19th May 2012

Tinos Filmradar # 8 – “Liebe mit Risiko”

Posted by Tino Socaly on Juli-19-2007 Add Comments

Tinos Filmradar #8: Liebe mit Risiko
Ich schreibe diese Kolumne an einem Montag bei 36 Grad Celsius. Im Schatten. Jede Bewegung wird mit urplötzlichen Schweißausbrüchen bestraft, mein Verlangen, mir sämtliche Klamotten vom Körper zu reißen, ist übermächtig, aber wohl nicht im Sinne meiner Umwelt. Das Hirn kocht im eigenen Saft – und produziert seltsame Ideen. Wie diese hier.

„Tinos Filmradar“ sollte ursprünglich dazu dienen, auf wenig bekannte Perlen der Filmgeschichte aufmerksam zu machen. Nun bin ich kein Biologe, aber laut landläufiger Meinung entsteht eine natürliche Perle bekanntermaßen dann, wenn ein Fremdkörper eine Auster penetriert. Die verletzte Molluske bildet Perlmutt, umhüllt den Eindringling damit und schützt sich so selbst. Tolle Geschichte. Sie besagt letztlich aber: Tief in ihrem Inneren sind Perlen nichts anderes als… unliebsamer Dreck, Störfaktoren. Was mir wiederum die Berechtigung gibt, heute einen der schlechtesten Filme aller Zeiten anzupreisen. Ein Machwerk, so übel, dass man es tatsächlich mindestens einmal mit eigenen Augen gesehen haben sollte. Unbeschreiblicher Müll. In der IMDB mit momentan 2,3 von 10 Punkten noch viel zu hoch bewertet. Also gut…

„Liebe mit Risiko“ war wohl auch im wahren Leben angesagt, als Jennifer Lopez und Ben Affleck ihre Verpartnerung besiegelten. Aber das soll mich hier nicht interessieren. Fakt ist jedoch: Die Idee, gemeinsam diesen Film zu drehen, war keine durchdachte. Vielleicht nimmt man Affleck ja noch den Kleingangster ab, mit viel Willen und Nachsicht. Aber unsere Jenny from the Block als knallharte Lesbe? Ohne hier Klischees bedienen zu wollen: nö. Womit die grundsätzliche Ausgangsposition schon mal keine überzeugende wäre.

Jedenfalls geht die Mär dann so: Ganove Gigli (Affleck) soll zwecks Erpressung den geistig behinderten Bruder des Bezirksstaatsanwaltes entführen, was auch gelingt. Doch wenig später steht Ricki (Lopez) vor der Tür, macht einen auf total heißer Feger und will mal telefonieren. Bei Gigli fließt das Blut natürlich sofort aus dem Kopf in Regionen drei Etagen tiefer, und weil die Dame zudem verspricht, nichts als „einen Hauch ihres Duftes“ zu hinterlassen, darf sie eintreten. Oh Gipfel der Drehbucheinfalt! Kaum im Zimmer, ist der Anruf vergessen, unsere sexy Schnalle räkelt sich viel lieber ein paar Runden auf dem Sofa rum. Gigli explodiert schier der Unterleib, aber dann spricht das Mädel Klartext: Lesbisch, nur zur Unterstützung hier, Blümchen-rühr-mich-nicht-an. Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Ganove aber bereits unsterblich verliebt, was später zu Monologen wie dem folgenden führt:

„You know something? You’re right. It is sadness. It’s sadness and I’m fucking sad. You got me. You’re a genius. You know why I’m fucking sad? Because I got this fucking beautiful-sexy-gorgeous-hearthrob-o-rama-fucking-smart-amazing-bombshell-seventeen-on a fucking ten scale-girl sleeping in a bed right next to me and you know what? She’s a stone cold dike. A fucking untouchable, unhaveable, unattainable brick wall fucking dike-a-saurus rexi. So it’s sad. Okay? What you want me to do? I feel fucking sadness about that. There’s nothing I can fucking do.”

Aber auch Miss Lopez darf Schwachsinn ohne Ende labern – geradezu legendär ihr auf einer Matte turnend vorgetragener Exkurs über das verwandtschaftliche Verhältnis von Mund und Vagina, welcher letztlich, so ich mich recht entsinne, in der bahnbrechenden Erkenntnis mündet: Wenn wir einen Mund küssen, möchten wir eigentlich die Vagina knutschen. Revolutionär! Beeindruckend auch, wie sich Lopez müht, schwierige Worte wie „Sozialkompetenz“ einigermaßen überzeugend an den Zuschauer zu bringen – und dabei eigentlich bloß albern wirkt.Eine echte Handlung hat der Schrott (wen wundert es?) kaum. Gigli und Ricki streiten, labern, lieben, nebenher gerät man dann in Lebensgefahr, aber so richtig interessiert das keinen. Christopher Walken taucht noch auf, Al Pacino ebenfalls, ein paar Leute sterben, ungefähr 7392 „Fuck“ werden in die Botanik gerotzt – und immer wieder penetrieren diese unglaublich dummen Dialoge des armen Zuschauers Ohren. Sehr schön beispielsweise:

(Gigli und eine Nebendarstellerin treffen an der Tür aufeinander)
G: Yeah?
N: Who the fuck are you?
G: Who the fuck are you?
(Frau geht ins Zimmer)
G: Excuse me.
N: What a shithole.
G: Lady, I think you’re in the wrong place.
N: No, you’re in the wrong place! You have no idea.
(Nebendarstellerin sieht anderen Mann im Zimmer)
N: Oh, and who the fuck are you?
M: You’re the fuck are you.
N: What?
M: Huh?

Aber das ist ja alles noch nichts im Vergleich mit meinem persönlichen Favoriten, dem Ausbund an Schwachsinn, der vielleicht ärgerlichsten je verfassten Drehbuchzeile. Gigli versucht, Ricki davon zu überzeugen, doch ganz spontan heterosexuell zu werden (!) und es mit ihm zu versuchen:

G: As far as the whole lesbian thing goes.
R: Yeah?
G: If you do ever think about hoppin’ the fence, promise you’ll give me a call first.

Tja, ihr lieben lesbischen Schäfchen aller Welt, dann springt mal über den Zaun und stellt sicher, dass ihr danach sofort zum Hörer greift und das schmierige Macho-Wrack von nebenan darob in Kenntnis setzt! Ohne Worte…

Da kann man tatsächlich nicht viel sagen. Ich bin im Grunde kein Fan der jährlichen Razzie-Verleihung, weil die Goldenen Himbeeren in den seltensten Fällen wirklich objektiv verliehen werden, meist einfach nur zum Star-Bashen dienen. Aber der auf „Liebe mit Risiko“ niedergeprasselte Regen findet meine komplette Zustimmung. Wir hätten Trophäen für…

- Schlechtester Film
- Schlechteste Regie
- Schlechtestes Drehbuch
- Schlechtester Darsteller
- Schlechteste Darstellerin
- Schlechtestes Leinwandpaar

Zusätzlich gab es einen speziellen Preis als „Schlechteste Komödie der letzten 25 Jahre“, zudem wurden Christopher Walken, Al Pacino sowie Lainie Kazan jeweils als „Schlechteste/r Nebendarsteller/in“ nominiert. Recht so!

Da hilft es wenig, dass man an der deutschen DVD, welche von Columbia kommt, technisch praktisch nichts bemängeln kann. Bild (2.40:1 anamorph) und Ton (Deutsch/Englisch/Französisch jeweils in Dolby Digital 5.1) sind sicher nicht rundum perfekt, geben aber auch keinen Anlass zu echter Kritik. Als Extra hat es lediglich der Trailer auf die Scheibe geschafft – na ja, mehr Informationen zum Film will vermutlich sowieso kein Mensch haben… Trotzdem, wie eingangs erwähnt: Man muss und sollte ihn wenigstens ein einziges Mal sehen, um überhaupt glauben zu können, was für miese Zelluloidverschwendungen für Abermillionen Dollar gedreht werden und es dann tatsächlich ins Kino schaffen.

Viel Spaß (?) dabei wünscht wie immer

Tino

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