5th February 2012

Filmreview: Stirb Langsam 4 Punkt 0

Posted by Reviewnator on Juli-4-2007 Add Comments

Stirb Langsam 4

Die Reinkarnationswut Hollywoods kennt kein Ende: Nach Sharon Stone (Basic Instinct 2), Harrison Ford (Firewall) und kürzlich Sylvester Stalone (Rocky Balboa) kehrt also mit Bruce Willis das Idol des Actionkinos auf die Leinwand zurück. 12 Jahre nach Stirb Langsam 3 wird also wieder geballert, was das Zeug hält – auch bekannter weise verbal. Leider geht das bei „Stirb Langsam 4.0“ größtenteils schief.

Als damals „Stirb langsam“ veröffentlicht wurde, waren sich Kritiker, Fans und Actionliebhaber schnell einig: Regisseur John McTiernan hatte den besten Actionfilm aller Zeiten erschaffen. Der Streifen glänzte aber nicht nur bei den Special Effects, auch die Story war durchdacht und die Darbietung der Schauspieler charmant. Was uns 2007 in „Stirb Langsam 4.0“ geboten wird, ist allerdings größtenteils genau das Gegenteil. Natürlich münzte Len Wiseman (Underworld-Filme) eine alte Cop-Story auf die modernen und ehrgeizigen Ansprüche des neuen Jahrtausends um, gerade was die CGI-Effekte angeht. Doch verdrängen diese die Story zuweilen komplett und selbst Bruce Willis als John McClane wirkt stellenweise blasser, als erwartet.

Wieder einmal ist John McClane zur falschen Zeit am falschen Ort. Mitten in der Nacht, nachdem er eine Auseinandersetzung mit seiner Tochter hat, wird er von seinem Vorgesetzen gebeten, einen Hacker aus dessen Wohnung und ins Revier zu bringen. Dummerweise ist Matt Farrell (Justin Long) kein gewöhnlicher Computer-Geek, sondern ein begehrtes Objekt des Mega-Schurken     Thomas Gabriel (Timothy Olyphant). Dieser will Farrell unbedingt tot sehen und schickt in besagter Nacht ein ganzes Killerteam auf den Hals des Programmierers. McClain wird unfreiwillig in den Zwist hinein gezogen, rettet Farrell und kommt somit ebenfalls auf die Todesliste Gabriels, der alleine mit seinen PC-Kenntnissen  ausgestattet komplett Amerika innerhalb von Stunden in die Steinzeit zurück versetzen will. Sozusagen den Reset-Knopf eines Landes drücken.

Stirb Langsam 4

Storytechnisch also nichts neues. Natürlich passt die Cyber-Aufmachung zur heutigen Zeit des virtuellen und realen Terrorismus, das Basiskonzept hätte aber wahrscheinlich auch ein einigermaßen gebildeter „Half Life“-Spieler schreiben können. Nun kommt es allgemein bei den „Stirb Langsam“-Filmen nicht hauptsächlich auf eine ausgeklügelte Storyline an, das gebe ich zu. Die Reihe lebt vor allem von einem Faktor, namens Bruce Willis. Wie er hasserfüllt und dennoch absolut cool um steinerne Hausecken schielt, wie er, die Explosion schon in den Pupillen sichtend, sich hinter Kühlschränke, Tische und Autos hechtet. Das ist „Stirb Langsam“ wie es leibt und lebt. Und ja, das hat dieses Mal auch wieder hervorragend funktioniert. Sei es die aberwitzige Actionszene, in der Willis ein Auto als Munition benutzt, um einen Helikopter vom Himmel zu holen oder der – zugegeben ziemlich unrealistische aber genial gemachte – Kampf zwischen Kampf-Jet und McClane.

Willis-typische Sprüche fehlen ebenso wenig, obwohl sie kritisierbar sind. Denn früher waren McClanes Sprüche härter, passender und vor allem charmanter. Im neuen Teil sind sie weichgespült, abgenutzt und berechenbar. Fast so berechenbar wie die Entführung McClanes Tochter . Nun muss man allerdings Regisseur Wiseman zugute halten, dass es keine leichte Aufgabe war, das ursprünglich Ende der Achtziger erfundene „Stirb Langsam“-Konzept auf die heutige Zeit zu konvertieren. Ähnlich wie bei einer Dateikonvertierung – um ein wenig in der PC-Sprache zu bleiben – ist eine 1 zu 1 Kopie nicht möglich, da bei dem Datentransfer immer einige Bits verloren gehen. Diese Bits, bezogen auf „Stirb Langsam 4.0“, sind neben bereits genanntem Charme auch das fehlende Gleichgewicht zwischen Gut und Böse. So wirkt Willis permanent wie ein Überheld und Bösewicht Thomas Gabriel versprüht weniger Scharm als eine verfaulte Zitrone. Ich erinnere an dieser Stelle gerne an den ersten Teil, in dem Alan Rickman den unfassbaren Hans Gruber spielte. Hier war einfach alles im Lot.

„Stirb Langsam 4.0“ hält leider bei weitem nicht, was er verspricht. Ob Willis gezwungen war, ein Sequel zu drehen um die miserable Filmbilanz 2007 doch noch ins Positive umzukehren, bleibt reine Spekulation. Ein richtig engagiertes Projekt, welches nicht den alleinigen Fokus auf Kommerz legt, sieht jedoch anders aus. Am Ende lohnt es sich doch mehr, die alten Streifen aus dem DVD-Regal zu kramen, als für den Blockbuster ein Vermögen im Kino zu bezahlen – auch wenn der Reiz bei so einem Titel enorm ist.

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