Nun endlich also doch, besser spät als nie und auf mehrmaligen Wunsch: Die Kritik zu Zodiac. Passend also zum DVD-Start, zumal der Film mit seinen 158 Minuten ein enorm ausgeprägtes Sitzfleisch erfordert, das man sicher im trauten Heim besser aufzubringen vermag als im Kino.
Schon immer ging von fiktiven und realen Serienmördern eine morbide Anziehungskraft aus. Und nicht selten fand der Stoff in den unterschiedlichsten Ausprägungen Eingang in das filmische Schaffen. Angefangen bei Jack the Ripper, an dem man sich unzählige Male versuchte, Hannibal Lecter, bis hin zu dem sich jüngst durch deutsche Kinos mordenden Jean-Baptiste Grenouille, erfuhren diese Gestalten trotz ihrer Grausamkeit eine kaum erklärbare Faszination.
Die Geschichte des Zodiac-Killers, der in den USA 1968/69 scheinbar wahllos fünf Menschen tötete und dessen wahre Identität bis heute ungeklärt ist, hielt sowohl Ermittler als auch Filmemacher bis in die Neunziger in Atem. David Fincher, der bereits mit „Sieben “ einen Film über einen Serienkiller drehte, griff die Geschichte des amerikanischen Albtraumes nach eigener monatelanger Recherche auf und stützte sich auf die beiden Zodiac-Bücher des Karikaturisten Robert Graysmith (Jake Gyllenhaal). Anders als bei „Sieben“, steht bei „Zodiac“ aber nicht die Besessenheit des Killers und dessen unmittelbare, reißerische Verfolgung im Mittelpunkt, sondern fokussiert sich der Film sehr detailgetreu auf die Arbeit der beteiligten Ermittler und darauf, wie der Fall sie immer mehr in seinen Bann zieht.

Ein Killer, der sich selbst Zodiac nennt, treibt im Umfeld San Franciscos sein Unwesen und schickt regelmäßig handgeschriebene, manchmal mit Codes verschlüsselte Briefe an den San Francisco Chronicle. Neben Dave Toschi (Mark Ruffalo) und Bill Armstrong (Anthony Edwards) von der Polizei stellen deshalb auch Journalist Paul Avery (Robert Downey Jr.) und besagter Graysmith ihre Recherchen an. Schnell wird klar, dass der Killer ein Spiel mit allen Beteiligten spielt, und sich einen Spaß daraus macht, die Ermittler immer wieder im Dunkeln tappen zu lassen. Nicht nur die Leben seiner Opfer zerstört dieser Killer, sondern nach und nach auch das Leben der Ermittler.
Man dürfte wohl nicht zuviel verraten, wenn man sagt, dass der Killer nie gefasst wurde. Natürlich ist dieses Wissen ein wenig ernüchternd, wenn man einen spannenden Serien-Killer a la „Sieben“ erwartet. Dem Film entzieht sich so ein nicht zu unterschätzendes Spannungsmoment. Denn was gibt es Spannenderes als die Frage, wer denn nun der Mörder ist. Aber immerhin, soviel sei gesagt, lässt uns der Film nicht ganz im Dunkeln, scheitert doch die Ergreifung und Überführung lediglich an den damals wohl extrem langsam mahlenden Mühlen der Strafverfolgung.
Und dieses extrem frustrierende Gefühl der Machtlosigkeit, in dem sich sämtliche Protagonisten mit den dazugehörigen Bewältigungsstrategien gefangen sehen, teilt man als Zuschauer. Immer wieder glaubt man sich kurz vor dem Ziel angelangt, da fehlt ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss, oder da passt eine Handschrift nicht exakt zur anderen oder hat einfach eine dörfliche Polizeistation wichtige Informationen nicht weitergegeben.
Man kann die Cops gut verstehen, als sie geknickt aus einer Vorstellung von Dirty Harry kommen (der Killer Scorpio ist übrigens dem Zodiac-Killer nachempfunden), die ihnen bitter gezeigt hat, wie sehr sich Polizeiarbeit im Film und in der Realität unterscheiden. Denn Dirty Harry schießt den Killer am Ende einfach über den Haufen.
Auch gibt es nicht die vielleicht von Fincher zu erwartenden Spielereien mit Kamera und Effekten. Nein, Fincher nimmt sich dieses Mal sehr zurück, weil ihm die Geschichte genügt und geht bei seiner Inszenierung beinahe so perfide vor, wie der Serienkiller selbst. Dabei gelingt Fincher ein vielschichtiges und atmosphärisch dichtes Zeit- und Gesellschaftsporträt. Und in manchen Momenten, vor allem dann, wenn die Ermittler dem Killer plötzlich und unerwartet ganz nah sind, gestaltet sich die nüchterne Mörderjagd äußerst spannend. Auch zieht der Film seine Spannung daraus, dass die Ermittler sich stets in Sicherheit wähnen, eine tatsächliche Bedrohung für alle Beteiligten jedoch jederzeit gegeben ist.
Komplex und teilweise verworren – ganz so wie die Realität – ist Finchers Verfilmung, so dass man teilweise den Wendungen und Zusammenhängen nicht mehr ganz folgen kann. Auf die extreme Länge des Films gesehen, wird das recht anstrengend. Nimmt man sich aber die Zeit und bringt das nötige Sitzfleisch mit, so lässt der Film eine sehr realistische Sicht auf eine der brisantesten und faszinierendsten Mörderjagden der amerikanischen Geschichte zu.










