5th February 2012

Filmreview: Die Simpsons – Der Film

Posted by Reviewnator on August-10-2007 Add Comments

Die Simpsons - Der Film

Gelbe Landschaften wohin man schaut: Auf Werbeplakaten, im Vorabendprogramm von Pro7, in Supermärkten und Spielwarenläden. Das satte Simpsons-Gelb ist bereits eine eigene Marke. Ebenso wie die Figuren dahinter – und das nicht erst seit gestern. Am 19. April 1987 ging eine Zeichentrickserie on Air, deren Wurzeln auf Erfolgsboden fruchtete. 2007 gibt es 18 Staffeln der Kult-Serie und neuerdings einen Kinofilm, den man als Simpsons-Fan unbedingt zwiespältig betrachten sollte.

Eine leise Vorahnung zeichnete sich bereits ab als bekannt wurde, dass keine Reviews über den Simpsons-Film vor dem 24. Juli, ein Tag vor Leinwand-Release, veröffentlicht werden dürfen. Viele sahen darin eine abschreckende Warnung. War es Regisseur David Silverman und dem weltbekannten Zeichner Matt Groening nicht gelungen, eine sonst auf 22 Minuten beschränkte Simpsons-Folge auf ganze 87 Minuten Spielzeit auszudehnen ohne einen sinnigen Gesamtplot zu implementieren? Nach dem Besuch des Films gibt es auf diese Frage wohl nur eine Antwort: Jain.

Bösartig, zynisch, brillant fängt das Movie an. Homer hat sich ein Hausschwein angeschafft, dessen Fäkalabfälle nun in einem riesigen Silo im Garten der Simpsons-Familie steht. Der vom Überlaufen bedrohte Kessel muss schnellstmöglich entsorgt werden. Also entscheidet sich Homer dazu, die Fäkalien im eh schon verdreckten Lake Springfield zu entsorgen, was eine Art Super-Gau in dem kleinen Städtchen auslöst. Von nun an ist Springfield offiziell die schmutzigste Stadt der Staaten. Den Einwohnern gefällt das natürlich nicht und so stellen sie Nachforschungen an, wer den Schweinemist in den See geschüttet hat. So kommt die Gemeinschaft schnell hinter die Straftat und versucht gemeinsam, den Simpsons die Hölle heiß zu machen, indem sie ihr Hab und Gut abfackeln. Glücklicherweise findet die kleine Maggie einen Fluchtweg und so macht sich die typisch amerikanische Familie auf nach Alaska um dort in abgeschiedener Gegend sesshaft zu werden. Doch die anfangs paradiesische Ruhe und Abgeschiedenheit wird bald durch eine schreckliche Meldung getrübt: Springfield soll dem Erdboden gleich gemacht werden. Der Schandfleck muss von der amerikanischen Landkarte verschwinden. Doch am Ende sind es gerade die Simpsons, die Springfield ins Unheil gestürzt haben, die es in einer waghalsigen Aktion retten.

Hört sich nach einem Plot an, den man in einer normalen Simpsons-Folge abhandeln könnte? Exakt. Dann würden zwar einige Lacher rausfallen und die Szenen etwas kürzer auskommen müssen, was jedoch nicht entstehen würde ist Mittelmäßigkeit. In der ersten Hälfte des Simpson-Films wurde genau dieses Prinzip angewandt. Doch was im letzten Teil des Films folgt, ist manchmal etwas platter und zäher, als man es von den Simpsons sonst gewohnt ist. Gerade der Bart/Flanders-Handlungsstrang und damit verbunden das komplette Vater-Sohn-Drama hätte deutlich verkürzt werden können. Erstaunlich ist es auch, wie man in besagtem zweiten Teil Abstriche zugunsten des Mainstream-Publikums machen musste. Besonders romantisch waren die Simpsons in der Vergangenheit ja nie. Durch diese neue, versöhnliche Seite verliert der Film aber an Tempo und wirkt stellenweise aufgesetzt. So ist die Versöhnung zwischen Bart und Homer und die daraus resultierende Springfield-Rettungsaktion auch ein Plot mit Symbolcharakter. Es wird ein Bild geschaffen, das dem typisch amerikanischen Gesellschaftsbild gleicht, in dem in vielen Fällen noch immer der Sohn eine höhere Akzeptanz in der Familie genießt. Was in normalen Simpsons-Folgen also zynisch beleuchtet wird, kann hier als Versöhnung mit den konservativen Kritikern und Moralwächtern der Simpsons ausgelegt werden.

Die Simpsons - Der Film

Doch trotz der ein oder anderen Schwäche ist der Simpsons-Film gelungener als zu erwarten war. Die Gags treffen zu 80 % den Lachmuskel volle Breitseite und animationstechnisch ist das Movie tadellos. Richtig war es auch, Homer zum „Hauptdarsteller“ mit dem meisten Witzpotential und der längsten Screen-Time auszuerkiesen. Auftritte von beliebten Charakteren wie Tingletangle Bob oder Hausmeister Willy wurden konsequent außen vor gelassen und haben die teilweise konstruiert wirkende Handlung nicht weiter gestört. Und sein wir mal ehrlich: Bei den Simpsons geht es doch in erster Linie ums herzhafte Lachen.

„Die Simpsons – der Film“ setzt genau dort an, wo eine normale Episode zu Ende ist. Zwar ist mir persönlich der Schluss etwas zu romantisch, dennoch kann das nicht über einen gelungenen Kinoabend hinweg täuschen. Alle, die sich also ansatzweise mit den gelben Figuren aus Springfield identifizieren können, sollten eine Vorstellung besuchen. Und siehe da: Homer rettet nicht nur seine Heimatstadt, sondern auch den Samstag Abend.

  • del.icio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • FriendFeed
  • LinkedIn
  • MySpace

Post a Comment

(required. But it will not be published)