7th February 2012

Filmreview: Beim ersten Mal

Posted by Reviewnator on August-22-2007 Add Comments

beim ersten Mal

Judd Apatow sagte einst „My way of dealing with the world has always been to make fun of it and observe it but not take part in it.“ Ein Spruch, den man mit ‚Humor ist die beste Medizin’ gleichsetzen kann. Und wie hervorragend er dieses Lebensmotto umsetzt, wird einem mit seinem neuesten Film „Beim ersten Mal“ (englischer Originaltitel: „Knocked Up“) deutlich.

Judd Apatow ist mein neuer Held. Zumindest was das Comedy Genre anbelangt. Er kam, sah und siegte. Und das nicht nur, weil er mich ganze 129 Minuten zum Lachen brachte, sondern weil er eine eigentlich verzwickte Situation mit soviel Realität auf die Leinwand brachte, dass Szenen mich immer wieder an meine eigene Person erinnerten. Von Anfang bis Ende. Ganz im Gegensatz zu „40 Year Old Virgin“, bei dem er mir nur die ersten 45 Minuten Atemprobleme verschaffte.

Als die attraktive Allison Scott (Katherin Heigl), Mitarbeiterin beim Entertainment Sender E!, plötzlich in das Büro ihres Chefs gebeten und zur Moderatorin befördert wird, kann sie ihr Glück kaum fassen. Überzeugt davon, dass dies ein großer Schritt für ihre Hollywood-Karriere bedeutet, entschließt sie sich daher dies mit ihrer verheirateten Schwester Debbie (Leslie Mann) ausgiebig zu feiern. Doch an der Bar im angesagtesten Club LA’s scheinen Wartezeiten oft inklusive zu sein und so trifft Allison kurzerhand auf Ben (Seth Rogan), einem pummeligen Stoner der mit ebenso post-pubertären Kumpels in einer WG haust und dessen Karriereplan aus dem Designen einer anrüchigen Webseite besteht – fleshofthestars.com. Ganz nach dem Motto Alkohol macht schön, trinken sich die beiden dann in Ekstase und landen kurze Zeit später in Alisons Bett. Und so kommt was kommen soll – Kommunikationsprobleme was das Kondom betrifft. Am nächsten Morgen wieder nüchtern und mit dem Laken so halb über dem unmuskulösen Körper Bens, inspiziert Allison dann ihre Wahl vom Vorabend. Überzeugt, diese Eskapade mit Ben so schnell wie möglich abzuhaken, trennen sich ihre Wege nach einer Tasse Kaffee. Doch ein paar Wochen später, scheint sich Allison einen Virus eingefangen zu haben. Während des Interviews mit James Franco wird ihr schlecht. Immer und immer wieder. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie denken sie wäre schwanger… Oops!

Welch ein genialer Film. Ansprechend und witzig sowohl für das weibliche als auch für das männliche Geschlecht. Denn der Film zeigt beide Seiten. Die oft obszöne aber intime und seltsame Freundschaft zwischen Männern die nicht erwachsen werden wollen, und die gleichermaßen leicht ordinäre und absolut unsichere Frauenwelt die nicht zugeben will verletzbar und ratlos zu sein. Beides auf ihre eigene spezielle Art und Weise. Und beides absolut nachvollziehbar. Real. So muss auch ich zugeben mich bei Verdacht schwanger zu sein mit 20 gekauften Tests im Badezimmer wiedergefunden zu haben, in der Hoffnung wenigstens einer davon zeigt ein negatives Ergebnis an. Genauso, wie ich schon unbeholfene Männer mit Kinder hab eher apportieren statt spielen sehen. Oder beim Gedanken an Schwangerschaftssex ala „nicht das ich das Auge aussteche“ sich gleichem verweigern, usw. Situationskomik, die hinsichtlich Sex und Konsequenzen von Apatow mit Finesse charmant an den Zuschauer gebracht wird. Und vor allem, die den Zuschauer immer wieder mit einem breiten Grinsen und starkem Nicken erfüllen wird. Zumindest ab Mitte bis Ende 20.

Katherine Heigl und Seth Rogan in Beim ersten Mal

Seth Rogan und Katherine Heigl, welche sich hier als sichtlich ungleiches Paar durch die Probleme nicht ganz freiwillig werdender Eltern schlagen, sind dabei in ihrer Darbietung eine Augenweide. Zwei Personen, so unterschiedlich wie Tag und Nacht, die krampfhaft versuchen zum Wohle des Ungeborenen nicht nur miteinander sondern auch ohne einander auszukommen. Vor allem für Heigl, die nach dem Fiasko mit ihren ‚ Grey’s Anatomy’ Co-Stars sicherlich positive Reviews für die angeschlagene Seele bevorzugt, ist Allison eine Glanzrolle.

Doch durch die unterschiedlichen Charaktere um Allison und Ben herum, welche die Story intelligent abrunden, geht Apatow, der hier sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte, auch auf deren Leben und Probleme ein. Und wie schon bei seinen Hauptdarstellern, mit ebenso viel Realität wie er nur vom eigenen Leben oder in Beobachtungen ergattern konnte. Dabei scheinen es ihm vor allem die Eheprobleme von Debbie und Pete (Paul Rudd) angetan zu haben. Missverständnisse, Alter, Verantwortung, Vertrauen, Streit, Vertragen – das komplette Packet einer Ehe mit Kindern. Interessant, dass Apatows wirkliche Ehefrau Leslie den Part der Debbie so überzeugend spielt.

Wie so oft mit Unterhaltungsmaterial, hat „Beim ersten Mal“ aber auch eine wichtige Botschaft für das Publikum zwischen den Lachern versteckt. In einer wie Amerika mental leicht zurück gebliebenen Gesellschaft wäre der Oberbegriff Moral und die Unterkategorie menschliche Zwischenbeziehung. Apatow scheint dabei der Familie noch einen hohen Stellengrad zukommen zu lassen. Als Vater von zwei Kindern, der bestimmt auch mit dem Gedanken der plötzlichen Verantwortung zu kämpfen hatte, legt er in „Beim ersten Mal“ die Ängste der Beteiligten und die Ernsthaftigkeit der aufkommenden Lebensveränderung brach auf den Tisch. Sei es hinsichtlich einer ungeplanten oder einer geplanten Schwangerschaft. Dabei nutzt er die im Moment politisch hochrangigen Themen wie Abtreibung, Scheidung und Arbeitslosigkeit zu seinem Vorteil. Es ist die Kombination von Sarkasmus, Leidenschaft und Aufrichtigkeit, die den Film zur besten Comedy des Jahres hat aufsteigen lassen.

Es gibt viele Szenen, die den Film zum Favoriten erklären. Aber es ist die realitätsbezogene Situationskomik die „Beim ersten Mal“ zum Gewinner macht. Angefangen vom Schwangerschaftsschock, über die Realisierung von Gefühlen bis hin zum immer darauf folgenden Beziehungschaos. Wenn ein Film schon am ersten Wochenende seine Kosten einspielt, kann er einfach nicht schlecht sein.

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