen sollte man ihn sich. Denn „Next“ ist nichtsdestotrotz kinotauglich und lohnt sich. Warum? Weil der Film trotz dieser vielen Schwächen auch enorme Stärken aufweist. Entertainment zeigt. So ist der größte Vorteil, dass er nie langweilig ist. Viele dieser vorausschauenden Visionen gleichen sogar einem Formel 1 Rennen. Da ist Aufpassen angesagt. Andere Szenen sind witzig, durchdacht und erstaunlicherweise richtig cool. Speziell im Casino und auf Verfolgungsjagden. Und der einzige, der daran maßgeblichen Anteil hat ist Nicholas Cage.

Und Nicholas Cage scheint im Moment ein vielbeschäftigter Mann zu sein. Fünf Filme bringt er dieses Jahr auf den Markt. „Next“ ist Nummer 3. Warum er so gefragt ist weiß ich nicht. Denn er spielt immer den gleichen Typen: groß, schlaksig, langsam sprechend, verträumt, seltsam, angestrengt. Er könnte Jeff Goldblums Bruder sein. Doch auch wenn das für diese Rolle hier nicht unbedingt störend ist, so ist er trotzdem, als Lover von Jessica Biel mit einer fragwürdigen Haarpracht, unpassend. Die Kombination der beiden stimmt nicht. Man nimmt ihnen ihre Liebesgeschichte einfach nicht ab. Wie Biel ihn im Film fragt, so sieht man die beiden: als Soziopath der eine junge Frau stalked. Sorry Nic. Julianne Moore wiederum, scheint vom Regisseur nicht die besten Anweisungen bekommen zu haben. Gut, sie sollte wohl hart und durchgreifend auftreten, aber ob rasend schnell im Drehbuch stand wage ich zu bezweifeln. Man hat das Gefühl, Moore konnte nicht schnell genug aus dem Kameralicht verschwinden. Herzblut scheint sie dabei in ihre Rolle nicht gelegt zu haben. Und Herzblut scheint auch niemand den Terroristen gewidmet zu haben. Abgesehen von der Frage, wer sie überhaupt sind, wird ihnen auch keine Gelegenheit für Persönlichkeit gegeben. Cage finden und erschießen ist ihre Aufgabe. Thomas Kretschmann, der inzwischen gut in Hollywood zu tun hat, hätte sich seine Rolle wohl auch anders gewünscht. So wird das nämlich nichts mit dem Oscar. Und wer denkt, dass Miss Biel sich auch dieses Mal die Kleider vom Leib reißt, der liegt falsch.

Alles in allem aber ist der Film gute Unterhaltung. Er wird nicht auf der Liste der Preisverleihungen zu finden sein, aber er wird für einen guten Abend im Kino sorgen. Trotzdem finde ich es schade, das man versucht hat aus diesen Film mehr zu machen als nötig. Die Idee Dicks, hätte mit einem besseren Drehbuch, einer besseren Regie und vor allem besserem Schneiden zu einem der erfolgreichsten Blockbuster führen können. Tja, Chance verpasst.

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