19th May 2012

Tinos Filmradar #7 – „Les petites couleurs“

Posted by Tino Socaly on Juli-5-2007 Add Comments

Tinos Filmradar #7: Les petites couleurs
Erneut heiße ich Euch, liebe Leser, willkommen. Nachdem in den letzten Wochen eher schwere Kost auf dem Programm stand, wenden wir uns heute etwas Leichterem zu, denn sogar die Franzosen sind in der Lage, lockere Filme zu drehen – wie „Les petites couleurs“ eindrucksvoll beweist.

Okay, es scheint zunächst mal nicht so, wenn man sich dem Werk inhaltlich widmet. Genau genommen könnte man eher den Eindruck gewinnen, eine Feministin wollte sich ihre zwölf gescheiterten Ehen von der Seele drehen, vorzugsweise in Form einer gnadenlosen Abrechnung mit dem bösen Mannsvolk. Wir lernen nämlich Christelle kennen, eine junge Frau, die von ihrem Gatten wie Dreck am Schuh behandelt wird. Doch irgendwann hat das zarte Persönchen die miese Behandlung endgültig satt, schlägt – im wortwörtlichen Sinne – zurück und macht sich auf den Weg ins Nirgendwo. Einfach so. Ein Motel am Straßenrand erweckt Christelles Aufmerksamkeit, ergo checkt sie flugs ein und trifft auf Mona, die Besitzerin, ein Vollweib vor dem Herrn. Aber auch eine herzensgute Seele und Fan der kitschigen Soap Opera „Die Liebesranch“. Schnell freunden sich die beiden Damen an, Christelle möbelt die Herberge auf, findet (natürlich) neuen Lebensmut – und vielleicht sogar die große Liebe?

Noch mal zur Klarstellung: Man(n) muss weder eine beinharte Emanzen-Studie noch ein weinerliches Sozialdrama oder einen verkitschten Taschentuch-Heuler erwarten, denn Regisseurin Patricia Plattner umschifft jegliche Larmoyanz so souverän wie weiträumig. Andererseits wäre es allerdings ebenfalls verfehlt, sich auf Schenkelklopfer und typisch teutonischen Humor einzustellen, denn gemäß des Titels (übersetzt: „Die kleinen Farben“) bleibt Plattner tatsächlich immer einige Stufen unter dem vielleicht Möglichen, eben zurückhaltend und klein. Was sehr wohltuend wirkt! Ihre Komik ist charmant und herzlich, dabei genau beobachtend. Absolut brillant beispielsweise die Szene, in der Christelle Besuch von Lucien, einem tapsigen Verehrer, bekommt. Mangels greifbarer Kleidung wickelt sich das Mädel von Kopf bis Fuß in eine Tagesdecke – und er fühlt sich berufen, ein Kompliment zu machen: „Echt hübsch, das Kleid“…

Plattner macht sich die schiere Märchenhaftigkeit (natürlich ist das Ganze insgesamt schon ziemlich rosarot gefärbt) ihres Sujets auch stets zu Nutze, um sie auf ironische Spitzen zu treiben, beispielsweise durch eingestreute „Die Liebesranch“-Sequenzen. Dann regiert feiner Spott, relativiert Plattner ihre eigene Geschichte und macht klar, dass der übliche Kitsch bei ihr keine Chance hat. Herrliche Dialogzeilen tragen das Übrige dazu bei – Kostprobe gefällig? Okay: „Ich frage mich, wann sie ihren Typen wiedersieht?! In der letzten Folge konnte man erleben, wie er sich in die Häuptlingstochter verliebt hat – wenn ich dieses arme Mädchen sehe, erscheinen mir meine Probleme vollkommen unwichtig!“

In der deutlichen Abkehr von sämtlichen bekannten Schnulzen-Klischees musste „Les petites couleurs“ in seiner hoffnungslos unspektakulären Erzählweise geradezu zwangsweise im Kino scheitern, obwohl sich der geneigte Freund zwischenmenschlicher Erzählungen eigentlich kein schöneres Geschenk wünschen kann. Zum Glück gibt es die Möglichkeit, das Versäumte auf DVD nachzuholen, wofür in diesem Fall „GOOD! Movies“ die Verantwortung trägt. So weit die gute Nachricht. Und jetzt die schlechte: Leider gilt es, sich mit einer technisch nicht gerade umwerfenden Scheibe zufrieden zu geben. Weder Bild (1.85:1 anamorph) noch Ton (Deutsch und Französisch jeweils in Dolby Digital 2.0) können wirklich überzeugen, hinzu kommt eine ebenfalls nur durchschnittliche Synchronisation. Zu allem Überfluss bietet die DVD keinerlei Extras. Sehr, sehr schade. Diese bestenfalls halbherzige Präsentation ist dem überaus gelungenen Film in keiner Weise angemessen…

Dennoch viel Spaß wünscht

Tino

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